Schluss mit Roaming-Gebühren in der EU

Roaming-Gebühren EU-Parlament

Ab heute, 15. Juni 2017, sind die Roaming-Gebühren innerhalb der EU Geschichte. [Gonzalo Baeza/Flickr]

Gebühren für Roaming gehören in der EU ab Mitte Juni der Vergangenheit an. Das Europaparlament verabschiedete nun die letzte dafür nötige Verordnung.

Das Aus für Roaming-Gebühren in Europa ist endgültig beschlossene Sache: Das Europaparlament verabschiedete die weitgehende Abschaffung der Roaming-Gebühren, auf der Basis des Berichts der finnischen Sozialdemokratin Kumpula-Natri aus dem Industrieausschuss (ITRE). Die Verordnung legt die Obergrenzen für die gegenseitige Gebührenabrechnung zwischen europäischen Mobilfunkunternehmen fest.

Damit steht der Abschaffung der Roaming-Gebühren ab 15. Juni nichts mehr im Weg. Ab diesem Tag können Verbraucher EU-weit ohne zusätzliche Gebühren mit ihrem Handy telefonieren, SMS versenden oder im Internet surfen.

Die Neuregelung enthält allerdings eine Missbrauchsklausel. Sie soll verhindern, dass etwa ein in Deutschland lebender Verbraucher einen Handyvertrag in einem anderen Land abschließt, wo die Gebühren deutlich billiger sind.

Unzeitgemäß wie Geoblocking

Martina Michels, Linken-Abgeordnete im EU-Parlament, begrüßte den Schritt.  „Roaming-Gebühren sind eine unzeitgemäße Schwester des Geoblockings, eine  Vermarktungsstrategie der großen Marktplayer gegenüber den VerbraucherInnen, die sich grenzüberschreitend in Europa bewegen wollen oder müssen. Es geht neben Touristinnen und Touristen auch um die vielen BerufspendlerInnen in den Grenzregionen, die sich nun nicht mehr mit zwei SIM-Karten ausstatten müssen.“

Michels hob auch hervor, dass der Bericht die Europäische Regulierungsbehörde BEREC stärkt. Die BEREC ist derzeit der letzte große Ritter für den Erhalt der Netzneutralität, die einzige unabhängige Regulierungsbehörde der Telekombranche auf europäischer Ebene.“

Bessere Chancen für kleinere Telekom-Anbieter

Constanze Krehl, telekommunikationspolitische Sprecherin der SPD im Europaparlament, lobte die „niedrigen Preisgrenzen“ als „sorgfältig austariert“. Die Preise stellten sicher, dass Anbieter die technischen Kosten, die ihnen bei der Nutzung ihrer Netze durch Kunden anderer Anbieter entstehen, abdecken können. Zugleich werde verhindert, dass etwa große Anbieter Gewinne erwirtschaften, indem sie von kleineren Anbietern überhöhte Preise verlangen. Auch die Grünen im EU-Parlament betonten, kleinere Anbieter würden dadurch künftig besser mit großen Telekom-Unternehmen mithalten können.

Die Aufhebung der Roaming-Gebühren ist das Ende eines langwierigen Prozesses. Seit 2007 sind die erlaubten Aufschläge für Telefonie, SMS-Versand und Datennutzung im EU-Ausland bereits um 90 Prozent gefallen.

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