Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat vor einer Verstetigung der hohen Inflationsrate gewarnt. Ökonomen zeigten sich „noch“ davon überzeugt, dass sich die Preissteigerung wieder normalisieren werde, sagte der derzeit noch geschäftsführende Bundesfinanzminister am Dienstagabend (30. November) bei Bild Live.
„Das müssen wir ganz sorgfältig beobachten, um dann die notwendigen Schritte zu ergreifen, falls die sich geirrt haben.“ Eine hohe Inflation, wie sie aktuell zu beobachten sei, „sollten wir nicht anstreben. Da bin ich völlig festgelegt“, betonte Scholz.
Der Finanzminister verwies auf „Experten aus aller Welt“, die die Preissteigerungen auf die Corona-Krise, die Rohstoffknappheit sowie die weltweiten Konjunkturprogramme zurückführten und davon ausgingen, „dass sich das nicht dauerhaft auswächst“.
„Wenn das nicht der Fall ist, müssen wir was tun“, betonte Scholz.
Das Statistische Bundesamt hatte am Montag mitgeteilt, dass die Inflationsrate im November voraussichtlich 5,2 Prozent beträgt. Damit liegt die Inflation deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB).
Die Rate sprang damit außerdem auf den höchsten Wert seit fast drei Jahrzehnten.
Die meisten Ökonom:innen gehen bislang davon aus, dass es sich bei der hohen Teuerungsrate um ein vorübergehendes Phänomen handelt.
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sagte am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“, sie gehe davon aus, dass im November der Höhepunkt der Inflationsentwicklung erreicht sei. Nach Einschätzung der Zentralbanker werde die Inflation im kommenden Jahr „wieder allmählich“ zurückgehen.
Hinweise darauf, dass die Inflation außer Kontrolle geraten könnte, gebe es laut Schnabel nicht.
Auch wenn die Inflationsrate sich während der nächsten Monate wohl auf einem relativ hohen Niveau halten werde, sollte sich ein Abwärtstrend erkennen lassen, sagte auch Thomas Gitzel, Analyst der VP Bank.
Demnach könnte Deutschland laut Gitzel das Zwei-Prozent-Ziel der EZB bereits Mitte nächsten Jahres wieder erreichen.
Grund für die hohe Teuerungsrate ist aus Sicht von Expert:innen eine Kombination aus mehreren Faktoren, darunter hohe Energiepreise und Materialknappheit in globalen Lieferketten. Auch die pandemiebedingten Mehrwertsteuererleichterungen im vergangenen Jahr werden als Faktor genannt.

