VW vor Umbruch in der Führungsriege

EU Europa Nachrichten

Volkswagen plant einen Umbau des Vorstands. [Rob Brewer/Flickr]

Die Führungsriege des skandalbelasteten Volkswagen-Konzerns steht vor einem großen Umbruch. Die Tage von Vorstandschef Matthias Müller scheinen gezählt.

Müllers Nachfolge an der Spitze des größten deutschen Autobauers soll Medienberichten zufolge der bisherige Markenchef Herbert Diess antreten. VW bestätigte die Personalie bislang nicht offiziell, kündigte aber „personelle Veränderungen im Vorstand“ an. Derzeit liefen Gespräche mit mehreren Mitgliedern des Aufsichtsrats und des Vorstands.

Volkswagen erklärte am Dienstag Nachmittag, das Unternehmen erwäge eine „Weiterentwicklung der Führungsstruktur für den Konzern“, die auch mit personellen Veränderungen im Vorstand verbunden wäre. Dazu könne auch eine „Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden gehören“. Der seit September 2015 an der VW-Spitze stehende Müller habe seine „grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, an den Veränderungen mitzuwirken“. Gemeint ist: seinen Platz zu räumen.

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Den Medienberichten zufolge soll die Personalentscheidung am Freitag im Aufsichtsrat gefällt werden. Neben Müller steht nach Informationen der „Braunschweiger Zeitung“ auch Personalvorstand Karlheinz Blessing vor dem Aus. Es sei aber noch unklar, ob er eine neue Position übernehmen oder den Konzern verlassen werde. Blessing war im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen überhöhter Zahlungen an VW-Betriebsratsmitglieder in die Kritik geraten.

Volkswagen selbst wollte sich über seine Mitteilung hinaus nicht äußern. Diese sei versandt worden, weil das die Regularien für den Finanzmarkt so verlangten, sagte ein Sprecher des Aufsichtsrats. Dass für Freitag eine Aufsichtsratssitzung geplant ist, wollte der Sprecher nicht bestätigen, die mögliche Personalie Diess ebensowenig.

Der Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sagte, Müller sei „ganz ausdrücklich als Krisenmanager gekommen“ und der wichtigste Teil der Krisenbewältigung sei nun vorbei. Es sei insofern „richtig, wenn es jetzt in eine neue Richtung geht“. Zu Diess als möglichem Nachfolger sagte Pieper, dieser sei ein „sehr guter Kostenmanager“ und erscheine ihm die „beste Lösung als Nachfolger“ zumindest für die kommenden fünf Jahre zu sein.

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Müller hatte 2015 das Zepter von Martin Winterkorn übernommen, der wegen des Abgasskandals zurückgetreten war. Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck von US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen unterschiedlicher Marken eine Software zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut zu haben. Der Skandal hatte den Konzern in eine schwere Krise gestürzt. Später kamen Anschuldigungen wegen Kartellabsprachen hinzu.

Vorstandschef Müller geriet derweil wegen seines Millionengehalts in die Schlagzeilen. Dem Geschäftsbericht von VW zufolge bekommt er für das Jahr 2017 eine Vergütung von gut zehn Millionen Euro – ein Plus von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Müller verteidigte die Vergütung mit der Relevanz des Unternehmens für die Volkswirtschaft sowie dem mit dem Posten verbundenen Risiko. Müllers Vertrag wäre eigentlich erst 2020 ausgelaufen.

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