Thyssenkrupp: Totgesagte leben länger

China ist der weltgrößte Stahlproduzent und sorgt sich um die heimische Industie. [EPA-EFE/FRIEDEMANN VOGEL]

Der Traditionskonzern Thyssenkrupp treibt trotz florierender Stahl-Geschäfte die Abspaltung der Sparte in ein Joint Venture mit Tata Steel voran.

“Ja, Stahl läuft besser”, sagte Finanzchef Guido Kerkhoff am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen. Das Geschäft mit dem Werkstoff sei aber nun einmal stark schwankend. “Da haben Sie mal gute und da haben Sie mal schlechte Zeiten.” An den Fusionsplänen ändere dies nichts. Im ersten Quartal des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres konnte Thyssenkrupp seinen operativen Gewinn um 52 Prozent auf 444 Millionen Euro steigern. Steel Europe kam auf 160 Millionen Euro – fast sechsmal soviel wie vor Jahresfrist.

Damit ist das Stahl-Geschäft dank der gestiegenen Preise wieder eine wesentliche Stütze des Konzerns. Nur die Aufzugssparte – seit Jahren die Ertragsperle des Mischkonzerns – fuhr mit 220 Millionen Euro noch mehr ein. Kerkhoff will sich von den guten Zahlen nicht täuschen lassen. Man wolle mit dem Joint Venture dem Problem der Überkapazitäten begegnen. “Das ist relativ unabhängig von dem Zyklus, ob man da oben oder unten ist.”

Brexit gegen Stahl-Dumping in der EU?

Großbritannien habe strengere Handelsschutzinstrumente lange ausgebremst. Der Brexit mache es nun einfacher, die Rechtslage in der EU zu modernisieren, erklärt Axel Eggert, Generaldirektor des Europäischen Stahlverbandes Eurofer im Interview mit Euractiv Slowakei.

Die Stahlkocher des Konzerns waren im vergangenen Jahr zu Tausenden auf die Straße gegangen und hatten gegen die Fusionspläne von Konzernchef Heinrich Hiesinger protestiert. “Stop Stahl-Exit” und “Stahl ist Zukunft”, hießen die Parolen. Inzwischen hat die IG Metall mit dem Management einen Tarifvertrag vereinbart, der eine Beschäftigungsgarantie für neun Jahre enthält. Ihre Zustimmung zu dem Joint Venture im Aufsichtsrat machen die Arbeitnehmervertreter allerdings noch vom Ergebnis zweier Gutachten abhängig, die unter anderem die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Unternehmens unter die Lupe nehmen sollen. Thyssen und Tata wollen die Fusion bis Jahresende abschließen.

Ungemach droht dem Stahlgeschäft derweil aus den USA. US-Präsident Donald Trump will im Rahmen seiner “America first”-Politik in den nächsten Wochen über Importbeschränkungen für Stahlimporte entscheiden. Thyssenkrupp liefert zwar rund zwei Drittel seiner Mengen an Kunden in einem Umkreis von 500 Kilometern um den Hauptstandort Duisburg. Das Geschäft mit Blechen für die Automobil- und Verpackungshersteller in den USA ist aber auch ein wichtiges Standbein.

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