Trump: Zu viele Touristen in Europa? Der Euro ist schuld.

Hat eine Erklärung: US-Präsident Donald Trump. [EPA-EFE/Yuri Gripas]

US-Präsident Donald Trump hat die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank für die hohe Zahl der Touristen, die nach Europa kommen, „verantwortlich“ gemacht. Gleichzeitig griff er die US-Notenbank an, da sie weiterhin an „lächerlich“ hohen Zinssätzen festhalte.

Als Reaktion auf einen Meinungsartikel von Bloomberg über den immer stärker werdenden Touristenansturm auf europäische Baudenkmäler und Wahrzeichen schrieb Trump auf Twitter, die hohen Besucherzahlen seien vor allem auf einen unterbewerteten Euro (gegenüber dem US-Dollar) zurückzuführen. Dies stelle auch einen „großen Nachteil“ für die USA dar.

Den Artikel über Tourismus in Europa nutzte Trump so zu einem Angriff auf die amerikanische Notenbank: „Der Leitzins der Fed [ist] viel zu hoch, was zu einer lächerlichen quantitativen Verknappung hinzukommt! Sie haben einfach keine Ahnung!“

In einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC hatte Trump am Montag außerdem beklagt, dass auf amerikansiche Weine, die nach Frankreich exportiert werden, höhere Zölle erhoben würden als dies bei französischen Weinexporten in die USA der Fall sei.

Gewohnt vage kündigte er an: „Das ist nicht fair. Wir werden etwas dagegen tun.“

EZB unbeeindruckt

Die EZB signalisierte vergangene Woche, ein Ende ihrer lockeren Geldpolitik sei aktuell nicht in Sicht – gerade wegen Trump. EZB-Präsident Mario Draghi verschob eine Zinserhöhung auf mindestens die zweite Hälfte des kommenden Jahres.

Der EZB-Rat erwägt darüber hinaus eine weitere Zinssenkung und einen Neustart des Ankaufprogramms der Bank, um die Risiken der durch den Zollkrieg von Trump ausgelösten globalen Handelsstreitigkeiten zu bewältigen. Hinzu kämen andere Risiken wie der Brexit.

In den USA signalisierte derweil Fed-Chef Jerome Powell vergangene Woche seine Offenheit für weitere Zinssenkungen, um die Folgen der Handelsstreitigkeiten abzufedern.

EZB belässt Leitzins auf Rekordtief

Am gestrigen Donnerstag teilte die EZB erwartungsgemäß mit, der Leitzins in der Eurozone bleibe bei 0,0 Prozent. Die milliardenschweren Anleihekäufe werden ab Oktober halbiert.

Währungskrieg?

Trump’s Tweet schürte erneut die Angst vor einem Währungskrieg – inmitten des amerikanischen Handelskrieges gegen China.

Die US-Regierung prüft bereits, wie zusätzliche Zölle auf Länder erhoben werden können, die ihre Währungen abwerten. US-Handelsminister Wilbur Ross warnte schon vergangenen Monat, seine Abteilung wolle „Währungssubventionen, die der US-Industrie schaden“, entgegenwirken.

„Andere Nationen wären dann nicht mehr in der Lage, [ihre] Währungspolitik zum Nachteil amerikanischer Arbeiter und Unternehmen zu nutzen,“ so Ross in einer Erklärung.

Warum Donald Trump so siegessicher ist

Beflügelt von guten Wirtschaftsdaten gefährdet der US-Präsident die Handelsgespräche mit China. Das verheißt nichts Gutes für Europa. EURACTIVs Medienpartner Der Tagesspiegel berichtet.

Übrigens: Tatsächlich stammen die meisten Touristen, die aus Drittstaaten nach Europa reisen, aktuell aus den USA. Laut dem jüngsten Bericht der Welttourismusorganisation über die Entwicklung des Tourismus in der EU besuchten 2016 rund 25 Millionen US-Amerikaner Europa. Europäische Hotels verzeichneten dabei 74 Millionen Übernachtungen von amerikanischen Bürgerinnen und Bürgern.

Zwischen 2012 und 2016 waren die Aufenthalte damit im Durchschnitt um satte acht Prozent pro Jahr gestiegen.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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