Studie zeigt: Mit E-Kraftstoff betriebene Autos sind genauso schadstoffreich wie fossile Kraftstoffe

Die Herstellung von umweltfreundlichen E-Treibstoffen ist ein sehr energieintensiver Prozess - ein schwieriges Unterfangen, wenn man bedenkt, dass die Kapazität der erneuerbaren Energieerzeugung in Europa derzeit relativ begrenzt ist. [Virrage Images / Shutterstock.com]

Autos, die mit synthetischen Kraftstoffen angetrieben werden, produzieren ähnliche Mengen an schädlichen Luftschadstoffen wie fossile Kraftstoffe, so das Ergebnis einer neuen Studie, die von der NGO für saubere Mobilität Transport & Environment in Auftrag gegeben wurde.

Im Zuge der Umstellung Europas auf emissionsfreie PKWs stellt die Studie die Umweltfreundlichkeit von E-Kraftstoffen in Frage. Diese werden von der Industrie für flüssige Kraftstoffe als Mittel zur Verringerung der Umweltauswirkungen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren angepriesen.

„Solange Treibstoff in Motoren verbrannt wird, wird die Luft in unseren Städten weiterhin giftig sein. Gesetzgeber, die Schlupflöcher für E-Kraftstoffe in den Emissionszielen lassen, verurteilen die Öffentlichkeit zu weiteren Jahrzehnten vermeidbarer Luftverschmutzung“, sagte Julia Poliscanova, Senior Director für Fahrzeuge und E-Mobilität bei T&E.

In den Tests wurden E-Kraftstoffe mit E10-Benzin verglichen, der Standardmischung in der EU, die 10 % Ethanol und 90 % bleifreien fossilen Kraftstoff enthält. Dabei wurde festgestellt, dass synthetische Kraftstoffe ähnlich viele Stickoxide, fast dreimal so viel Kohlenmonoxid und bis zu doppelt so viel Ammoniak ausstoßen.

Bei der Anzahl der freigesetzten Partikelemissionen übertrafen die E-Kraftstoffe jedoch ihre fossilen Pendants und reduzierten die PM2,5-Werte erheblich.

Die Tests wurden unter Laborbedingungen mit einem Mercedes-Benz-Pkw der A-Klasse durchgeführt. Die Analyse ergab, dass die hohen Kosten für synthetische Kraftstoffe dazu führen, dass der Betrieb eines mit E-Kraftstoffen betriebenen Fahrzeugs über einen Zeitraum von fünf Jahren 10.000 Euro teurer ist als der Betrieb eines batterieelektrischen Fahrzeugs.

CONCAWE, eine von der Ölindustrie gegründete Forschungsorganisation, betonte, dass E-Kraftstoffe trotz der Ergebnisse mit den EU-Fahrzeug-Emissionsnormen (bekannt als „Euro 6“) kompatibel bleiben.

„Wir sind uns völlig darüber im Klaren, dass Elektrofahrzeuge die Hauptlösung für den Leichtverkehr sein werden, aber wir müssen uns auf alle erneuerbaren Energiequellen verlassen, um einen schnelleren und saubereren Übergang zu ermöglichen, zumindest solange Verbrennungsmotoren auf den Straßen unterwegs sind“, sagte ein CONCAWE-Sprecher.

Eine Anfrage von EURACTIV an die eFuel Alliance, einer Lobbygruppe der Industrie, die sich für die gesetzliche Anerkennung von E-Treibstoffen einsetzt, wurde nicht sofort beantwortet.

Elektro-Treibstoffe

E-Kraftstoffe sind kommerziell noch nicht ausgereift, so dass sie derzeit nur in geringen Mengen verfügbar sind.

Da man in Europa keinen E-Kraftstoff kaufen kann, wurde das Unternehmen IFP Energies Nouvelles mit der Entwicklung eines synthetischen Kraftstoffs beauftragt, der dem für 2030 auf dem EU-Markt vorgesehenen Kraftstoff ähnelt. Es wurden drei Mischungen mit einer Gesamtmenge von etwa 100 Litern hergestellt.

E-Kraftstoffe werden durch die Umwandlung von erneuerbarem Strom in flüssige Kohlenwasserstoffe durch Wasserelektrolyse hergestellt. Diese Kohlenwasserstoffe werden dann mit Kohlendioxidmolekülen synthetisiert, die aus der Luft abgeschieden werden. Dieser Kohlenstoff wird bei der Verbrennung der Kraftstoffe freigesetzt, wodurch der Kraftstoff theoretisch kohlenstoffneutral wird.

Die Herstellung umweltfreundlicher E-Kraftstoffe ist ein sehr energieintensiver Prozess – eine Herausforderung angesichts der derzeit relativ begrenzten europäischen Erzeugungskapazität für erneuerbare Energien.

Treibhausgasemissionen

Neben der Freisetzung von Luftschadstoffen lässt die Studie auch Zweifel an der vollständigen Klimaneutralität synthetischer Kraftstoffe aufkommen.

Wenn ein mit E-Kraftstoff betriebenes Auto im EU-Durchschnitt 12.000 km im Jahr fährt, werden der Studie zufolge umgerechnet etwa 7 bis 9 kg CO2 ausgestoßen. Dies ist zwar deutlich weniger als die Emissionen von Autos mit fossilen Brennstoffen, doch die Autoren des Berichts äußerten die Befürchtung, dass viele mit E-Kraftstoff betriebene Autos weiterhin klimaschädliche Emissionen verursachen.

T&E, ein starker Befürworter der Elektrifizierung des Straßenverkehrs, fordert die EU-Länder auf, die nationalen Ziele und die finanzielle Unterstützung für den Einsatz von E-Kraftstoffen im Straßenverkehr abzuschaffen.

„E-Kraftstoffe haben das Rennen um saubere Autos verloren, aber in Wahrheit war es nicht einmal knapp… die Glaubwürdigkeit der europäischen Politik für saubere Autos steht auf dem Spiel, und jede Umlenkung auf E-Kraftstoffe ist ein neues Leben für alte, umweltschädliche Motoren“, sagte Poliscanova.

Stattdessen möchte T&E, dass E-Kraftstoffe den schwer zu dekarbonisierenden Verkehrsträgern wie der Luftfahrt vorbehalten bleiben.

Letzten Monat weigerte sich der damalige deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer, eine COP26-Erklärung über emissionsfreie Autos und Kleintransporter zu unterstützen, weil sie den Einsatz von E-Kraftstoffen in Verbrennungsmotoren ablehnte.

Es bleibt abzuwarten, ob die neue deutsche Koalitionsregierung die gleiche Haltung einnehmen wird.

Nach den im Juli vorgelegten Vorschlägen der Europäischen Kommission soll der Verkauf von Neuwagen und Lieferwagen, die Kohlenstoffemissionen verursachen, ab 2035 verboten werden. Die Mitgesetzgeber der EU beraten derzeit über den Vorschlag.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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