SEPA und IBAN: Es gibt keinen Plan B

Die Bundesbank wird im Herbst eine Informationskampagne starten, um Privatpersonen über IBAN und SEPA aufzuklären. Illustration: Bundesbank

Der bargeldlose Zahlungsverkehr wird in wenigen Monaten auf den EU-weit gültigen SEPA-Standard umgestellt, nationale Systeme werden Ende Januar 2014 abgeschaltet. Deutschland hinkt bei der Umstellung zu sehr hinterher, warnt die Bundesbank.

Zum 1. Februar 2014 muss auch in Deutschland die Umstellung des Zahlungsverkehrs auf den neuen SEPA-Standard abgeschlossen sein. Jeder Einzelne ist von der Umstellung betroffen, doch viele kleine Unternehmen, Vereine und Kommunen haben sich noch nicht um die Anpassung an SEPA (Single Euro Payments Area), den Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum, gekümmert. Viele Bürger können mit SEPA nichts anfangen. Dabei gibt es zu SEPA keine Alternative, keinen Plan B, wie Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, am Dienstag (18. Juni) in Berlin erklärte. Gemeinsam mit Vertretern des Bundesfinanzministeriums, der Kreditwirtschaft und der Verbraucherschützer forderte Thiele, die SEPA-Umstellung schneller voranzutreiben. "Mittlerweile drängt wirklich die Zeit. Und in Deutschland ist noch zu wenig passiert, es besteht noch großer Handlungsbedarf", so Thiele.

Überweisungen und Lastschriften

Die Umstellung betrifft alle Überweisungen und Lastschriften, egal ob sie grenzüberschreitend oder national ausgeführt werden. In Deutschland werden pro Tag 22 Millionen Überweisungen ausgeführt. Davon wurden im ersten Quartal 2013 gerade einmal 8,7 Prozent im SEPA-Standard ausgeführt. Bei den Lastschriften lag der SEPA-Anteil noch deutlich niedriger, im Promille-Bereich. Von den 33 Millionen Lastschriften, die pro Tag in Deutschland ausgeführt werden, lag der SEPA-Anteil bei 0,14 Prozent. Angesichts des "nicht zu unterschätzenden technischen und organisatorischen Aufwands" bei der SEPA-Umstellung bereiten diese Zahlen dem Bundesbank-Vorstand Thiele "durchaus Kopfschmerzen".

IBAN

Für die meisten Bürger ändert sich kaum etwas: Die bisherigen Kontoangaben (Kontonummer und Bankleitzahl) werden durch eine internationale Kontonummer, die IBAN ersetzt. Diese setzt sich zumeist aus dem Länderkennzeichen (DE für Deutschland), einer zweistelligen Prüfziffer und der schon bekannten Bankleitzahl und Kontonummer zusammen.

Die privaten Daueraufträge, etwa für Miete, Strom und Telefon werden automatisch umgestellt. Auch die privat erteilten Lastschriften, etwa beim Einzug der GEZ-Gebühren oder von Versicherungsprämien, werden automatisch umgestellt.

Anders ist es bei Unternehmen, Kommunen und Vereinen. Sie müssen sich aktiv um die SEPA-Umstellung kümmern. "Wer selbst Lastschriften bei seiner Bank einreicht, muss, eine Gläubiger-Identifikationsnummer bei der Bundesbank beantragen, um weiterhin am Lastschriftverfahren teilnehmen zu können.

Elektronisches Lastschriftverfahren

Das sogenannte elektronische Lastschriftverfahren, dass viele Deutsche im Einzelhandel nutzen, wird übrigens noch bis zum 1. Februar 2016 möglich sein. Diese Übergangsfrist hatte die Bundesregierung in den SEPA-Verhandlungen auf EU-Ebene durchgesetzt.

mka

Links

Bundesbank: SEPA: Die Zeit drängt (18. Juni 2013)

Zum Thema auf EURACTIV.de

LinkDossier:
PSD und SEPA – Die neue EU-Richtlinie über Zahlungsdienste

SEPA: EU-Parlament beschließt IBAN-Pflicht (14. Februar 2012)

SEPA: 22-stellige Kontonummern ab 2014 Pflicht (21. Dezember 2012)

SEPA: "Politik und Banken sind in der Pflicht"
(4. Juli 2011)

Offensive der Bundesregierung gegen SEPA und IBAN (12. Mai 2011)

Krichbaum (CDU) zu SEPA: "Größter Schwachsinn aller Zeiten" (11. Mai 2011)

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