Schuldzuweisungen nach geplatzter Fusion zwischen Fiat Chrysler und Renault

Fiat Chrysler machte die Regierung in Paris für das Platzen der Fusion verantwortlich. Paris habe "neue Forderungen" gestellt und damit den Zusammenschluss torpediert, hieß es aus dem Umfeld des Konzerns. Renault äußerte in einer Erklärung seine "Enttäuschung" über den gescheiterten Deal. [EPA-EFE/TOMS KALNINS]

Nach der geplatzten Fusion der Autobauer Fiat Chrysler und Renault schieben sich beide Seiten die Schuld zu. Italien warf Frankreich am Donnerstag „politische Einmischung“ vor. Aus der französischen Regierung hieß es dagegen, Fiat Chrysler habe den Zusammenschluss „überstürzt“ abgeblasen. Renault bedauerte das Platzen der Fusion, mit dem einer der größten Hersteller der Welt entstanden wäre.

„Wenn die Politik versucht, in wirtschaftliche Vorgänge einzugreifen, verhält sie sich nicht immer korrekt“, sagte der stellvertretende italienische Regierungschef Luigi Di Maio. Er spielte damit auf die Haltung Frankreichs als 15-prozentiger Anteilseigner von Renault an.

Die Regierung in Paris hatte auf eine Beteiligung des japanischen Herstellers Nissan an dem Zusammenschluss gepocht, der mit Renault seit rund 20 Jahren eng verflochten ist. Diese Bedingung sei nicht erfüllt gewesen, betonte Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire.

Fiat Chrysler machte die Regierung in Paris für das Platzen der Fusion verantwortlich. Paris habe „neue Forderungen“ gestellt und damit den Zusammenschluss torpediert, hieß es aus dem Umfeld des Konzerns. Renault äußerte in einer Erklärung seine „Enttäuschung“ über den gescheiterten Deal.

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Wirtschaftsminister Le Maire hatte bei einer Sitzung des Renault-Verwaltungsrats am Mittwochabend eine zusätzliche Bedenkzeit bis kommenden Dienstag verlangt, wie es von Seiten des Autobauers hieß. Le Maire reist Ende dieser Woche nach Japan und wollte dort um Zustimmung zu dem Deal werben. Der Renault-Verwaltungsrat hatte seine Entscheidung daraufhin vertagt, obwohl nach informierten Kreisen eine breite Mehrheit für die Fusion war.

Fiat Chrysler fühlte sich durch die Haltung der Franzosen offenbar so stark gegängelt, dass der Konzern sein Angebot daraufhin zurückzog. Der Konzern zeigte sich in einer Erklärung „fest überzeugt“ davon, dass eine Fusion für beide Seiten vorteilhaft gewesen wäre.

Durch einen Zusammenschluss wäre der drittgrößte Autobauer der Welt nach Volkswagen und Toyota entstanden, mit jährlich knapp neun Millionen produzierten Fahrzeugen. Hätten sich auch die japanischen Renault-Bündnispartner Nissan und Mitsubishi an dem Bündnis beteiligt, wäre sogar der weltweit größte Autokonzern mit fast 16 Millionen Fahrzeugen entstanden.

Nissan-Chef Hiroto Saikawa hatte zuvor gewarnt, im Falle einer Fusion mit Fiat Chrysler müsse die jahrelange Partnerschaft mit Renault „grundlegend neu definiert“ werden. Renault hält rund 43 Prozent des Kapitals bei Nissan, der japanische Autobauer kontrolliert 15 Prozent bei Renault.

In der französischen Regierung gibt es jedoch Zuversicht, dass die Fusionspläne noch nicht ganz vom Tisch sind. Haushaltsminister Gérald Darmanin sagte dem Sender Franceinfo, die Gespräche „könnten in nächster Zeit wieder aufgenommen werden“. Auch Wirtschaftsminister Bruno Le Maire zeigte sich „offen“ für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen.

Frankreich hatte auch eine Arbeitsplatz- und Standortgarantie zur Bedingung für eine Fusion gemacht. In diesem Punkt herrschte Übereinstimmung mit Fiat Chrysler, wie Wirtschaftsminister Le Maire betonte. Auch einer Einbeziehung des fusionierten Konzerns in das europäische Batteriezellen-Projekt mit Deutschland stimmte der US-italienische Konzern demnach grundsätzlich zu.

An den Börsen wurden die Konzerne nach der geplatzten Fusion abgestraft: In Paris stürzte der Renault-Kurs zeitweise um mehr als sieben Prozent ab. In Mailand verlor Fiat Chrysler mehr als drei Prozent.

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