Ruhigere politische Fahrwasser, die Anleger jubeln

Die Börse ist mit den politischen Entwicklungen in Südeuropa nicht unzufrieden. [Foto: Jochen Zick/action press]

Die Aussicht auf eine Lösung der politischen Krise in Italien und der Machtwechsel in Spanien heben die Stimmung der Anleger.

Das Börsengeschehen hat viel mit politischen Entwicklungen zu tun, das ist klar. Die Kehrseite ist, dass in politischen Auseinandersetzungen immer wieder mit den Auswirkungen von Entscheidungen auf die Börse argumentiert wird. Zuletzt war das eindrucksvoll in Italien zu beobachten, als Staatspräsident Sergio Mattarella die Verweigerung, Paolo Savona als Finanzminister zu akzeptieren auch mit Börsenturbulenzen rechtfertigte. Ist das die „marktkonforme Demokratie“, von der Bundeskanzlerin Angela Merkel einst sprach?

Nun jedenfalls entspannen sich besagte Märkte angesichts ruhigerer politischer Fahrwasser in Südeuropa. Besonders positiv reagierten Investoren am Freitag auf den Regierungswechsel in Spanien. Der DAX legte ein Prozent auf 12.724,27 Punkte zu, der EuroStoxx50 gewann 1,2 Prozent auf 3448,62 Zähler. Die Leitindizes der Börsen in Mailand und Madrid rückten um jeweils etwa eineinhalb Prozent vor. An der Wall Street lagen Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 bis zu 1,3 Prozent im Plus.

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In Italien wurde nach einigem Hin und Her die Regierung von Fünf-Sterne-Bewegung und Lega vereidigt – ohne Savona im Finanzministerium. „Für den Moment könnten Neuwahlen und damit drei Monate der Unsicherheit verhindert worden sein“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Investoren griffen daraufhin bei italienischen Anleihen zu. Da die dortigen Banken zahlreiche dieser Papiere halten, verbuchte der italienische Bankenindex mit einem Kursplus von 3,8 Prozent den größten Tagesgewinn seit einem Jahr. Sein Pendant für die Euro-Zone legte 2,8 Prozent zu.

„Die Erleichterungsrally wird aber nur von kurzer Dauer sein“, warnte Anlagestratege Antoine Bouvet von der Investmentbank Mizhuo. „Die fiskalpolitisch verschwenderische Agenda bleibt.“ Es zeigt sich also, dass gerade im Falle der italienischen Regierung der „Druck der Märkte“ bestand haben wird. Denn die sind weiterhin besorgt angesichts einer Regierung, die sich über den Euro grämt und dem EU-Binnenmarkt kritische gegenübersteht.

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