Streik: Ryanair streicht 600 Flüge

In Irland gibt es eine Einigung zwischen der Piloten-Gewerkschaft und Ryanair. [Mikel Ortega/Flickr]

Erstmals organisieren sich Ryanair-Piloten und Kabinenpersonal europaweit. Die gewerkschaftsfeindliche Airline zeigt sich unnachgiebig. Nun stehen die Zeichen auf Streik.

So muss der Billigflieger mitten in der Sommerreisezeit 600 Flüge streichen. Von den Flugausfällen am 25. und 26. Juli dürften rund 100.000 Passagiere betroffen sein, teilte das Unternehmen am gestrigen Mittwoch mit. Ihnen sollten alternative Flugverbindungen angeboten oder der Ticketpreis erstattet werden. Grund sind Streiks des Kabinenpersonals in Spanien, Portugal und Belgien. Auch Italien könnte betroffen sein.

Die Gewerkschaften wollen durchsetzen, dass das Kabinenpersonal in diesen Ländern nach dort geltendem Arbeitsrecht angestellt wird, nicht nach dem Recht Irlands, wo Ryanair seinen Hauptsitz hat. Zudem sollen fest angestellte Mitarbeiter und Leiharbeiter gleich entlohnt werden.

Marketingchef Kenny Jacobs machte den Gewerkschaften schwere Vorwürfe: „Diese Streiks sind absolut ungerechtfertigt und werden nicht viel mehr bewirken, als den Urlaub von Familien zu stören.“ Profitieren würden davon allenfalls die Konkurrenz-Airlines in den betreffenden Staaten.

Ryanair sieht sich seit längerem Vorwürfen ausgesetzt, seine Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigfluggesellschaften. 2017 kam es bereits zu Flugausfällen wegen Pilotenmangel, da zahlreiche Piloten zur Konkurrenz gewechselt sind, sobald sich die Gelegenheit ergab. Und mit den Piloten droht neuer Ärger: Anfang Juli scheiterten Tarifverhandlungen. Nun soll noch über den Juli sondiert werden, ob es doch noch einen Lösungsweg gibt. Kommt auch dabei nichts rum, dürften noch deutlich mehr Flüge im Sommer ausfallen.

„Ein Stein ist ins Rollen gekommen, den Ryanair nicht aufhalten kann“

In der Vorweihnachtszeit führte Ryanair erstmals Gespräche mit Gewerkschaften. Nach wenigen Tagen wurden sie abgebrochen. Es kam zu Streiks. EURACTIV sprach mit dem Piloten Markus Wahl über die Entwicklung.

„Ryanair muss sich der Realität stellen und anerkennen, dass die Belastungssituation für ihre Piloten insgesamt zu groß ist. Man darf die gesetzlich möglichen Flugdienstzeiten nicht über Jahre hintereinander bis zum Maximum ausnutzen, das hält kein Mensch aus. Ryanair benötigt mehr Cockpitpersonal“, sagt Ingolf Schumacher von der Vereinigung Cockpit (VC), die die deutschen Piloten vertritt. „Miteinander reden ist immer wichtig. Wir haben in den letzten Monaten schon manche Überraschung bei Ryanair erlebt, vielleicht gelingt ja doch noch eine Wendung zum Guten – auch wenn es nicht danach aussieht“.

Die Zeit der Gewkerschaftsfreiheit, mit der sich die Unternehmensführung gerne brüstet, scheint jedenfalls vorbei zu sein. Erst im vergangen Jahr sah sich die Airline auf Druck der Belegschaften hin gezwungen, Arbeitnehmervertretungen grundsätzlich anzuerkennen. Der Druck zur Gewährleistung angemessener Arbeitsbedingungen steigt weiter – im Cockpit und in der Kabine.

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