Wirtschaftsprüfer – bestens vernetzt mit Steueroasen

Wie errichtetv mn sich das eigene Steuerparadies? Große Beratungsfirmen können diese Frage gut beantworten. [Foto: Bacho/Shutterstock]

Die vier großen deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind besonders oft in Steuerparadiesen tätig, zeigt eine Studie. Was genau sie dort tun, bleibt oft verborgen.

Wie nutzt man unterschiedliche staatliche Steuergesetze zum eigenen Vorteil? Wie kann man als Unternehmen enorme Geldbeträge so hin- und herschieben, sodass die Steuerschuld niedriger bleibt, als eigentlich vorgegeben? Die vier großen deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wissen dies offenbar genau – und bauen ihre Strukturen entsprechend undurchsichtig, um zweifelhafte Steuermanöver zu verbergen. So werden Milliarden eigentlich zu versteuernder Einnahmen vor dem Staat verborgen, offenbart nun eine Studie.

Demnach versuchen die als „Big Four“ bekannten großen Wirtschaftsprüfer Deloitte, Pricewaterhouse Coopers (PwC), KPMG und EY sich vor regulatorischer Kontrolle zu schützen – durch ihre Vernetzung mit Steueroasen und Schattenfinanzplätzen und deren kaum zu entwirrender Unternehmensstruktur. Steueroptimierung auf undurchsichtigen Wegen, das wird in der Analyse deutlich, gehört bei den weltweit mächtigsten Wirtschaftsprüfern – also jenen Unternehmen, die ein funktionierendes Steuersystem mittragen sollten – zum täglichen Business.

Für die von der Linksfraktion im Europäischen Parlament in Auftrag gegebene Studie „The Big Four – A Study of Opacity“ untersuchten Richard Murphy, Professor für Internationale Politische Ökonomie an der City University London und Seila Naomi Stausholm  von der Copenhagen Business School die wirtschaftlichen Aktivitäten der Big Four. Ergebnis: Die vier großen Gesellschaften waren alle in mehr Ländern tätig, als in ihren Jahres- und Transparenzberichten angegeben sind. An Orten wie Luxemburg, den Bermudas oder den Cayman Islands, so zeigen die Daten, sind diese vier demnach überproportional geschäftlich aktiv.

Bundeskriminalamt im Besitz der "Panama Papers"

Das Bundeskriminalamt (BKA) ist im Besitz der im vergangenen Jahr veröffentlichten sogenannten „Panama Papers“. Nun sollen die Millionen Dateien geprüft werden.

Nach monatelangen Recherchen des Wirtschaftswissenschaftlers Murphy und seiner Kollegen in den Gesellschafts-Berichten, Unternehmensregistern und auf Internetseiten stellten die Studienautoren zudem fest, dass häufig nicht ersichtlich ist, was die Wirtschaftsprüfer in einzelnen Ländern genau tun. Vollkommen erfassbar waren die über den Globus gesponnenen Netzwerke der „großen Vier“ offenbar nicht.

Murphy fand jedoch in 43 von 53 Steuerparadiesen Niederlassungen von mindestens einem der Unternehmen. „Über die Rechenschaftspflicht des globalen Kapitalismus bestimmen Firmen, deren eigene Operationen in beträchtlichem Maßstab undurchsichtig bleiben“, meint der Wirtschaftsexperte, der früher selbst als Steuerberater für eine Vorgängerfirma von KPMG tätig war. Die Firmen, die die globale Marktwirtschaft mit ihren knapp 900.000 Beschäftigten in mehr als 180 Ländern der Welt am Laufen halten, sind damit offenbar auch maßgeblich daran beteiligt, dass Steuerhinterziehung weiterhin in einem riesigen Ausmaß funktioniert.

Europas Banken klammern sich weiterhin an Steueroasen

Die 20 größten europäischen Banken versteuerten mehr als ein Viertel ihrer Gewinne von 2015 in Steueroasen – ­ vorzugsweise in Luxemburg und Irland, so das Ergebnis eines aktuellen Oxfam-Berichts. EURACTIV Frankreich berichtet.

Für Fabio De Masi sind die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften darum „die Drückerkolonne von Schattenfinanzplätzen und Steueroasen“, die sich selbst und ihre Kunden dank konfuser Unternehmensstrukturen vor regulatorischer Kontrolle schützen

Das Prüfungs- und Steuerberatungsgeschäft müsse endlich strikt getrennt werden und schwere Beihilfe zu Steuerhinterziehung hart sanktioniert werden, etwa mit dem Entzug der Geschäftslizenz“, fordert der stellvertretende Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zu Geldwäsche, Steuerhinterziehung und -vermeidung des EU-Parlaments (PANA) De Masi. „Transparenz über aggressive Steuerplanung, wie von der EU-Kommission angestrebt, ist nicht ausreichend und ein Offenbarungseid für die lückenhafte EU-Steuerarchitektur“, kritisiert der Linken-Politiker.

Die Studie zeige, so De Masi, dass diese Wirtschaftsprüfungsgesellschaften „große, multinational agierende Konzerne“ seien. Sie als solche zu behandeln, würde ihre Regulierung maßgeblich erleichtern – man könnte sie für ihre internationalen Aktivitäten besser zur Verantwortung ziehen, meint er.

Unterdessen arbeitet die Politik weiterhin daran, die steuerliche Transparenz zu erhöhen: Das EU-Parlament billigte am Dienstag ein schärferes Gesetz gegen Steuervermeidung von Unternehmen. Es verpflichtet internationale Konzerne mit einem Jahresumsatz von mehr als 750 Millionen Euro, Details über ihre Geschäftsaktivitäten und Profite für jedes Land aufzulisten, in dem sie operieren.

EU-Parlament billigt schärferes Gesetz gegen Steuervermeidung von Konzernen

Das Europäische Parlament hat für ein Gesetz gestimmt, unter dem internationale Konzerne verpflichtet sind, ihre Steuer-
und Geschäftsaktivitäten Land für Land aufzulisten – auch außerhalb der EU.

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