Sharing Economy: Von smartem Ressourcenschutz und teuren Wohnungen

Die Sharing Economy in Form von Uber oder Airbnb kommt nicht überall gut an. [David Shane / Flickr.com]

Die sogenannte Sharing Economy mit ihren bekanntesten Vertretern Airbnb und Uber bietet Chancen und Gefahren. Eine Hauptfrage bleibt, ob EU-weit bindende Regeln notwendig sind und wie dann eine Balance zwischen Verbraucherschutz und Innovation gesichert werden könnte.

Die „Sharing Economy“ sei nicht als ein einheitliches Gesamtkonzept zu verstehen, sondern als eine Vielfalt von Ansätzen, die oft mit vollkommen unterschiedlichen Philosophien arbeiten, erklärte der tschechische Europaabgeordnete Luděk Niedermayer von der konservativen EVP bei einer Debatte in Brünn, Tschechische Republik.

Es gebe jedoch einen gemeinsamen Aspekt dieser verschiedenen Ansätze. „Alles, worüber wir reden, ist im Grunde genommen ein Versuch, die uns zur Verfügung stehenden Mittel besser und effektiver zu nutzen,“ so Niedermayer.

Neben den bekanntesten Sharing-Dienstleistungsanbietern wie Uber oder Airbnb gibt es eine Vielzahl von Projekten. Kryštof Kruliš, Analyst bei der tschechischen Organisation für Internationale Beziehungen (AMO), erläuterte die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ansätzen im Bereich Transport, wo Dienstleistungsanbieter besonders hart konkurrieren.

„Zuerst gibt es die einfache Fahrgemeinschaft, bei der man dem Fahrer nur einen Teil der Benzinkosten zahlt und er auf keine andere Weise Gewinn macht. Das ist ein klassisches Beispiel für eine geteilte Wirtschaft, also eine Sharing Economy.“

Weiter gehe es mit Carsharing, „bei dem Autos für viele Fahrer zur Verfügung gestellt werden. Sie müssen nicht zu einer Autovermietung gehen, sondern schauen auf einer Karte nach, welches Fahrzeug in der Nähe geparkt ist und holen es dann sofort ab.“

Kruliš legte dar, wie dieser Ansatz zu weniger Autos in den Städten führen könnte. Studien hätten gezeigt, dass ein „gemeinsames“ Auto bis zu zehn Privatfahrzeuge ersetzen kann.

„Und dann gibt es natürlich Uber, das zunächst wie ein Fahrgemeinschaftsdienst ausgesehen hat, sich aber allmählich in einen Vertrags-Verkehrsdienstleister verwandelt hat,“ fügte er hinzu.

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EU-weite Regulierung – oder lieber nicht?

Die Debattierenden waren sich einig: Eine der wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit der Sharing Economy sei es, ob Regelungen auf europäischer Ebene eingeführt werden sollten oder nicht.

„Die Kommission begrüßt das Konzept der Sharing Economy, empfiehlt jedoch gleichzeitig, sich nicht allzu sehr [regulatorisch] in diese Dienste einzumischen. Die von der Exekutive vorgelegten Analysen zeigen ein klares „Nein“ zur Regulierung. Für mich ist das der richtige Ansatz,“ erklärte Niedermayer.

Kruliš hingegen hinterfragte, ob eine Vereinheitlichung der Definition von „Sharing Economy“ sowie der Grundregeln in allen europäischen Ländern nicht von Vorteil für die Verbraucher wäre. Aktuell seien die Regeln europaweit nicht einheitlich, was auch zu unterschiedlichen Einschränkungen für die Dienstleister sowie Schutzmechanismen für die Verbraucher führt.

Niedermeyer wiederum verwies auf das Subsidiaritätsprinzip, das seiner Ansicht nach zu oft übergangen werde. Dieser Grundsatz besagt, dass sich die EU nur dann mit einer bestimmten Politik befassen sollte, wenn untergeordnete Regierungsebenen dazu nicht in der Lage sind.

„Die Vorteile und auch Probleme der Sharing Economy manifestieren sich oft auf lokaler Ebene. Städte und Gemeinden sind daher geeignetere Akteure im Umgang mit dieser Wirtschaftsform. Auch auf nationaler Ebene kann viel getan werden. Aus meiner Sicht brauchen wir also keine umfassende EU-Gesetzgebung,“ betonte der konservative Abgeordnete.

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In Bezug auf mögliche Regulierungen kam die Sprache auch recht schnell auf einen der bekanntesten Vertreter der Sharing Economy, dem Portal Airbnb.

Niedermayer warnte: „Wenn wir von Airbnb das gleiche Maß an Verbraucherschutz und Service wie in einem normalen Hotel wollen, könnte das zum Ende dieses Wirtschaftssegments führen. Es geht um die Frage, ob wir der Meinung sind, dass sie [Airbnb] diese Art von Service bieten sollten, oder ob es sich um ein völlig anderes, neues Konzept handelt und wir unsere Erwartungen daran anpassen sollten.“

Ein anderes Problem mit Airbnb sei allerdings seine Auswirkung auf das alltägliche Leben, besonders in bei Touristen beliebten Metropolen. „Airbnb stellt für die einen eine lukrative Erwerbsmöglichkeit dar; für die anderen bedeutet es höhere Preise für Immobilien,“ räumte der Europaabgeordnete ein.

„Smarte” Ressourcen-Nutzung

Die Diskussionsteilnehmer wiesen auch darauf hin, dass die Sharing Economy neben der wirtschaftlichen Ebene auch Auswirkungen auf sozialer und ökologischer Ebene hat.

„Jüngere Generationen führen im 21. Jahrhundert immer stärker individualisierte Leben, in denen es an sozialen Interaktionen mangeln kann. Etwas zu teilen könnte diesen Trend umkehren,“ hofft Niedermayer.

Auf sozialer Ebene wurde vermehrt das Konzept der „intelligenten“ Städte aufgeworfen, die sich z.B. auf die bereits erwähnte Auto- und Parkplatzteilung konzentrieren: „Städte sollen Komfort und Sicherheit bieten. „Intelligente“ Stadt bedeutet aus unserer Sicht vor allem: Eine enge Beziehung zwischen der Stadt, ihren Bürgern und den Unternehmen,“ betonte Edlman.

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