VW legt Plan für Autofabrik in der Türkei wegen Syrien-Invasionen auf Eis

Angesichts der jüngsten türkischen Militäroffensive in Syrien hat Volkswagen die Entscheidung zur Eröffnung eines neuen Automobilwerks in der Türkei verschoben. [Rob Brewer/Flickr]

Angesichts der jüngsten türkischen Militäroffensive in Syrien hat Volkswagen die Entscheidung zur Eröffnung eines neuen Automobilwerks in der Türkei verschoben. „Die endgültige Entscheidung für das neue Werk wurde vom Vorstand der Volkswagen AG verschoben“, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag und bestätigte damit Medienberichte.

In der vergangenen Woche startete die Türkei eine militärische Offensive gegen die kurdische Miliz YPG in der syrischen Grenzregion. Am Montag zeigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan seine Entschlossenheit, die Operation trotz internationaler Kritik fortzusetzen, bis „der endgültige Sieg errungen sei“.

Unterdessen kündigte US-Präsident Donald Trump Sanktionen gegen die Türkei, die Beendigung der Handelsgespräche und die Erhöhung der Zölle auf türkischen Stahl an.

Quellen aus dem Management des VW-Konzerns berichten, dass die türkische Militäroperation die Situation „grundlegend“ verändert hat.

VW hatte Anfang des Jahres angekündigt, ein 1,4 Milliarden Euro teures Werk in Südosteuropa oder der Türkei zu bauen. Wettbewerber der Investition waren die Türkei, Bulgarien, Serbien und Rumänien. Letztendlich blieben nur Bulgarien und die Türkei im Spiel, und die Deutschen beschlossen schließlich, in die Nähe der türkischen Stadt Izmir zu investieren.

Vor drei Wochen registrierte das deutsche Unternehmen ein Automobilunternehmen in der Türkei mit einem Kapital von mehr als 100 Millionen Dollar als Zeichen dafür, dass die endgültige Entscheidung gefallen ist.

Die Gründe, warum VW sich für die Türkei entschieden hat, sind vielfältig und einige auch umstritten.

Die Metropole Izmir hat 4,3 Millionen Einwohner. Der Durchschnittslohn in der Türkei ist niedriger als in den umliegenden europäischen Ländern, aber andererseits hat das Land genügend qualifizierte Arbeitskräfte, einen schnellen Zugang zu einem großen Hafen und erstklassige Straßen.

Außerdem hat Präsident Erdoğan dem deutschen Unternehmen großzügige staatliche Beihilfen angeboten, die sogar einen garantierten Kauf eines Teils der Produktion des Werks beinhalten – bis zu 40.000 Autos pro Jahr für die Bedürfnisse der Verwaltung des Landes.

The Capitals: Strafzölle, Harte Linie, “Unfairer Kampf”

Heute u.a. mit dabei: EU-Mitgliedsstaaten sind von US-Zöllen schockiert, Maas fordert eine harte Linie im Handelsstreit, und Bulgarien beschwert sich über “unfairen” Kampf mit der Türkei.

Plan B?

Das Einfrieren der Pläne zum Bau der Fabrik in der Türkei bedeutet jedoch nicht, dass das Unternehmen zu seiner zweiten Option – Bulgarien – zurückkehren wird. Die Behörden in Sofia bieten niedrige Steuern an und betrachten die EU-Mitgliedschaft als Vorteil, aber gerade deshalb kann das Land Volkswagen keine direkten staatlichen Beihilfen gewähren.

Laut Quellen in der bulgarischen Hauptstadt hat das deutsche Unternehmen wahrscheinlich nie gezögert, seine Investitionen in der Türkei zu tätigen, und Sofia wurde als Druckmittel eingesetzt, um von Erdoğan ein besseres Angebot zu erhalten.

Bulgariens Premier will EU-Führungskräfte auffordern, die Kritik an Erdogan einzustellen

Der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, nahm am Freitag offenkundig Stellung gegen den türkischen Präsidenten Erdoğan und forderte ihn auf, die Erpressung Europas einzustellen. Bulgariens PM Borrisow will nun EU-Führungskräfte auffordern, die Kritik an Erdogan einzustellen.

Sofias Reaktion

Vor einem Tag kündigte der ehemalige bulgarische Präsident Rossen Plewneliew an, dass das Land eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission einreichen werde, da VW und die Türkei die Regeln des gemeinsamen europäischen Marktes nicht eingehalten hätten. Plewneliew ist Vorsitzender des bulgarischen Automobilclusters, das im Rahmen der Gespräche mit Volkswagen stattfand.

„Die Türkei ist kein Mitgliedsland der EU, sondern Mitglied des Gemeinsamen Marktes und der Zollunion. Die Türkei muss sich an die Regeln des Gemeinsamen Marktes halten, aber das tut sie nicht. Ich gehe davon aus, dass der Volkswagen Deal für viele Jahre zu einem Schaufenster der Nichteinhaltung der Regeln des Gemeinsamen Marktes werden wird“, betonte Plewneliew.

„Durch diesen Deal wird es Konsequenzen sowohl für VW als auch für die Türkei geben. Die offensichtliche Nichteinhaltung der Regeln des Gemeinsamen Marktes sollte zu Sanktionen führen“, fügte er hinzu.

Ihm zufolge nutzte der Autohersteller bewusst das großzügige Angebot von Erdoğan und wusste sehr wohl, dass dies nicht den Marktregeln entspricht. Plewneliew verkündete, dass Erdoğan VW versprochen habe, 100.000 Personenkraftwagen aus dem neuen Werk für die Bedürfnisse des Staates und seiner Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung zu kaufen.

Massenklage gegen VW: Es geht los

Vier Jahre nach dem Ausbruch der VW-Dieselkrise beginnt nun die juristische Aufarbeitung in großem Stil in Deutschland. Vor dem Landgericht Braunschweig wird erstmals eine Musterfestellungsklage verhandelt. EURACTIVS Medienpartner Deutsche Welle berichtet.

Trumps Sanktionen

Die türkische Wirtschaft ist in schlechter Verfassung, die Kriegsanstrengungen kosten viel, und der Verlust eines großen Investitionsprojekts ist eine wirklich schlechte Nachricht für Ankara.

Die türkische Operation in Nordsyrien wurde von führenden EU-Ländern, die eine neue Welle von Flüchtlingen befürchten, scharf kritisiert. US-Präsident Trump bereitet sich darauf vor, der Türkei Strafzölle aufzuerlegen, da die Armee von Erdoğan syrische Kurden angreift, die ein wichtiger Verbündeter der USA gegen den islamischen Staat waren. Die Sanktionen werden die volatile türkische Währung Lira weiter schwächen.

Trump warnte davor, dass er die türkische Wirtschaft „schnell zerstören“ kann. Washington hat bereits angekündigt, dass es die Gespräche über ein Freihandelsabkommen mit Ankara, das den Handel im Wert von 100 Milliarden Dollar abdeckt, aussetzen und die Zusammenarbeit mit den türkischen Verteidigungs- und Energieagenturen einstellen wird.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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