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16/01/2017

Staatsanleihen: EZB würde Hilfsprogramm „falls nötig“ verlängern

Finanzen und Wirtschaft

Staatsanleihen: EZB würde Hilfsprogramm „falls nötig“ verlängern

Der Chef der EZB, Mario Draghi, zeigt sich offen für ein verlängertes Staatsanleihen-Programm.

[INSM/Flickr]

Die Europäische Zentralbank könnte ihr Anleihen-Kaufprogramm möglicherweise ausweiten und verlängern. Sie senkte zudem ihre Inflations- als auch ihre Wachstumsprognose für Europa.

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihr milliardenschweres Programm zum Anleihenkauf „falls nötig“ länger laufen lassen als geplant. Es sei aber zu früh, um über Einzelheiten zu sprechen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt am Main. Es sei noch unklar, ob aktuelle Faktoren wie die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft und der Ölpreisverfall vorübergehend oder von Dauer seien.

Das Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen und Wertpapieren im Umfang von 60 Milliarden Euro pro Monat biete „ausreichende Flexibilität, was eine Anpassung der Größe, Zusammensetzung oder Dauer“ angehe, sagte Draghi. Über Einzelheiten habe der EZB-Gouverneursrat bei seinem Treffen am Mittwoch und Donnerstag aber noch nicht diskutiert.

Aus Sorge vor einer Deflation – einem Teufelskreis aus fallenden Preisen, Löhnen, Ausgaben und Investitionen – hatte die Zentralbank im März das großangelegte Programm gestartet. Durch einen monatlichen Aufkauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren im Wert von 60 Millionen Euro sollen bis September kommenden Jahres mehr als eine Billion Euro in den Markt gepumpt werden.

Es sei geplant, dass es „bis Ende September 2016 läuft, oder länger, falls nötig“, sagte Draghi. Schon im Januar hatte er angekündigt, der Ankauf werde „in jedem Fall“ laufen, bis die EZB-Ökonomen eine „nachhaltige Anpassung in der Entwicklung der Inflation“ sähen.

Zwischen Dezember 2014 und März 2015 waren die Preise in der Eurozone erstmals seit 2009 über mehrere Monate gesunken. Im April ließ die Eurozone die Deflation hinter sich, im Mai lag die Inflationsrate bei 0,3 Prozent. Im Juni, Juli und August stiegen die Verbraucherpreise jedoch wieder nur um 0,2 Prozent. Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an.

Mit Verweis auf den niedrigen Ölpreis, Sorgen über die Schwellenländer und die rückläufige globale Nachfrage senkte die EZB ihre Inflations- und Wachstumsprognosen für die Eurozone. Die Teuerung wird demnach in diesem Jahr bei nur 0,1 Prozent liegen, bei 1,1 im Jahr 2016 und bei 1,7 Prozent im Jahr 2017. Bisher hatte die EZB Inflationsraten von 0,3 Prozent, 1,5 Prozent und 1,8 Prozent für die drei Jahre erwartet.

In den kommenden Monaten könne die Inflation wegen des fallenden Ölpreises erneut negativ ausfallen, sagte Draghi. Dies werde aber vorübergehend sein. Ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr senkte die EZB von 1,5 Prozent auf 1,4 Prozent, für 2016 von 1,9 auf 1,7 Prozent und für 2017 von 2,0 auf 1,8 Prozent.

Der Leitzins in der Eurozone bleibt unterdessen wie erwartet auf seinem Rekordtief von 0,05 Prozent. Im Kampf gegen die niedrige Inflation in der Eurozone hatten die Währungshüter den zentralen Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen, im September vergangenen Jahres auf das Rekordtief gesenkt. Nach der EZB-Entscheidung verlor der Euro am Donnerstag an Wert. War er am Mittwoch noch mit 1,1225 Dollar gehandelt worden, war er nun nur noch 1,1127 Dollar wert.