Am Freitag kommt Antonis Samaras nach Berlin. Vor seinem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert Griechenlands Ministerpräsident mehr Zeit für die mit der EU vereinbarten Reformen.
"Alles, was wir wollen, ist ein wenig ‚Luft zum Atmen‘, um die Wirtschaft rasch in Gang zu bringen und die Staatseinnahmen zu erhöhen", sagte Antonis Samaras in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung.
"Wir fordern kein zusätzliches Geld", betonte er. "Mehr Zeit bedeutet nicht automatisch mehr Geld." Samaras kommt am Freitag nach Berlin, einen Tag zuvor berät Angela Merkel mit dem französischen Präsidenten François Hollande über die Schuldenkrise.
Der konservative Politiker warnte zugleich vor Unruhen in seinem Land, sollte es die Euro-Zone verlassen und zur Drachme zurückkehren. "Ein Alptraum für Griechenland: wirtschaftlicher Kollaps, soziale Unruhen und eine nie dagewesene Krise der Demokratie", sagte er.
Ein Euro-Ende würde Samaras zufolge mindestens fünf weitere Jahre Rezession bedeuten und die Arbeitslosigkeit über 40 Prozent steigen lassen. Zudem würde der Lebensstandard um weitere 70 Prozent sinken. Dabei sei er bereits in den letzten drei Jahren um etwa 35 Prozent gesunken. "Welche Gesellschaft, welche Demokratie könnte das überleben? Am Ende wäre es wie in der Weimarer Republik".
Einem hochrangigen Vertreter des griechischen Finanzministeriums zufolge muss die Regierung in Athen in den kommenden beiden Jahren jedoch mehr Geld auftreiben als bislang gerechnet. Der Staat müsse weitere zwei Milliarden Euro einsparen oder zusätzlich zusammenbekommen, um die mit seinen Geldgebern im Gegenzug für die Hilfe vereinbarten Ziele zu erreichen, sagte der Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Wegen der schlechten Wirtschaftslage und schleppender Steuereinnahmen seien insgesamt 13,5 Milliarden Euro nötig, damit netto der verabredete Effekt von 11,5 Milliarden Euro erreicht werde.
EURACTIV/rtr/dto
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Bild: "Die Drachme wäre eine Katastrophe für uns" (22. August 2012)

