Verbrenner-Verbot sei „industrielle Zerstörung“, warnt die französische Autoindustrie

Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire reagierte auf das Abstimmungsergebnis eher verhalten. Er sprach von einer "revolutionären, aber positiven" Entscheidung und betonte, dass noch "viel Arbeit" zu leisten sei, um rechtzeitig bis 2035 soweit zu sein. [Michael Gancharuk/Shutterstock]

Die französische Automobilindustrie hat die Abstimmung des Europäischen Parlaments zum Verbot der Produktion von Autos mit Verbrennungsmotor ab 2035 einstimmig kritisiert. Sie bezeichnete dies als „industrielle Zerstörung“ und einen „Schritt ins Ungewisse“.

Nachdem die deutschen Automobilhersteller bereits ihren Unmut geäußert haben, bleibt abzuwarten, ob die beiden Länder, in denen die größte Automobilindustrie Europas beheimatet ist, das vom Parlament am Mittwoch (8. Juni) verabschiedete Verbot akzeptieren werden.

Die französische Europaabgeordnete Karima Delli erklärte gegenüber EURACTIV, die Autoindustrie habe heftige Lobbyarbeit betrieben, um das Jahr 2035 aus dem Text des Parlaments zu streichen. Die konservative Europäische Volkspartei (EVP), die größte Fraktion des Parlaments, hatte ebenfalls versucht, den Text zu verwässern.

Luc Chatel, der Präsident der französischen Automobilarbeitergewerkschaft PFA (Plateforme automobile), warnte am Donnerstag (9. Juni) im französischen Fernsehen vor einer solchen Entscheidung: „Ich glaube nicht, dass wir die Kunden für Elektroautos haben werden; bedenken Sie, dass sie doppelt so teuer sind wie Verbrennungsautos.“

Er fügte hinzu, dass derzeit zu wenige Ladestationen für Elektroautos vorhanden seien. Frankreich benötige „bis 2030 insgesamt eine Million Ladestationen“, statt der lediglich 60.000, die derzeit in Frankreich in Betrieb sind.

Hinzu kommt, dass der inflationäre Druck den Sektor hart getroffen habe und die Produktionskosten für Elektroautos „um weitere 26 Prozent“ steigen würden, so Chatel.

Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire reagierte auf das Abstimmungsergebnis eher verhalten. Er sprach von einer „revolutionären, aber positiven“ Entscheidung und betonte, dass noch „viel Arbeit“ zu leisten sei, um rechtzeitig bis 2035 soweit zu sein.

Le Maire traf sich am Freitag mit Vertreter:innen der Autoindustrie, um zu prüfen, wie „die französische Regierung die Autohersteller und ihre Zulieferer weiterhin unterstützen kann“ und um zu gewährleisten, dass „die Ladestationen so weit wie möglich in Frankreich hergestellt werden.“

Nach dem Treffen wurde keine Erklärung abgegeben.

Ein Vertreter der Autoindustrie erklärte gegenüber EURACTIV Frankreich, dass die Ideen von Le Maire „die Schaffung von Tausenden von Arbeitsplätzen erfordern würden.“ „Wir brauchen auch eine klare finanzielle Unterstützung des Staates, um die entsprechende Infrastruktur zu entwickeln und die Produktion von Elektrobatterien zu verbessern.“

Vor dem Treffen hatte Le Maire auch angedeutet, dass er eine Überprüfungsklausel einführen wolle, obwohl nicht klar ist, ob dies den Branchenführern bestätigt wurde.

„Eine regelrechte Schlacht“ im Europäischen Parlament

Karima Delli, Europaabgeordnete der französischen Grünen und Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Europäischen Parlaments (TRAN), erklärte jedoch gegenüber EURACTIV, dass „eine Revisionsklausel keinen Sinn ergibt. Wir haben einen vereinbarten und machbaren Zeitplan bis 2035.“

„Diese Abstimmung ist nur ein Anfang. Wir müssen jetzt intensiv darüber nachdenken, wie wir die Batterieproduktion in Frankreich und Europa maximieren und den Übergang der Arbeitnehmer in die Elektroautoindustrie unterstützen können“, sagte Delli.

Der in 2015 aufgedeckte „Dieselgate“-Skandal – als bekannt wurde, dass Autohersteller die Motoren ihrer Fahrzeuge manipuliert haben, um bei Abgasuntersuchungen zu schummeln – hat das öffentliche Bewusstsein für die Umweltverschmutzung durch den Straßenverkehr geschärft und die Lobbymacht der Autohersteller verstärkt.

„Ich war Zeuge einer regelrechten Schlacht zwischen den Abgeordneten und den Lobbyisten wenige Tage vor der Abstimmung“, sagte Delli, und fügte hinzu: „Die Hersteller setzten alles daran, das Datum 2035 zu streichen, was die Gesetzgebung sinnlos gemacht hätte“.

Chatel von PFA behauptete jedoch, dass „die Infrastruktur heute einfach nicht vorhanden ist.“

„Wir müssten nicht nur die Stromerzeugung ausweiten, sondern auch eine saubere Energiequelle nutzen“, sagte er.

Während Frankreich 75 Prozent seiner Energie aus Atomkraft bezieht, bestehen in anderen europäischen Ländern große Unterschiede.

‚Schleusen öffnen‘

Ein Produktionsverbot für Autos mit Verbrennungsmotor würde bedeuten, China „die Schleusen zu öffnen“, sagte ein Vertreter der PFA.

China ist inzwischen weltweit führend in der Produktion von Elektroautos, wird aber gleichzeitig weiterhin günstigere Autos mit Verbrennungsmotor produzieren, während die europäischen Hersteller ausscheren, so die Industrie.

Der Abgeordnete Delli wies diese Behauptung jedoch entschieden zurück: „Frankreich bleibt ein Land der Industrie und der Automobile. Die Abstimmung markiert den Beginn eines großen neuen Industrieplans.“

„Wir haben 100.000 Arbeitsplätze durch Sozialdumping und Verlagerung verloren. Es ist an der Zeit, sie zurückzuholen“, fügte sie hinzu.

*Charles Szumski trug zu diesem Artikel bei.

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[Bearbeitet von Sean Goulding Carroll und Zoran Radosavljevic]

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