Statistik: Frauen in Deutschland verdienen ein Fünftel weniger

Protestplakate am Equal Pay Day 2014. Deutschland ist laut Eurostat noch immer weit entfernt von einer Gleichbezahlung von Männern und Frauen. [© Uwe Hiksch (CC BY-NC-SA 2.0)]

Das Einkommen von Frauen in Deutschland liegt einer Statistik zufolge noch immer weit unter dem der Männer. Die Kluft hat sich demnach in den vergangenen Jahren kaum verringert und liegt über dem EU-Durchschnitt.

Frauen verdienen in Deutschland einer neuen EU-Statistik zufolge im Schnitt fast 22 Prozent weniger als Männer. Das geht weit über die insgesamt in der EU festgestellte Kluft von im Durchschnitt rund 16 Prozent hinaus, wie aus einem am Donnerstag in Luxemburg vom EU-Statistikamt Eurostat veröffentlichten Bericht hervorgeht. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2013 und geben das Verdienstgefälle beim Bruttoverdienst pro Stunde an.

Dieses Gefälle hat sich demnach in den vergangenen fünf Jahren nur leicht verkleinert. Waren es in Deutschland 2008 noch rund 23 Prozent und damit 1,2 Prozentpunkte mehr, so lag der EU-Schnitt 2008 bei etwa 17 Prozent und damit nur 0,9 Prozentpunkte über dem Stand von 2013. Am nächsten an den Verdiensten der Männer waren 2013 Arbeitnehmerinnen in Slowenien (Gefälle von 3,2 Prozent), Malta (5,1 Prozent) und Polen (6,4 Prozent).

Kluft nur in wenigen Staaten größer

Größer als in Deutschland war die Kluft danach nur in Tschechien mit rund 22 Prozent, Österreich mit 23 Prozent und Estland mit knapp 30 Prozent). Alle Daten beziehen sich auf Beschäftigte in Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen. Die öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherungen sind ausgenommen.

Auch bei der Art des Berufs haben die Frauen den Eurostat-Daten zufolge immer noch das Nachsehen. Obwohl sie im Berichtsjahr 2013 EU-weit 46 Prozent der Erwerbstätigen stellten, kam nur etwa ein Drittel der Führungskräfte aus ihren Reihen. „Bei den Bürokräften und in verwandten Berufen sowie in

Dienstleistungs – und Verkaufsberufen waren Frauen hingegen mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln der in diesen Berufen Beschäftigten überrepräsentiert“, erklärte Eurostat.

Weniger als ein Drittel weibliche Führungskräfte

Deutschland lag hier mit 47 Prozent Anteil an den Erwerbstätigen und 29 Prozent an den Führungskräften ebenfalls noch weiter zurück. Am Freitag will der Bundestag in dritter Lesung über eine Frauenquote in Unternehmen abstimmen. Sie betrifft die Aufsichtsräte, also absolute Top-Positionen in der Wirtschaft.

Ungleichheit auch bei der Teilzeit: Waren 2013 in der EU etwa 74 Prozent der Männer und 63 Prozent der Frauen zwischen 20 und 64 Jahren erwerbstätig, so arbeiteten laut Eurostat nur rund acht Prozent der Männer, aber knapp 32 Prozent der Frauen in Teilzeit (gemessen an der Gesamtbeschäftigung). In Deutschland waren 82 Prozent der Männer und knapp 73 Prozent der Frauen erwerbstätig. Die Teilzeitquoten lagen bei knapp neun Prozent und 47 Prozent.

Täglich informiert bleiben mit dem kostenlosen EURACTIV-Newsletter

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN