Samaras warnt vor Chaos in Griechenland

Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras Foto: dpa

Am Dienstag fliegt Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Athen. Ein kritischer Zeitpunkt: Der Zusammenhalt der griechischen Gesellschaft sei durch die steigende Arbeitslosigkeit gefährdet, warnt Regierungschef Antonis Samaras – und vergleicht die Situation seines Landes mit der Weimarer Republik.

Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras dringt auf die Auszahlung der nächsten Hilfszahlung der internationalen Partner. Dem "Handelsblatt" sagte er auf die Frage, bis wann Griechenland ohne die Rate noch durchhält: "Bis Ende November. Dann ist die Kasse leer." Zugleich forderte er mehr Zeit für Griechenland bei der Sanierung. "Was wir brauchen, ist mehr Zeit für die Haushaltskonsolidierung – aber nicht unbedingt mehr Hilfskredite", sagte er.

Helfen könnte derzeit etwa die "EZB, die ja griechische Staatsanleihen hält, mit niedrigeren Zinsen für diese Papiere". Oder die Notenbank könne einer Laufzeitverlängerung zustimmen, wenn diese Bonds fällig werden, sagte Samaras. Vorstellen könne er sich auch eine direkte Rekapitalisierung der griechischen Banken direkt über den Euro-Rettungsschirm ESM. "Der Austritt aus dem Euro ist keine Option für Griechenland – er wäre eine Katastrophe", sagte der Regierungschef.

Die Situation seines Landes verglich Samaras mit der Weimarer Republik. Der Zusammenhalt der Gesellschaft sei durch die "steigende Arbeitslosigkeit gefährdet, so wie es gegen Ende der Weimarer Republik in Deutschland war". Durch den Aufstieg radikaler politischer Kräfte sei die Gesellschaft "als Ganzes" bedroht. Scheitere seine Regierung, "wartet auf uns das Chaos".

Lobende Worte fand Samaras für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie habe den "richtigen Ton gefunden, als sie jüngst sagte, dass ihr das ‚Herz blutet‘, wenn sie diese Schicksale sehe". Merkel reist am Dienstag zu Beratungen mit Samaras nach Athen.

Sie nehme damit die von Samaras bei seinem Deutschlandbesuch ausgesprochene Einladung an, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Themen sollten die Situation in Griechenland und in der Euro-Zone, internationale Fragen und bilaterale Themen sein. Der Besuch stehe unter dem Eindruck der massiven Anpassungs- und Reformmaßnahmen, die Griechenland in den vergangenen Jahren geprägt hätten, erläuterte Seibert.

"Wir wollen Griechenland helfen, in der Euro-Zone sich zu stabilisieren", fügte Seibert hinzu. Die Bundesregierung nehme zur Kenntnis, dass es unter Samaras einen verstärkten Reformeifer gebe. "Wir wollen das unterstützen." Nach dem Gespräch sei eine Pressekonferenz geplant.

EURACTIV/rtr

Handelsblatt: Die griechische Demokratie steht vor ihrer größten Herausforderung (5. Oktober 2012) 

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