Verdi verhandelt mit Ryanair

Warnstreiks führen zu zahlreichen Flugausfällen. [EPA/WULF PFEIFFER]

Im Konflikt um die Arbeitsbedingungen beim irischen Billigflieger Ryanair nimmt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Mittwoch Tarifverhandlungen für die rund tausend Kabinenbeschäftigten der Fluggesellschaft in Deutschland auf.

Die Verhandlungen finden in der irischen Hauptstadt Dublin statt, wie Verdi am gestrigen Montag mitteilte. Die Gewerkschaft fordert für das Kabinenpersonal mehr Geld und eine bessere Absicherung.

„Das Einkommen muss endlich existenzsichernd und planbar werden“, erklärte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle. Durch saisonale Schwankungen und fehlende Flugstundengarantie erhielten einige Vollzeit-Beschäftigte „monatlich lediglich rund 1.000 Euro brutto“. Das sei „völlig inakzeptabel“.

„Wir erwarten, dass Ryanair umgehend die hiesigen Sozialstandards anerkennt“, forderte Behle. Die Tarifvereinbarungen müssten für alle in Deutschland stationierten Kabinenbeschäftigten bei Ryanair gelten. Das betreffe auch diejenigen, die für Leiharbeitsfirmen „zu noch schlechteren Bedingungen“ arbeiten würden. Diese Beschäftigten machen etwa 50 Prozent des Kabinenpersonals aus.

„Ein Stein ist ins Rollen gekommen, den Ryanair nicht aufhalten kann“

In der Vorweihnachtszeit führte Ryanair erstmals Gespräche mit Gewerkschaften. Nach wenigen Tagen wurden sie abgebrochen. Es kam zu Streiks. EURACTIV sprach mit dem Piloten Markus Wahl über die Entwicklung.

Bei Ryanair war es erst am Freitag wegen eines Pilotenstreiks zu zahlreichen Flugausfällen in einer Reihe europäischer Länder gekommen. Auch die Piloten fordern bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt. Ryanair sieht sich seit längerem Vorwürfen ausgesetzt, seine Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigfluggesellschaften. Zahlreiche Piloten hatten dem Unternehmen daher den Rücken gekehrt, als sich aufgrund neuer Linien des Wettbewerbers Norwegian die Gelegenheit bot. Erst im vergangenen Jahr hatte sich Ryanair nach langem Druck grundsätzlich bereit erklärt, Gewerkschaften anzuerkennen.

Im Juli unterzeichneten Verdi und Ryanair dann eine Anerkennungsvereinbarung. Auf einer ersten internationalen Konferenz von Ryanair-Flugbegleitern war Anfang Juli in Dublin ein gesamteuropäischer Forderungskatalog aufgestellt worden. Gewerkschaften in mehr als dreizehn Ländern verlangen von Ryanair eine nachhaltige Reform der Arbeitsbedingungen für alle Kabinenbeschäftigten.

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