„Kommunistischer Premierminister“: Syriza schießt nach Kommentar gegen Weber

Der EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber (CSU) [Metropolico.org/Flickr]

Griechenlands einziges Problem sei, dass Ministerpräsident Alexis Tsipras ein Kommunist ist, so der EVP-Fraktionsvorsitzende Manfred Weber. Athen schießt nun zurück.

Der Syriza-Politiker und einflussreiche MEP Dimitris Papadimoulis sagte gegenüber EURACTIV.com: „Herr Weber kann seinem erträumten Bild von Alexis Tsipras weiter anhängen, aber er wird sich in der Realität damit abfinden müssen, dass Tsipras für viele Jahre der griechische Ministerpräsident bleiben wird“. Aus griechischen Regierungskreisen hieß es, Tsipras als Kommunist zu beschimpfen sei das „letzte Mittel“ derjenigen, die keine Bailout-Einigung zwischen Athen und seinen Gläubigern wollen.

Tatsächlich hatten sich die griechische Führung und die Geldgeber am Dienstag auf technische Details zur zweiten Prüfung eines Bailouts des Landes geeinigt.

In den Verhandlungen hatten Berlin und Athen in den letzten Wochen ihren scharfen Ton abgemildert, doch Weber nahm den Streit mit seinen Bemerkungen während eines Besuchs in den USA wieder auf. Er habe mit IWF-Chefin Christine Lagarde die Lage in Griechenland besprechen können; das „Hauptproblem Griechenlands“ sei aber, „dass es einen Kommunisten als Premierminister hat.“

Webers Tsipras-Bild

Auf Nachfrage von EURACTIV.com schaltete Papadimoulis auf Angriff: „Weber schert mal wieder komplett aus der vorherrschenden Meinung im Europäischen Parlament aus. Er steht damit auch gegen Jean-Claude Juncker und Valdis Dombrovskis, die auch der EVP angehören, aber die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern positiv bewerten.“ Darüber hinaus seien Webers Aussagen auch nicht im Sinne der deutschen Regierung, die auf eine Vereinbarung hingearbeitet hatte. Der CSU-Politiker habe gezeigt, dass er weit rechts von Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble steht.

Mit Blick auf die größte Oppositionspartei in Griechenland fügte er hinzu: „Ich bin gespannt, wie die Nea Demokratia auf solche fanatischen und anachronistischen Aussagen reagiert.“

Die griechische Regierung beschuldgit Nea Demokratia des Versuchs, ein erfolgreiches Gutachten für einen Bailout zu verhindern. Die Oppositionspartei kritisiert dagegen die Regierung: sie habe indirekt bereits einen weiteren Bailout unterschrieben, der das griechische Wachstum verhindert.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.