Spaniens Premierminister: Ukraine-Krieg keine Ausrede, nachhaltige Wende aufzuschieben

EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean lobte in einer Videoansprache Spaniens Engagement für einen umweltfreundlichen und digitalen Verkehr. Sie hob besonders den Beschluss der spanischen Regierung hervor, fast ein Fünftel der 68,9 Milliarden Euro, die die EU dem Land bisher im Rahmen des Corona-Konjunkturprogramms zur Verfügung gestellt hat, in diesen Sektor zu investieren. [Global Mobility Call/IFEMA MADRID]

Die doppelte Krise des Krieges in der Ukraine und die anhaltende COVID-19-Pandemie sollten Europas Umstellung auf nachhaltige Mobilität „nicht verzögern“, sagte der spanische Premierminister Pedro Sánchez.

Der Premierminister sprach zum Abschluss des Global Mobility Call in , einem Kongress, der sich mit der Zukunft des Verkehrs befasst. Mehr als 4.500 Teilnehmer:innen nahmen persönlich teil, weitere 13.000 aus 40 Ländern verfolgten die Veranstaltung online.

Sánchez lobte die Veranstaltung dafür, dass sie den öffentlichen und den privaten Sektor zusammengebracht habe, um einen neuen Weg für die Verkehrsindustrie zu zeichnen. Er erläuterte zudem seine Vision einer Führungsrolle Spaniens bei der industriellen Transformation hin zur grünen Mobilität.

Spanien ist der zweitgrößte Fahrzeughersteller in der EU und beschäftigt rund 2 Millionen Mitarbeiter:innen in diesem Sektor.

Dank der starken politischen Unterstützung und der Innovationen des Privatsektors habe Spanien „alle Chancen, sich zu einem internationalen Zentrum für nachhaltige und soziale Mobilität zu entwickeln“, sagte er und betonte, dass er sich wünsche, Spanien könne als Testfeld für transformative Innovationen in diesem Sektor dienen.

In Anlehnung an frühere Äußerungen der spanischen Verkehrsministerin Raquel Sánchez Jiménez erklärte der Premierminister, die spanische Regierung vertrete die Ansicht, der Zugang zur Mobilität sei ein Recht und kein Privileg, und fügte hinzu, dies sei wichtig „für den territorialen Zusammenhalt des Landes.“

Sánchez hob das Ziel hervor, bis 2030 5 Millionen Elektrofahrzeuge auf den spanischen Straßen im Umlauf zu haben und kündigte neue Finanzmittel an, um die Einrichtung von Ladestationen in Spanien zu beschleunigen.

Verkehrsministerin Sánchez Jiménez äußerte sich ähnlich enthusiastisch über die Konferenz und sagte, dass der Global Mobility Call Madrid während der dreitägigen Dauer in „die Welthauptstadt der nachhaltigen Mobilität“ verwandelt habe.

Die Verkehrsministerin erläuterte Spaniens Übergang zu saubereren, aktiven Verkehrsträgern in den Städten, mit mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer und weniger Privatfahrzeugen im Stadtzentrum.

„Unsere Ziele sind realistisch. Wir wollen, dass unsere Städte in ein paar Jahren keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr haben und dass mehr Menschen den Zug benutzen“, sagte sie.

Solche Schritte sind dringend notwendig, um „die katastrophalen Folgen des Klimawandels abzumildern“, fügte sie hinzu.

Die Ministerin bestätigte auch Pläne, das Land zum Zentrum der E-Mobilität in Europa und zu einem Beispiel für nachhaltige Mobilität weltweit zu entwickeln.

„Wir wollen eine Referenz für diese neue Mobilität werden und das beste Schaufenster für alle, die ähnliche Ziele verfolgen“, sagte sie.

Spanien will Weltmarktführer für nachhaltige Mobilität werden

Die spanische Verkehrsministerin Raquel Sánchez Jiménez hat ihr Engagement bekräftigt, Spanien zu einem Vorreiter für innovative, nachhaltige Mobilität zu machen, und umfangreiche Investitionen zugesagt.

Globale Mobilitätsaufruf

Der Kongress – die erste Ausgabe einer hoffentlich langfristigen Reihe von Veranstaltungen – brachte Unternehmen, die im Bereich der nachhaltigen Mobilität tätig sind, mit Behördenvertreter:innen zusammen.

Der Kongress war besonders bemerkenswert angesichts der Vielfalt an Akteuren aus dem Verkehrsbereich, darunter internationale Fluggesellschaften, Carsharing-Unternehmen, Mikromobilitätsanbieter und andere Unternehmen, die die Entwicklung von Mobilitätskonzepten vorantreiben wollen.

Der Präsident des Exekutivkomitees der IFEMA MADRID, José Vicente de los Mozos, sagte, die Veranstaltung habe „Inhalte und professionelles Networking hervorgebracht, die der nachhaltigen Mobilität einen echten Schub geben werden.“ Sein Ziel für die nächste Ausgabe der Reihe sei es, die Veranstaltung nicht nur für Fachleute aus dem Verkehrssektor, sondern auch für die breite Öffentlichkeit anzubieten.

Zu den Rednern des Global Mobility Call gehörten verschiedene Persönlichkeiten aus der Branche; der Stadtplaner und MIT-Professor Carlo Ratti, der eine Prognose darüber abgab, wie ein besserer Datenzugang in den Städten die Automatisierung des Verkehrs beschleunigen werde; der Physiker und Zukunftsforscher Michio Kaku, der die zunehmenden Möglichkeiten der virtuellen Realität skizzierte, die seiner Meinung nach die Notwendigkeit des Reisens verringern wird; sowie die CEO von Mobilize, Clotilde Delbos, die eine Zukunft der urbanen Mobilität vorhersagte, in der Mobilitätsdienste auf Abruf Autofahrten mit dem eigenen Fahrzeug ersetzen werden.

Wasserstofftaxis, der nächste große Trend

Der europäische Markt für wasserstoffbetriebene Taxis wird immer wettbewerbsfähiger. Das französische Unternehmen Hype, das die Fahrzeuge seit 2015 entwickelt, zählt zu den führenden Anbietern, wie EURACTIV Frankreich berichtet.

EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean lobte in einer Videoansprache Spaniens Engagement für einen umweltfreundlichen und digitalen Verkehr. Sie hob besonders den Beschluss der spanischen Regierung hervor, fast ein Fünftel der 68,9 Milliarden Euro, die die EU dem Land bisher im Rahmen des Corona-Konjunkturprogramms zur Verfügung gestellt hat, in diesen Sektor zu investieren.

Wie um die dringende Notwendigkeit der Dekarbonisierung zu unterstreichen, fand die Veranstaltung vor dem Hintergrund einer noch nie dagewesenen Hitzewelle statt. Die Durchschnittstemperatur in Spanien stieg auf über 40 Grad und brachen damit alle Temperaturrekorde für Juni.

Der Global Mobility Call wurde gemeinsam von IFEMA MADRID und Smobhub, einer Agentur für grüne Verkehrsinvestitionen, mit Unterstützung der spanischen Regierung, der Stadt Madrid und der Regionalregierung organisiert.

2020 und 2016: Die wärmsten Jahre der Geschichte

Das Jahr 2020 zieht mit dem Hitze-Rekordjahr 2016 gleich und geht damit ebenfalls als wärmstes Jahr in die Geschichtsbücher ein.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]

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