SEPA-Umstellung: Bundesbank und EZB drängen zur Eile

Die SEPA-Zahlverfahren (Single Euro Payments Area) werden noch immer kaum genutzt. Foto: dpa

100 Tage vor dem Start des neuen europäischen Zahlungssystems SEPA sei die Nutzung noch besorgniserregend gering, warnt die Bundesbank. Auch die EZB mahnt Banken, Unternehmen und Vereine bei der Umstellung auf das EU-weite Überweisungs- und Lastschriftverfahren zur Eile.

Die SEPA-Zahlverfahren (SEPA = Single Euro Payments Area) werden noch immer kaum genutzt. "Ein Blick auf die Zahlen ist besorgniserregend", heißt es in einer Mitteilung der Bundesbank vom Donnerstag. Im dritten Quartal 2013 lag der Anteil der SEPA-Überweisungen in Deutschland bei nur knapp 14 Prozent, der Anteil der SEPA-Lastschriften bei 0,68 Prozent.

"Jetzt ist in Deutschland ein echter Endspurt fällig", sagte Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Bundesbank. 100 Tage vor dem offiziellen Start des neuen Verfahrens warnt auch der für die Umstellung verantwortliche EZB-Direktor Benoit Coeure in Frankfurt davor, nicht bis zur letzten Minute zu warten. Die EZB veröffentlichte am Donnerstag ihren zweiten "SEPA migration report". Demnach hätten sich viele wichtige Akteure entschieden, erst im letzten Quartal 2013 oder noch später umzustellen. Dieser Ansatz schaffe jedoch operationelle Risiken, warnt die EZB. Zudem werde die Möglichkeiten zur Reaktion auf unerwartete Entwicklungen eingeschränkt, die in der Umstellungsphase auftreten könnten.

Ab dem 1. Februar 2014 dürfen Kreditinstitute gemäß der europäischen SEPA-Verordnung inländische und europaweite Überweisungen und Lastschriften in Euro nur noch im SEPA-Format annehmen und ausführen.

Für die meisten Bürger ändert sich kaum etwas: Die bisherigen Kontoangaben (Kontonummer und Bankleitzahl) werden durch eine internationale Kontonummer, die IBAN ersetzt. Diese setzt sich zumeist aus dem Länderkennzeichen (DE für Deutschland), einer zweistelligen Prüfziffer und der schon bekannten Bankleitzahl und Kontonummer zusammen. Die privaten Daueraufträge, etwa für Miete, Strom und Telefon werden automatisch umgestellt. Auch die privat erteilten Lastschriften werden automatisch umgestellt.

Anders ist es bei Unternehmen, Kommunen und Vereinen. Sie müssen sich aktiv um die SEPA-Umstellung kümmern. "Wenn Unternehmen bis zum gesetzlich vorgeschriebenen Umstellungstermin nicht SEPA-fähig sind, drohen Liquiditätsengpässe und Kosten durch falsch oder verspätet abgewickelte Zahlungen", warnt Thiele. "Dies gilt nicht nur für diejenigen, die bei der SEPA-Umstellung hinterherhinken, sondern auch für deren Geschäftspartner, Beschäftigte oder Kunden."

Insgesamt müssen in Deutschland rund 25 Millionen arbeitstägliche Überweisungen im Wert von 227 Milliarden Euro und gut 35 Millionen Lastschriften im Wert von rund 52 Milliarden Euro umgestellt werden.

"Bis zum 1. Februar 2014 müssen Banken, Unternehmen, Vereine und öffentliche Kassen voll SEPA-fähig sein. Dies ist Gesetz. Für Verbraucher gibt es bis Februar 2016 eine Übergangsfrist, in der sie noch Kontonummer und Bankleitzahl bei ihrer Hausbank nutzen können", erklärt Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen: "Bis Februar sind noch Anstrengungen erforderlich. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Umstellung des Zahlungsverkehrs in Deutschland rechtzeitig abgeschlossen werden kann", so Koschyk.

dto

Links

EZB: ECB publishes second SEPA migration report (24. Oktober 2013)

EZB: Second SEPA migration report, October 2013

Bundesbank: SEPA-Nutzung besorgniserregend – Keine 100 Tage mehr (24. Oktober 2013)

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