Urlaubsländer schlagen nach Thomas-Cook-Pleite Alarm

Thomas Cook bediente viele südliche Destinationen, wo man nun um die Touristen fürchtet. [Netfalls Remy Musser/ Shutterstock]

19 Millionen Kunden machten 2018 mit Thomas Cook Urlaub. Der Reisekonzern betreibt Hotels, Ferienanlagen und Fluggesellschaften in 16 Ländern. Nach der Pleite ist die Sorge vor den Folgen in den Urlaubsländern sehr groß.

600.000 Touristen sind unmittelbar von der Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook betroffen, die um drei Uhr Montagfrüh von der britischen Flugbehörde CAA bekannt gegeben wurde. Für mehr als 150.000 Briten ist bereits die größte derartige Rückholaktion in der Geschichte des Landes angelaufen.

In Deutschland trifft die Pleite etwa 340.000 Reisende. 140.000 von ihnen sind derzeit auf Reisen, weitere 21.000 wollten Montag oder Dienstag starten und kommen nun voraussichtlich nicht weg. Wer mit Thomas Cook gebucht hat, kann seinen Urlaub entweder nicht mehr antreten oder muss nun darauf hoffen, dass eine Rückreise organisiert werden kann.
Viele der „Gestrandeten“ halten sich rund um das Mittelmeer auf. Die beliebten Urlaubsländer berichten von jeweils zehntausenden Besuchern, die demnächst abreisen sollten und schlagen Alarm: Die wegbrechenden Urlauber könnten Hoteliers und andere Touristikunternehmen in den Urlaubsregionen hohen finanziellen Schaden bescheren.

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In Griechenland hängen etwa 50.000 Thomas-Cook-Kunden fest, vor allem auf den Inseln. Die ersten 15 Flugzeuge für die Menschen seien organisiert, teilte das griechische Tourismusministerium mit. Erste Thomas-Cook-Urlauber auf den griechischen Ferieninseln Kos, Korfu und Zakynthos können bald abreisen. In den kommenden drei Tagen sollen demnach rund 22.000 Touristen zurückgeholt werden.

„Der finanzielle Zusammenbruch von Thomas Cook ist eine unglückliche Entwicklung für die gesamteuropäische Tourismusbranche, die auch den griechischen Markt betrifft“, hieß es aus dem Ministerium. Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Griechenlands. Laut deutschem Auswärtigen Amt trägt er direkt und indirekt rund 23 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei.

Sorgen bereiten den Hoteliers in Griechenland vor allem die noch ausstehenden Zahlungen des Konzerns. „Es wird unvermeidlich zu Ausfällen kommen“, sagte Tourismusminister Charis Theocharis dem griechischen Fernsehsender Skai. Sein Ministerium wolle einen Plan ausarbeiten, damit Griechenland nach dem Zusammenbruch des Unternehmens keine Marktanteile verliere. Um betroffenen griechischen Tourismusunternehmen unter die Arme zu greifen, sei auch das griechische Finanzministerium eingeschaltet worden. Außerdem wurde ein Krisentreffen mit Vertretern der griechischen Tourismusverbände anberaumt.

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In der Türkei sind es 45.000 Touristen, die derzeit mit Thomas Cook im Land urlauben. Durch die Pleitemeldung des Reisekonzerns befürchtet die türkische Tourismusbranche deutliche Einbußen, etwa einen starken Besucherrückgang. Als Folge des Firmenzusammenbruchs könnten jährlich 600.000 bis 700.000 Urlauber weniger in die Türkei kommen, sagte Osman Ayik, Präsident des türkischen Hotelverbandes, der Nachrichtenagentur Reuters. Ayiks Worten zufolge hat der Konzern Schulden bei einigen kleinen Hotels von insgesamt 100.000 bis 200.000 Pfund.

Um den finanziellen Schaden im eigenen Land etwas zu abmildern hat das türkische Tourismusministerium bereits ein Unterstützungspaket für betroffene heimische Unternehmen in Aussicht gestellt. Das Paket werde „in kürzester Zeit“ verabschiedet, teilte das Ministerium in Ankara via Twitter mit. Details wurden aber zunächst nicht genannt.

In Spanien sollen sich aktuell nach verschiedenen Schätzungen zwischen 25.000 und 120.000 Kunden des Thomas-Cook-Konzerns aufhalten. Dort begann am Montagmittag die Rückholung britischer Reisender an elf spanischen Flughäfen. In Spanien betrieb der britische Konzern zuletzt 45 Hotels. „Man hat uns bisher nichts gesagt. Auch nicht, was wir mit den Gästen machen oder ihnen sagen sollen. Wir sind in großer Sorge“, sagte ein Hotelgeschäftsführer auf Mallorca der Deutschen Presse-Agentur.

Für das Land habe die Pleite „sehr negative Auswirkungen“, sagte Spaniens Tourismus-Ministerin María Reyes Maroto in Madrid. Sie sei mit den Hotelierverbänden in Kontakt, um Strategien zu erarbeiten. Mit Thomas Cook waren im vergangenen Jahr rund 3,6 Millionen Touristen nach Spanien gereist. Vor allem auf die Balearen und die Kanaren sowie nach Andalusien, Valencia und Katalonien. In diesen Regionen ist die Tourismusbranche besonders alarmiert. „Das ist ein sehr harter Schlag für die (Balearen-)Inseln“, sagte etwa der für Tourismus zuständige Regionalminister Iago Negueruela dem Radiosender SER. Der finanzielle Schaden sei noch gar nicht abzuschätzen.

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Allein auf den Kanarischen Inseln sitzen bis zu 30.000 Touristen fest, sagte der Präsident der Hoteliersvereinigung in Las Palmas, José María Mañaricúa, dem Radiosender Cadena Ser. Bei den Hoteliers auf den Kanaren ist vor allem die Sorge um die anstehende Wintersaison groß. Für diesen Zeitraum gäbe es bereits viele Buchungen über Thomas Cook.

Aus Zypern müssen 15.000-Thomas-Cook-Kunden zurückgebracht werden, wie der stellvertretende Tourismusminister Savvas Perdios sagte. Die Hälfte davon seien Briten, 40 Prozent kämen aus Skandinavien und jeder Zehnte aus Deutschland. Einen „schweren Schlag für den Tourismus auf Zypern“ nannte Perdios bei einer Krisensitzung die Insolvenz des Reiseanbieters. Laut des Staatsrundfunks RIK sind aktuell rund 15.000 Touristen vor Ort von der Pleite betroffen. Bisher brachte Thomas Cook pro Jahr rund 250.000 Besucher auf die Mittelmeerinsel. Zyprische Medien gehen davon aus, dass sich der Schaden der Pleite für örtliche Hoteliers auf bis zu 50 Millionen Euro belaufen könnte.

Perdios mahnte die örtlichen Hoteliers und Unternehmer zur Besonnenheit. „Es ist wichtig, dass unsere Besucher alle Gastfreundschaft erfahren und ihre Rückkehr reibungslos verläuft“, sagte er. Die Betroffenen sollten das Land „mit den bestmöglichen Eindrücken verlassen“.

Mit Material von dpa und Reuters

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