VW-Abgasskandal: Winterkorn entschuldigt sich

Der Ex-Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, Dr. Martin Winterkorn, hätte so einen Abgasbetrug "nicht für möglich gehalten" [Foto: Volkswagen AG, CC BY 3.0]

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns, Dr. Martin Winterkorn, musste sich heute erstmals vor dem 5.Untersuchungsausschuss des Bundestages zu den Abgasmanipulationen äußern.

Der Abgasuntersuchungsausschuss unter dem Vorsitz von Herbert Behrens (Die Linke) soll klären, inwieweit die Bundesregierung über die Manipulation der Abgaswerte durch VW Kenntnis hatte. Dazu war heute erstmals Dr. Martin Winterkorn zu einer zweistündigen Befragung vor den Ausschuss geladen.

Winterkorn gab sich vor dem Ausschuss erschüttert. Er könne die Empörung über den Skandal verstehen. Er selbst hätte so einen Abgasbetrug „nicht für möglich gehalten“, sagte er gegenüber dem Ausschuss. Winterkorn betonte, er selbst hätte nach dem Bekanntwerden der Affäre sofort Maßnahmen ergriffen und sich am 21. September 2015 mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in München getroffen.

Abgasskandal: USA verklagen VW auf Milliardenstrafe

Dem VW-Konzern drohen wegen des Abgasskandals hohe Strafen. Das amerikanische Justizministerium hat Klage in Milliardenhöhe gegen den Autobauer eingereicht.

Manipulationen mit Konsequenzen

Die ersten Informationen über den VW-Abgasskandal kamen am 18. September 2015 durch eine Mitteilung der US-Umweltbehörde EPA an die Öffentlichkeit. Damals überschritten mehr als 500.000 Diesel-Pkws durch eine „defeate device“, der englische Begriff für die von VW benutze Abschalteinrichtung, die in den USA zugelassenen Grenzwerte für Stickoxide. Nach der EPA-Bekanntgabe hatten mehrere Medien berichtet, dass Winterkorn spätestens seit dem 27. Juli 2015 über die Abgas-Manipulationen bei VW unterrichtet war. Winterkorn hat dies heute vor dem Ausschuss erneut bestritten. Wie es in der Ausschussmeldung heißt, habe er eklärt, dass er „sicher nicht vor September 2015“ etwas von dem Begriff „defeate device“ gehört habe.
Einen Tag nach dem Treffen mit Minister Dobrindt soll Winterkorn mit Angela Merkel (CDU) telefoniert haben. Am 23. September 2015 trat Winterkorn dann von der VW-Konzernspitze zurück.

Jourova drängt auf Entschädigung durch VW

„Ich vermisse immer noch einen Extra-Bonus“: Im VW-Dieselskandal fordert EU-Justizkommissarin Vera Jourova eine Entschädigung der 8,5 Millionen betroffenen Kunden in Europa.

In den USA hat sich der Volkswagen-Konzern im Dezember 2016 zu Entschädigungsleistungen in Höhe von 16,5 Milliarden Dollar verpflichtet. Auch in Europa könnte VW höheren Strafmaßnahmen als konzernintern geplant entgegensehen. Nach der erzielten Einigung in den USA forderte auch EU-Justizkommissarin Vera Jourova eine faire Behandlung von 8,5 Millionen betroffenen Verbrauchern in der Europäischen Union. „Eine europaweite Informationskampagne und ein Ersatzwagen während der Reparaturphase sind nicht genug“, sagte EU-Kommissarin Vera Jourova im Dezember gegenüber „Der Welt“. VW müsse „seine Anstrengungen verstärken und sicherstellen, dass bis Herbst 2017 auch tatsächliche alle Autos repariert werden.“

Winterkorn hinterlässt „große Fragezeichen“

Schon im Vorfeld der Befragung schien die Hoffnung der Ausschuss-Mitglieder, von Winterkorn Wesentliches zur Aufklärung der Abgasaffäre zu erfahren, gering. Zwar entschuldigte sich Winterkorn vor dem Ausschuss für die Affäre, in seinen Aussagen sahen einige Mitglieder jedoch eine verpasste Chance, bei Kunden und Mitarbeitern das Vertrauen in eine transparente Darstellung der Vorgänge innerhalb des VW-Konzerns wiederherzustellen. So stehe CSU-Abgeordneter Ulrich Lange besonders Winterkorns Aussagen zum Rückruf 2015 „sehr misstrauisch“ gegenüber. Grünen-Obmann Oliver Krischer sei sogar „schokiert“ wie nebensächlich Winterkorn über Stickoxide und Umweltfragen geredet habe.
SPD-Obfrau Kirsten Lühmann sah hingegen die Frage, inwieweit die Bundesregierung in den Skandal involviert sei, durch die Aussagen Winterkorns geklärt. Winterkorn habe „sehr klar gemacht, dass staatliche Stellen und die Bundesregierung erst im September Informationen über die Manipulationen durch VW erhalten habe.

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