Ryanair treibt Konflikt mit Piloten auf die Spitze

Protest gegen Ryanair am Flughafen Madrid. [EPA-EFE/VICTOR LERENA]

Das Ryanair-Management will seine Drohung wahr machen: Auf die jüngsten Streiks wir mit Standortschließungen, statt mit Tarifverhandlungen, reagiert.

So gab die Airline am Dienstag bekannt, den Standort Bremen in fünf Wochen – am 5. November – komplett zu schließen. Zudem soll der Standort Weeze bei Düsseldorf von fünf auf drei Flugzeuge reduziert werden. Flugverbindungen sollen nicht wegfallen, sondern aus dem Ausland bedient werden. Die Maßnahme wurde seitens des Unternehmens offen mit den jüngsten Streiks der Piloten und des Kabinenpersonals begründet.

„Die Drohung von Ryanair kann nur als Reaktion auf den Streik gewertet werden“, sagte Markus Wahl, Vizepräsident der Vereinigung Cockpit (VC), die die  Piloten an den deutschen Standorten vertritt. „Das Verhalten der Ryanair ist nicht akzeptabel und dient erkennbar dazu, die Piloten unter Druck zu setzen. Anstatt konstruktiv zu verhandeln, werden die Mitarbeiter mit Standortschließungen und damit Versetzung und Kündigung bedroht.“

„Ungleichheit reduzieren um wirtschaftliche Dynamik zu entfachen“

Wohlstand ist eines der großen Versprechen der Europäischen Integration, doch die Löhne in der EU steigen nur moderat. Zudem gefährdet mangelnde Lohnkonvergenz die Stabilität der Währungsunion. EURACTIV sprach mit Thorsten Schulten.

Auch die Gewerkschaft Verdi, die das Kabinenpersonal vertritt, kritisierte das Vorgehen: „Wir fordern Ryanair auf, diese Entscheidung sofort zurückzunehmen und nicht die Existenz der Beschäftigten zu bedrohen“, teilte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle mit.

Vor dem Streik hatte Ryanair-Betriebsleiter Peter Bellew selbigen als unsinnig bezeichnet, da man auf die zentralen Forderungen der VC bereits eingegangen sei. Der Gewerkschaft warf Bellew vor, von Ryanair-Wettbewerbern gesteuert zu sein und dem Unternehmen schaden zu wollen. Zugleich wurde die Drohung in den Raum gestellt, Flugzeuge aus Deutschland abzuziehen. Piloten und Flugbegleiter blieben allerdings unbeeindruckt und schlossen sich dem international koordinierten Streik an. Nun scheint ihr Arbeitgeber ernst machen zu wollen.

Die Auseinandersetzung zwischen dem irischen Billigflieger und seinen Beschäftigten hält bereits seit Monaten an. Da sich Ryanair aus Sicht der Piloten nicht bewegt und die Verhandlungen immer wieder mit abwegigen Forderungen und Drohungen torpediert, fordert etwa die Vereinigung Cockpit (VC) eine Ablösung des Managements. Ohne einen Austausch der Unternehmensführung sei ein konstruktiver Dialog nicht möglich.

„Die Arbeitnehmerfreizügigkeit darf nicht zu Ausbeutung führen“

Die Kommission will eine EU-Arbeitsbehörde aufbauen und damit zu einer besseren Koordination der nationalen Behörden beitragen. Bei Arbeitnehmervertretern stößt der Vorschlag auf offene Ohren. EURACTIV sprach mit Annelie Buntenbach.

Mittlerweile hat sich auch die EU-Kommission eingemischt und die Fluggesellschaft aufgefordert, nationales Recht zu respektieren. Die europäischen Vorgaben für die Anwendung des korrekten Arbeitsrechts auf Arbeitsverträge seien eindeutig. Zu besagtem Arbeitsrecht gehört auch das Streikrecht.

Möglich also, dass neben dem Druck aus der Belegschaft auch verstärkter politischer Druck auf das Unternehmen zukommt, sollte es nicht einlenken. Stand heute stehen die Zeichen nicht auf Einigung, sondern auf Eskalation.

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