Deutschland profitiert erheblich vom Euro – heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Studie der Bertelmann Stiftung. Demnach wächst die Wirtschaft in den kommenden Jahren dank des Euro schneller, als dies mit der D-Mark der Fall wäre.
Die Vorteile des Euro gegenüber einer Wiedereinführung der D-Mark überwiegen eindeutig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die Anfang dieser Woche veröffentlicht wurde. Fielen die Rahmenbedingungen der Gemeinschaftswährung weg, würde sich die deutsche Volkswirtschaft auf einem dauerhaft niedrigeren Wachstumspfad wiederfinden, heißt es darin.
"Die Mitgliedschaft Deutschlands in der Währungsunion reduziert die Kosten des internationalen Handels und schützt vor starken Wechselkursschwankungen", erklärte Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.
Rückkehr zur D-Mark wäre schädlich
Die Forscher gehen in der Studie davon aus, dass Deutschland im Jahr 2013 wieder eine eigene Währung einführt. Darauf aufbauend errechnen sie die wahrscheinlichste wirtschaftliche Entwicklung. Bis 2025 würde das Bruttoinlandsprodukt – so die Prognose – um einen halben Prozentpunkt weniger wachsen. Folgen wären ein deutlich geringeres Pro-Kopf-Einkommen und rund 200.000 Arbeitslose mehr.
"Eine Rückkehr zur D-Mark würde erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. Die Deutschen würden Einkommen und Arbeitsplätze verlieren", so De Geus. Aufaddiert ergäben die Wachstumsvorteile der Euro-Mitgliedschaft einen Gewinn von knapp 1,2 Billionen Euro.
Dies ist allerdings nur der Fall, wenn die Euro-Staaten ihre Schuldenkrise lösen können und die Gläubiger keine Forderungsverluste der Rettungsprogramme hätten. In einem weiteren Szenario basieren die Berechnungen deshalb auf der Grundlage, dass Deutschland 60 Prozent seiner Forderungen gegenüber den südeuropäischen Staaten aus den Rettungspaketen abschreiben muss.
Selbst dann hielten sich die Auswirkungen der höheren Staatsverschuldung jedoch in engen Grenzen, heißt es in dem Bericht weiter. Deutschland profitiert dabei nicht nur von den niedrigen Renditen auf seine Staatsanleihen, sondern die notwendigen Ausgabenkürzungen beziehungsweise Steuererhöhungen könnten auch auf mehrere Jahre verteilt werden.
Euroskepsis weiterhin vorhanden
Dass viele Deutsche dem Euro weiterhin skeptisch gegenüber stehen, zeigt der Zuspruch für die "Alternative für Deutschland" (AfD). Die am 14. April 2013 gegründete Partei hat sich die Abschaffung des Euro zum Ziel gesetzt. Nach eigenen Angaben hat die AfD bereits mehr als 10.000 Mitglieder. Neuesten Umfragen zufolge käme sie auf drei Prozent der Stimmen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre.
Insgesamt hat die Zustimmung für den Euro bei den Deutschen jedoch zugenommen. In einer Forsa-Umfrage für das Handelsblatt vom Anfang April 2013 sprachen sich 69 Prozent der Befragten dafür aus, den Euro zu behalten. Die D-Mark wollen nur 27 Prozent zurück. Trotz dieser positiven Entwicklung sind fast zwei Drittel der Deutschen weiterhin der Meinung, dass es ihnen mit ihrer alten Währung besser ginge (Bertelsmann Stiftung 2012). Zum Vergleich: In Frankreich beträgt dieser Wert nur 36 Prozent.
Experten warnen vor Euro-Austritt
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass bei einem Austritt Deutschlands aus dem Euro, die Währungsunion wahrscheinlich auseinanderbrechen würde. "Ein Europa ohne den Euro würde auch politisch auseinander fallen und hätte im internationalen Wettbewerb das Nachsehen", so De Geus.
Dem pflichtet Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), bei: "Eine Renationalisierung würde Europa um Jahre zurückwerfen." Ökonomisch gesehen sei der Euro von größter Bedeutung für den deutschen Außenhandel.
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnt in einem Interview mit der ARD vor einer nationalen Bankenkrise, würde Deutschland aus dem Euro austreten. Hinzu kämen massive wirtschaftliche Probleme für die Industrie.
Sven Giegold, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament, begrüßte die Ergebnisse der Studie. "Die nüchternen Zahlen der Bertelsmann Stiftung werden den Euro-Kritikern, die Deutschland noch immer als den Zahlmeister Europas sehen, ordentlich den Wind aus den Segeln nehmen."
ogl
Links
EURACTIV Brüssel: Despite costly bailouts, Germany still benefits from the euro: Study (3. Mai 2013)
Sven Giegold: Euro-Zahlmeister Deutschland? Von wegen! (30. April 2013)
Bertelsmann Stiftung: Deutschland profitiert vom Euro (29. April 2013)
Handelsblatt: Deutsche finden den Euro gut (9. April 2013)
Bertelsmann Stiftung: Deutsche zunehmend skeptisch über die Vorteile der Europäischen Union (17. September 2012)
ifo: 16 Thesen zur Situation der Europäischen Währungsunion (7. Dezember 2011)

