Viel Interesse an Air Berlin

Nach der Pleite beginnen nun die Verhandlungen um die soziale Abfederung der Beschäftigten. [shutterstock]

Auf dem Markt gibt es viel Interesse an Air Berlin. Die Airline soll unter mehreren Bietern aufgeteilt werden. Doch die Zeit drängt.

„Wir haben mit mehr als zehn Interessenten gesprochen, darunter mit mehreren Fluglinien“, sagte Konzernchef Thomas Winkelmann der „Bild am Sonntag“. Namen nannte er nicht. Ein Komplettverkauf der insolventen Fluggesellschaft sei unwahrscheinlich: „Es wird nicht einen, sondern zwei oder drei Käufer geben.“ Langstrecken, Geschäftsflüge und Urlaubsreisen seien zu unterschiedliche Bereiche. Dass eine Komplettübernahme durch nur einen Wettbewerber nicht infrage kommt, stellte auch das Bundeskartellamt frühzeitig klar.

Ins gleiche Horn stieß Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD). Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Fluggesellschaft mehrere Partner brauche, um dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern eine längerfristige Perspektive bieten zu können. „Das Modell Air Berlin als eine eigenständige Airline ist ja gescheitert“, sagte Machnig am Samstag dem InfoRadio des rbb.

Zuvor hatte Ryanair-Chef Michael O’Leary der Bundesregierung ein abgekartetes Spiel vorgeworfen, um das Gros von Air Berlin möglichst billig dem deutschen Marktführer Lufthansa zuzuschanzen. Machnig wies dies zurück: „Es wird keinen Zuschlag allein an Lufthansa geben.“ Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich allerdings dafür ausgesprochen, dass die Lufthansa wesentliche Teile von Air Berlin übernimmt. „Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr“, sagte Dobrindt vergangene Woche der „Rheinischen Post“.

Gute Chancen für Arbeitsplätze bei Air Berlin

Der Generalbevollmächtigte der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin ist zuversichtlich, dass die Arbeitsplätze der meisten der 8600 Mitarbeiter gerettet werden können.

Mit seinen Aussagen stieß Dobrindt auf scharfe Kritik von Lufthansa-Konkurrenten und Wettbewerbshütern. Es sei zwar zu begrüßen, wenn die Lufthansa durch einen guten Service zu attraktiven Preisen ihren Marktanteil in der internationalen Luftfahrt ausbauen würde, sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, der „Welt am Sonntag“. „Es überzeugt aber nicht, wenn dies dadurch erfolgen sollte, dass auf Wettbewerb auf deutschen Flugstrecken verzichtet würde.“

Die Zeit drängt

Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ hat die Lufthansa den Insolvenzverwaltern ein Konzept vorgestellt, wonach die Airline bis zu 70 Flugzeuge übernehmen will – davon 12 bis 17 für die Langstrecke und 21 von der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki. Dazu kämen 2.000 bis 3.000 Mitarbeiter, vor allem Piloten und Flugbegleiter.

Insider hatten der Nachrichtenagentur Reuters bereits vergangene Woche gesagt, dass die Lufthansa bis zu 90 der 140 Flugzeuge von Air Berlin übernehmen will, darunter 21 Flugzeuge von Niki. Air Berlin und Lufthansa haben Gespräche bestätigt, sich aber nicht zu Details geäußert.

TUI wolle sechs bis sieben Maschinen, berichtete die „Bild am Sonntag“. Die TUI-Tochter TUIfly fliegt für Niki und hat Passagiere auf Air Berlin gebucht.

Bei den Verhandlungen über die Aufteilung von Air Berlin drängt die Zeit. „Wir wollen den Verkauf spätestens im September abschließen“, sagte Air-Berlin-Chef Winkelmann. „Sonst schwindet das Vertrauen der Kunden in die Airline.“ Von der Buchungslage hängt ab, wie lange die Fluggesellschaft den Betrieb mit Hilfe des Staatskredits über 150 Millionen Euro aufrechterhalten kann. Auch aus insolvenzrechtlicher Sicht muss die Zukunft von Air Berlin spätestens bis Ende Oktober zumindest ansatzweise klar sein. Denn die Arbeitsagentur zahlt die Löhne der 7.200 Mitarbeiter in Deutschland nur im vorläufigen Insolvenzverfahren, von August bis Oktober. Von November an müsste die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft die Personalkosten wieder selbst stemmen.