Spanien in der Krise: 219.000 Jobverluste im Januar

Die die Zahl der registrierten Erwerbstätigen in Spanien ist auf nur noch 18,8 Millionen gesunken. [EFE/Fernando Alvarado]

Die Auswirkungen der COVID-19-Krise auf Spaniens Arbeitsmarkt sind verheerend: Fast 219.000 Menschen haben im Januar ihren Job verloren. Der Dienstleistungssektor, der Tourismus sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe sind dabei am stärksten betroffen, berichtet EURACTIVs Medienpartner EFE.

Laut neuen Daten, die am Dienstag vom spanischen Ministerium für Inklusion, soziale Sicherheit und Migration veröffentlicht wurden, verloren im vergangenen Januar genau 218.953 Arbeitnehmende ihre Anstellung. Damit sinkt die Zahl der registrierten Erwerbstätigen in Spanien auf nur noch 18,8 Millionen.

Während die Gesamt-Arbeitslosenquote bei 16,1 Prozent lag (3.964.353 Personen), sind weitere 738.969 Menschen aktuell in Kurzarbeit. Personen, die unter diese nationalen Regelungen fallen, gelten in den offiziellen Statistiken weiterhin als beschäftigt, werden also nicht als „arbeitslos“ gezählt.

Zahl der Menschen mit mehreren Jobs nimmt zu

In Deutschland arbeitet eine wachsende Zahl von Menschen gleichzeitig in mehreren Jobs.

Die Zahlen seien „zweifellos sehr schlecht“, sagte Pepe Alvarez, der Generalsekretär der Gewerkschaft Unión General de Trabajadores (UGT). Dies sei zum Teil auf eine sehr negative Winter- und Weihnachtssaison zurückzuführen, in der große Geschäfte und Kaufhäuser unter normalen Umständen immer zusätzliche Arbeitskräfte einstellen, dies nun aber nicht taten, erklärte Alvarez am Dienstag gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender RTVE.

Der Gewerkschafter forderte die Regierung in Madrid auf, dringend finanzielle Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation der am schwersten Betroffenen zu entschärfen.

Lorenzo Amor, Präsident des spanischen Verbandes der Selbstständigen (Asociación de Trabajadores Autónomos, ATA) rief die Regierung ebenfalls auf, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen und das „Ausbluten“ des Arbeitsmarktes zu stoppen. Es sei an der Zeit, schnell zu handeln und „Arbeitsplätze zu retten“.

Wirtschaftskommissar: Gewerkschaften sollten beim Wiederaufbau größere Rolle spielen

Die durch die Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise könnte sich zu einer „sozialen Krise“ entwickeln, warnt der EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. Er fordert daher eine stärkere Beteiligung der Gewerkschaften an der Ausarbeitung der nationalen Konjunktur- und „Wiederaufbaupläne“. 

Die Probleme auf Spaniens Arbeitsmarkt sind auch durch einen hohen Anteil an befristeter und prekärer Arbeit begründet. Dies ist ein Dauerproblem, das jetzt durch die COVID-19-Pandemie noch verschärft wird.

Besonders betroffen ist einmal mehr die jüngere Generation: Mit 40,7 Prozent Jugendarbeitslosigkeit ist Spanien das Schlusslicht in der EU. Darauf folgt Griechenland mit 35,5 Prozent, zeigen Eurostat-Daten.

[Berabeitet vonuDaniel Eck und Frédéric Simon]

"Ich mache mir Sorgen, dass unsere Jugend eine verlorene Generation wird"

Wenn die Politik die gegenwärtige Krise nicht nutzt, um in junge Menschen zu investieren und eine gerechtere und nachhaltigere Gesellschaft zu schaffen, wird Europas Jugend zu einer „verlorenen Generation“, warnt Carina Autengruber.

Sinkevicius: Nach der Pandemie keine Rückkehr zum "Business as usual"

Nach der Pandemie kann es keine Rückkehr zum „Business as usual“ geben und kein noch so großer wirtschaftlicher Druck sollte die Gesellschaft dazu zwingen, Kompromisse bei der Gesundheit der Menschen und des Planeten einzugehen, so EU-Kommissar Virginijus Sinkevičius.

Deutsche Gewerkschafterin: Stärkere Arbeitnehmerbeteiligung hilft in Krisenzeiten

Im Interview mit EURACTIV beschreibt die Gewerkschafterin Karin Erhard, wie Unternehmen in diesen unsicheren Zeiten vorgehen sollten und wie ein starkes System der Mitbestimmung den Weg weisen kann.

Subscribe to our newsletters

Subscribe