Schachern um Air Berlin und Niki

Die Übernahme des insolventen österreichischen Ferienfliegers Niki durch die britisch-spanische Holding IAG steht auf der Kippe. [shutterstock]

Im Poker um die Air-Berlin-Tochter Niki müssen heute die Karten auf den Tisch gelegt werden: Potenzielle Käufer können beim vorläufigen Insolvenzverwalter Lucas Flöther verbindliche Angebote einreichen.

Mit der Schweizer PrivatAir stieg die Zahl der Interessenten zuletzt auf ein halbes Dutzend. Die kleine Linien- und Charterfluggesellschaft, die Flüge zum Beispiel für Lufthansa übernimmt, wolle Niki komplett kaufen, sagte deren Chef Thomas Limberger. Zwei Insidern zufolge gesellte sich auch die British-Airways-Mutter IAG zu den schon bekannten Bietern Ryanair, der Condor-Mutter Thomas Cook, dem Niki-Gründer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda und dem Berliner Bieterkonsortium Zeitfracht/Nayak.

Flöther äußerte sich zuversichtlich, für Niki nach dem Scheitern der Übernahme des Ferienfliegers durch die Lufthansa einen neuen Eigentümer zu finden. Auch der neuen österreichischen Regierung liegt viel daran, Niki zu erhalten. “Ich bin sehr optimistisch, dass wir für Österreich die beste Lösung finden”, sagte Infrastruktur-Minister Norbert Hofer von der FPÖ. Er wolle sich dafür einsetzen, dass die Firmenzentrale des Unternehmens und damit Jobs im Land blieben. Insgesamt hat Niki rund 850 Beschäftigte. Nach einem Gespräch mit Niki Lauda erklärte Hofer, der Ex-Rennfahrer sei zuversichtlich, zum Zug zu kommen.

Lauda ist wegen seiner Formel-1-Karriere zwar ein Nationalheld in Österreich und wäre vielen daher als neuer Chef willkommen. Doch die Niki-Beschäftigten haben wegen des früheren Ausstiegs von Lauda und des Verkaufs an die deutsche Air Berlin ein zwiespältiges Verhältnis zu ihm, wie Betriebsratschef Stefan Tankovits kürzlich erklärte. Schließlich sei das 2011 Ausgangspunkt der Entwicklung gewesen, die Niki mit der Pleite der Konzernmutter in die Bredouille brachte. Daher sei Lauda bei der Belegschaft als Geschäftsmann zwar anerkannt. “Es ist aber ein recht komplexes Verhältnis aufgrund der Vergangenheit.”

Ryanair lobt Gespräche mit Gewerkschaft

Die Fluggesellschaft Ryanair hat erstmals in ihrer Geschichte Gespräche mit Vertretern von Pilotengewerkschaften geführt. Diese seien „positiv und erfolgreich“ verlaufen.

Der Niki-Gründer hatte seit Beginn des Rangelns um die Teile der insolventen Air Berlin gegen die Lufthansa gewettert, die in Wien durch eine Niki-Übernahme ihre starke Marktposition als Mutter der Austrian Airlines fast zum Monopol hätte ausbauen können. Auch die Bedenken der EU-Wettbewerbsaufsicht über die Dominanz des deutschen Branchenprimus waren deshalb so groß, dass die Lufthansa noch vor der Entscheidung der EU-Beamten vergangene Woche die Reißleine zog. Jetzt muss sie sich mit einem kleineren Stück vom Air-Berlin-Kuchen begnügen, der Dortmunder Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW). Insidern zufolge wird die EU dafür am Donnerstag unter der Bedingung, dass die Lufthansa auf Start- und Landerechte etwa in Düsseldorf verzichtet, grünes Licht geben.

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