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17/01/2017

US-Ratingagentur Moody’s stuft Griechenland weiter herab

Finanzen und Wirtschaft

US-Ratingagentur Moody’s stuft Griechenland weiter herab

Es wird eng für Griechenland: Moody's hat die Kreditwürdigkeit weiter herabgestuft.

[Anders Sandberg/Flickr]

Wegen Unsicherheiten über eine mögliche Einigung mit den Gläubigern hat die US-Ratingagentur Moody’s Griechenland weiter herabgestuft. Laut Insiderinformationen wird die Zeit für Athen knapp: Nur noch wenige Tage blieben demnach für eine Übereinkunft mit den Euro-Partnern.

Wegen des anhaltenden Schuldenstreits mit seinen europäischen Gläubigern hat die US-Ratingagentur Moody’s Griechenlands Kreditwürdigkeit weiter herabgestuft. Sie liegt jetzt mit Caa2 noch tiefer auf Ramschniveau, teilte Moody’s am Mittwochabend mit. Es bestehe „große Unsicherheit“, ob sich Athen mit seinen europäischen Partnern einigen könne. Daher bleibe auch der Ausblick negativ.

Für Donnerstag ist ein Treffen mit der sogenannten Brüsseler Gruppe geplant, zu dem Athen neue Vorschläge zur Erhöhung der Staatseinnahmen präsentieren will, wie es am Mittwoch aus griechischen Regierungskreisen hieß. Ein baldiger Durchbruch im Ringen um Reformen ist aber offenbar nicht zu erwarten.

Insider: Athen bleibe nur wenige Tage

Ein Insider sagte unterdessen, Griechenland müsse sich im Schuldenstreit in den kommenden Tagen noch deutlich bewegen, um eine Einigung mit den Euro-Partnern zu erreichen.

Ein hochrangiger Vertreter der Euro-Zone sagte am Mittwoch: „Wir sprechen nicht mehr über Wochen, sondern über Tage.“ Zudem sei es nötig, rasch Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm aufzunehmen. Die griechische Regierung komme ohne ein solches Programm finanziell nicht über die Runden. Athen lehnt ein drittes Rettungspaket wegen damit verbundener Auflagen bislang ab.

Griechenland wolle am Donnerstag den Vertretern der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalem Währungsfonds eine Reformliste vorlegen, sagte der Insider. Ob die Maßnahmen ausreichen, könne aber erst kommende Woche bewertet werden. Notwendig sei dafür, dass sich die Regierung in Athen in einigen Reformbereichen – etwa bei Renten und Arbeitsmarkt – noch deutlich bewege. Die Euro-Finanzminister wollten politische Zugeständnisse sehen, um sicherzugehen, dass es die griechische Regierung dieses Mal ernst meine.

Laut dem Beschluss der Eurogruppe vom 20. Februar sollen Reformpläne zunächst mit den drei Institutionen besprochen werden, bevor die Euro-Finanzminister die verbliebenen Mittel aus dem bis Ende Juni laufenden Hilfsprogramm von insgesamt 7,2 Milliarden Euro freigeben. Dem Vertreter der Euro-Zone zufolge könnte es wenige Tage nach dem Treffen der Eurogruppe am 11. Mai eine weitere Sitzung geben, um eine Einigung zu erreichen. Bestenfalls könne am 11. Mai eine Zwischenlösung gefunden werden und bis Ende des Monats oder Anfang Juni ein Gesamtpaket stehen. Danach könne die EZB Griechenland grünes Licht dafür geben, mehr kurzlaufende Anleihen (T-Bills) zu kaufen.

Die Gespräche über ein drittes Hilfspaket dürften noch schwieriger werden als die Verhandlungen über das aktuelle Maßnahmenpaket, sagte der Insider. Für ein drittes Programm sei frisches Geld in Kombination mit einer möglichen Reduzierung der Schuldenlast nötig. Ein Schuldenschnitt werde aufseiten der Geldgeber aber nahezu einmütig abgelehnt.

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