Transport zwischen EU und China: Italien springt auf den Zug auf

Bahn-Chef Rüdiger Grube (3.v.r.), der Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch (r), der Bürgermeister von Zhengzhou Ma Yi (2.v.r.) und andere Gäste heißen den ersten Güterzug aus Zhengzhou bei seiner Einfahrt ins DUSS Railway Container Terminal in Hamburg willkommen, August 2013. [Christian Charisius/ EPA]

Norditalien und China sind ab September mit einer neuen Güterzuglinie verbunden. Der neue Dienst soll schneller als der Schiffs- und billiger als der Luftfrachtverkehr sein und etlichen Industrien zugutekommen. Ein Bericht von EURACTIV-Partner Milano Finanza.

Die Bahnlinie, die von der chinesischen Firma Changjiu Logistics betrieben werden soll, wird die norditalienische Stadt Mortara mit Chengdu, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan, verbinden. Zunächst soll einmal pro Woche jeweils eine Fahrt in beide Richtungen durchgeführt werden. Je nach Marktbedingungen würde die Frequenz in 2018 verdoppelt.

Die deutsche DB Cargo wird den Service in Europa betreiben. Der Fokus liegt zunächst auf dem Transport von Autos, Changjiu Logistics will später jedoch in Felder wie Mode, Möbel, Elektrogeräte und Lebensmittel expandieren.

Für Mortara, ein kleiner Ort in der Nähe der Stadt Pavia, ist dies eine große Gelegenheit. Über die logistische Drehscheibe werden derzeit ungefähr 50.000 intermodale Einheiten zum Transport zwischen Italien und Nordeuropa verladen.

Streit zwischen Nord- und Südeuropa über "chinesischen Balkankorridor"

Der Westbalkan ist Chinas bevorzugter Zugang zur EU geworden – doch das missfällt sowohl Brüssel als auch Nordeuropa.

Die neue Verbindung nach China ist Teil der chinesischen One Belt, One Road (OBOR) Initiative, ein riesiges Entwicklungsprogramm mit Schwerpunkt Vernetzung und Zusammenarbeit. Obwohl beim EU-China Business Summit kürzlich klar wurde, dass die EU und China in Handelsfragen nicht immer einer Meinung sind, ist Peking bestrebt, die Kooperation zu intensivieren.

Es ist nicht die erste Frachtzug-Verbindung zwischen Italien und Ostasien: Die Far East Land Bridge (FELB), betrieben von der russischen Firma RZD, verbindet seit diesem Jahr bereits Mailand mit China – via Deutschland. Laut FELB Italy Chef Nicola Cavasin sei die Nachfrage nach Schienen-Logistikdiensten zwischen Europa und Asien gestiegen; Züge seien „schneller als Schiffe und billiger als Flugzeuge.“

Derzeit wird der Schienenverkehr hauptsächlich für aus China importierte Textilprodukte, Autos und Elektronikgeräte genutzt; in die andere Richtung werden Möbel und Lebensmittel aus italienischer Produktion transportiert.

EU und China stolpern in engere Handelsbeziehungen

Beim EU-China Business Summit vergangenen Freitag versuchten die beiden Partner, eine gemeinsame Basis für verbesserte Handelsbeziehungen zu legen.

Deutschland ist Vorreiter im Bahntransport-Experiment mit China: Letztes Jahr verschiffte DB Schenker mehr als 40.000 Container. Bis Ende des Jahrzehnts soll der Transport auf 100.000 steigen. In den letzten Jahren sind die Transportzeiten stark gefallen: brauchten die Container im Jahr 2010 noch durchschnittlich 26 Tage, waren es 2014 nur noch 14. Bald soll die Lieferzeit auf zehn Tage heruntergehen. Bereits jetzt ist der Schienentransport somit wettbewerbsfähig gegenüber dem Schiffsverkehr, der 20 Tage für die Strecke benötigt.

Mario Zini von DHL Global Forwarding Italia lobte die Zug-Option als „sicheres System und exzellenten Zeit-Kosten-Kompromiss.“ DHL war eine der ersten Firmen, die per Zug zwischen Europa und China transportierte. Letztes Jahr wurden insgesamt 50.000 Container verschifft, ein 119-prozentiger Anstieg zum Vorjahr. Laut Zini sind die Kosten des Schienentransports im Vergleich zum Flugzeug bis zu 50 Prozent niedriger. Er schätzt, dass der Transport eines Laptops aus Zentralchina in die Niederlande für DHL 1,90 Dollar mit dem Schiff, 3,80 Dollar via Schiene und 18 Dollar per Flugzeug kostet.

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