UK und Norwegen wollen neues Handelsabkommen aushandeln

Oslo und London wollen den Handel auch nach Ende der Übergangszeit nach dem EU-Austritt möglichst zollfrei gestalten. Im Bild: Ein Frachter im Hafen der nordnorwegischen Stadt Kirkenes. [EPA/Helge Sterk]

Das Vereinigte Königreich und Norwegen werden in den kommenden Wochen Handelsgespräche aufnehmen. Ziel ist es, potenzielle Störungen des Handels sowie Geschäftseinbußen zu minimieren, wenn das Vereinigte Königreich den EU-Binnenmarkt Ende 2020 verlässt.

Oslos Verhandlungsteam hat diese Woche seine Pläne für einen Handelspakt mit London veröffentlicht, der bestenfalls in Kraft treten soll, sobald die Übergangsperiode nach dem Brexit – während der das Vereinigte Königreich noch Teil des EU-Binnenmarkts bleibt – endet. Dieses Abkommen soll zusammen mit den Partnerländern Island und Liechtenstein ausgehandelt werden, die ebenfalls Teil des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und der Europäische Freihandelsassoziation sind.

Aus Norwegen hieß es dazu, man wünsche für norwegische Unternehmen den gleichen Zugang zum britischen Markt wie für EU-Produzenten aktuell. Dazu gehöre der „vollständige Freihandel für Meeresfrüchte“, so das Ministerium für Handel, Industrie und Fischerei in Oslo.

„Dies wäre eine Verbesserung gegenüber der derzeitigen Situation, in der norwegische Exporteure von Meeresfrüchten keine Freihandelsbedingungen in die EU-Staaten genießen, sondern sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Quoten und Zölle auseinandersetzen müssen,“ fügte das Ministerium in einer Erklärung hinzu.

Großbritannien und Neuseeland verhandeln Freihandelsabkommen

Großbritannien und Neuseeland haben offiziell Gespräche über ein Freihandelsabkommen (FTA) aufgenommen.

Darüber hinaus soll auch der Marktzugang für weitere norwegische Agrarprodukte verbessert sowie der bestehende Handel mit Waren und Dienstleistungen aufrechterhalten werden.

Rund 22 Prozent aller norwegischen Exporte gehen ins Vereinigte Königreich, das damit der größte Einzelausfuhrmarkt Norwegens ist. Der Handel des UK mit seinen Nordseeanrainern Island und Norwegen hatte kürzlich einen Wert von rund 30 Milliarden Pfund (umgerechnet ca. 33 Milliarden Euro) erreicht, davon etwas mehr als 27 Milliarden Euro in Form von Waren.

In Oslo erwartet man jedoch nicht, dass ein Deal die Verluste ausgleichen wird, sobald das Vereinigte Königreich nicht mehr Teil des gemeinsamen EU-Wirtschaftsblocks ist. Ein neues Abkommen werde wohl „leider nicht in der Lage sein, das EWR-Abkommen zu ersetzen. Die Wirtschaft muss sich darauf vorbereiten, dass sie mit neuen Handelsbarrieren konfrontiert sein wird, wenn das Vereinigte Königreich den Binnenmarkt verlässt,“ erklärte die norwegische Ministerin für Handel und Industrie, Iselin Nybø, in der vergangenen Woche.

Die britische Regierung von Premier Boris Johnson hat bereits die Möglichkeit ausgeschlossen, ähnlich wie Norwegen über die Europäische Freihandelsassoziation faktisch Mitglied des EU-Binnenmarktes zu bleiben (bzw. neu beizutreten).

Barnier hält Brexit-Handelsabkommen derzeit für "unwahrscheinlich"

Auch der britische Chefunterhändler David Frost schloss eine Einigung noch im Juli aus. Beide Seiten äußerten aber Hoffnung auf eine Verständigung in den kommenden Monaten. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt.

Neben den laufenden Gesprächen mit dem Chefunterhändler der EU, Michel Barnier, hat die Regierung Johnson inzwischen Handelsgespräche mit einigen Ländern, darunter den Vereinigten Staaten und Japan, aufgenommen.

Dabei zeigen sich an praktisch allen Fronten jedoch weniger Fortschritte als erhofft. In der vergangenen Woche räumten beispielsweise britische und US-amerikanische Beamte ein, dass ein Handelspakt in diesem Jahr nicht abgeschlossen werden wird.

Am vergangenen Donnerstag (23. Juli) warnte derweil EU-Verhandler Barnier, aufgrund der anhaltend „beträchtlichen Differenzen“ werde eine Einigung zwischen der EU und dem UK in diesem Jahr ebenfalls „unwahrscheinlich“.

Einen gewissen „Erfolg“ gab es indes im vergangenen Jahr, als das Vereinigte Königreich, Norwegen und Island bereits ein Abkommen über die Fortführung des Warenhandels für den Fall eines „No-Deal“-Szenarios zwischen London und Brüssel unterzeichneten.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

Jetzt bis September: London setzt neue Deadline für EU-Handelsabkommen

Das Vereinigte Königreich sieht nun den kommenden September als Frist für die Einigung auf ein neues Handelsabkommen mit der EU vor. Gestern wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen.

Freihandel und Mercosur auf der Agenda der deutschen EU-Ratspräsidentschaft

Die Wiederaufnahme der Verhandlungen zum umstrittenen Mercosur-Handelsvertrag und die Handelspolitik mit den USA gehören zu den Prioritäten der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Das dürfte anderen Mitgliedsstaaten nicht gefallen.

Brexit: Inszenierte Eskalation

Die britische Regierung provoziert womöglich einen chaotischen EU-Austritt ohne Deal, um von ihrem Versagen in der COVID-19-Krise abzulenken.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN