Ryanair streicht am Tag der Arbeit 3.000 Stellen

Eine(r) von ihnen muss gehen; der Rest soll 20 Prozent weniger Lohn bekommen: Die Coronavirus-Auswirkungen treffen auch die Billigairline Ryanair. [Dmitry Birin]

Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat am 1. Mai einen massiven Stellenabbau sowie Gehaltskürzungen für die verbleibenden Angestellten angekündigt. Damit machte der Billigflieger eine Kehrtwende: Zuvor hatte man erklärt, den Virusausbruch unbeschadet überstehen zu können.

Die Billigairline wird 3.000 Arbeitsplätze (etwa 15 Prozent aller Jobs) streichen und plant außerdem, die Löhne der verbleibenden Belegschaft um 20 Prozent zu kürzen. Der Stellenabbau werde sowohl Pilotinnen und Piloten als auch Kabinenpersonal betreffen.

CEO Michael O’Leary hatte zuvor die Fähigkeit seines Unternehmens, die verheerenden Auswirkungen der Pandemie auf die Nachfrage nach Flugreisen zu überstehen, unterstrichen, indem er mehrfach auf die vier Milliarden Euro an Barreserven in Ryanairs Kassen hinwies.

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„Die Beschäftigten in der Luftfahrt sehen sich einem Tsunami von Arbeitsplatzverlusten gegenüber,“ warnte Brian Strutton, Generalsekretär der British Airline Pilots‘ Association, in einer Erklärung. Auch er verwies auf Ryanairs „U-Turn“ bei der Selbsteinschätzung, man könne „den COVID-Sturm gut überstehen“.

Der Flugplan der Fluggesellschaft für 2020 ist durch das Virus völlig durcheinander geraten; die Maschinen bleiben wohl bis mindestens Juli am Boden. Die normalen Passagierzahlen werden erst im Sommer 2022 wieder auf das bisherige Niveau zurückkehren, prognostiziert Ryanair sebst.

Die Fluggesellschaft will außerdme den Betrieb „auf einer Reihe von Flugzeugbasen in ganz Europa“ einstellen, bis die Nachfrage wieder anzieht. Ryanair rechnet allein in den Monaten April und Mai mit Verlusten in Höhe von 100 Millionen Euro.

Boeing-Auftrag in Gefahr?

Unklar ist, ob die aktuelle Situation auch eine Rynair-Bestellung von Boeing MAX-Flugzeugen gefährden könnte. O’Leary hingegen sagte am Wochenende, dass „wir noch immer einige, wenn nicht sogar alle dieser Flugzeuge“ als Teil einer erneuerten und neu dimensionierten Flotte für das nächste Jahrzehnt kaufen wollen.

Der Ire legte allerdings auch nahe, dass der Preis pro Maschine neu verhandelt werden könnte.

Der umstrittene Flugzeugtyp – der in zwei tödliche Abstürze verwickelt war – muss ohnehin noch neu zertifiziert werden, damit er wieder in Betrieb genommen werden darf. Boeing hat bereits größere Änderungen an dem Flugzeug vorgenommen, um die Probleme zu beheben, die zu den Unfällen geführt hatten.

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US-amerikanischen und europäischen Regulierungsbehörden müssen dem Flugzeugtyp nun erneut grünes Licht geben. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) teilte gegenüber EURACTIV.com dazu mit, dass „die Arbeiten trotz der Lockdowns voranschreiten“, es aber keinen festen Zeitplan für Testflüge gebe.

Die EASA hatte sich in der Vergangenheit meist auf die Testergebnisse ihres US-Gegenparts, der FAA, verlassen. Angesichts der Abstürze und der somit heiklen Sachlage bei den MAX-Flugzeugen besteht die EU-Regulierungsbehörde in diesem Fall aber darauf, ihre eigene eingehende Untersuchung durchzuführen.

Gegen Staatshilfe

Trotz der zunehmend prekär werdenden Situation von Ryanair wetterte CEO O’Leary auch am 1. Mai erneut gegen Regierungen, die seinen Konkurrenten aus der Patsche helfen. Er hat sogar mit rechtlichen Schritten gedroht, sollte die EU Anträge auf staatliche Beihilfen genehmigen. „Diejenigen, die schon am schwächsten [in die aktuelle Krise] hineingegangen sind – nämlich die alten Fluggesellschaften Air France, Alitalia und Lufthansa – sind entweder verstaatlicht worden oder erhalten außerordentliche Mengen an staatlichen Beihilfen,“ kritisierte er gegenüber Bloomberg TV.

Diese Unterstützung werde „die Wettbewerbsbedingungen für die Luftfahrt in Europa in den kommenden drei bis fünf Jahre massiv verzerren“.

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Tatsächlich erhält Air France-KLM mehr als zehn Milliarden Euro von den französischen und niederländischen Regierungen; Alitalia soll verstaatlicht werden; und die Lufthansa befindet sich nach wie vor in Gesprächen mit Berlin über eine Rettungsaktion im Wert von angeblich neun Milliarden Euro.

Derweil haben auch die Ryanair-Konkurrenten Vueling und Iberia – Tochtergesellschaften der British Airways-Muttergesellschaft IAG – von der spanischen Regierung ein Darlehen von insgesamt einer Milliarde Euro erhalten.

Somit haben die europäischen Regierungen bisher fast 30 Milliarden Euro an Hilfe für die angeschlagene Industrie bereitgestellt. Das Ende der Fahnenstange dürfte dabei noch nicht erreicht sein.

[Bearbeitet von Benjamin Fox und Tim Steins]

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