Trump drückt Stimmung in deutscher Wirtschaft

Der neue US-Präsident Donald Trump drückt offenbar die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. [Foto: dpa]

Die Wirtschaft in Deutschland erlebt einen Stimmungsdämpfer. Ökonomen geben dem neuen US-Präsidenten Donald Trump die Schuld.

Der neue US-Präsident Donald Trump drückt offenbar die Stimmung in der deutschen Wirtschaft.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Januar überraschend um 1,2 auf 109,8 Punkte, wie die Münchner Forscher am Mittwoch zu ihrer Umfrage unter 7000 Managern mitteilten. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen mit einem leichten Anstieg auf 111,3 Zähler gerechnet. „Die deutsche Wirtschaft startet weniger zuversichtlich ins neue Jahr“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage besser, die Aussichten für die kommenden sechs Monate hingegen schlechter als zuletzt.

„Nach nicht einmal einer Woche Amtszeit hat es Trump geschafft, die Stimmung der deutschen Unternehmen zu dämpfen“, erklärte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle den Rückgang. „Die jüngsten Zoll-Androhungen gegen die Automobilindustrie und die Aufkündigung der pazifischen Freihandelszone TPP führen den Unternehmen vor Augen, dass die Gefahr eines zunehmenden Protektionismus nicht theoretisch, sondern ganz real ist.“

Stiglitz: "Deutschland muss Trump klare Kante zeigen – sonst kollabiert der Westen"

Donald Trump geht auf Kurs gegen den Freihandel und das deutsche Exportwunder. Deutschland sollte sich wehren, sagt Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz im Interview mit EURACTIVs Medienpartner „WirtschaftsWoche“ – und Trump zur Not vor internationalen Gerichten verklagen.

Entsprechend deutlich seien die Geschäftserwartungen gesunken. „Das Motto ‚America first‘ der neuen US-Regierung erklärt wohl den deutlichen Rückgang der Geschäftserwartungen“, sagte Volkswirt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. „Deutschland wäre von weniger offenen Märkten – wenn es das ist, was der neue US-Präsident will – in besonderem Maße betroffen“, sagte auch Holger Sandte von der Großbank Nordea.

Besonders die exportabhängige Industrie blickt deshalb nicht mehr so positiv nach vorn. Sie würde unter Beeinträchtigungen des Welthandels besonders stark leiden, zumal die USA größter Abnehmer deutschen Waren sind. Auch im Groß- und Einzelhandel sowie in der Baubranche trübte sich die Stimmung ein.

Die deutsche Wirtschaft ist 2016 mit 1,9 Prozent so kräftig gewachsen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Für dieses Jahr rechnet die Bundesregierung Insidern zufolge mit einer Abschwächung auf 1,4 Prozent – allerdings vor allem deshalb, weil es diesmal drei Arbeitstage weniger gibt.

Trump wird Energiewende nicht aufhalten

Trump kann nach Einschätzung von E.ON-Chef Johannes Teyssen aber nicht die Energiewende nicht aufhalten.

„Die Energiewende ist kein politisches Projekt mehr, das durch eine Regierung veranlasst und gesteuert und durch Trump verzögert werden könnte. Und das ist, finde ich, eine ermutigende Entwicklung“, sagte Teyssen am Mittwoch auf der „Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft 2017“ in Berlin. Für Trump sei der Klimaschutz offenbar nicht viel mehr als ein verkappter Angriff der Chinesen auf amerikanische Jobs. „Er war noch keine Stunde im Amt, als eine neue Website des Weißen Hauses online ging – Klimapolitik und anderes war darauf nicht mehr zu finden. Was daraus an Regierungspolitik wirklich folgt, ist noch unklar.“

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