Risikomanager haben Angst vor „anhaltender globaler Rezession“

So sieht Fassungslosigkeit aus: Händler an der New Yorker Börse am 4. März 2020. [EPA-EFE/JUSTIN LANE]

Mehr als 66 Prozent der für eine Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) befragten Risikomanager sehen eine „anhaltende globale Rezession“ als eines der besorgniserregendsten Risiken für ihre Unternehmen.

Laut eines ersten „Risk-Mapping“-Berichts des Weltwirtschaftsforums zum Thema COVID-19, der heute veröffentlicht wurde, dominieren die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie die Risikowahrnehmung der Unternehmen.

Die meisten Befragten halten rein wirtschaftliche Risiken, die aus der Gesundheitskrise resultieren, für diejenigen Gefahren, die in den nächsten 18 Monaten am wahrscheinlichsten auftreten – und ihrer Ansicht nach auch am besorgniserregendsten sind.

Massiver Wirtschaftseinbruch 2020 – und Erholung 2021

Die Volkswirtschaften der EU-Mitgliedsstaaten werden in diesem Jahr um 7,4 Prozent schrumpfen. Das Coronavirus verursacht somit die schlimmste Rezession in der Geschichte des Blocks.

Zwei Drittel der Befragten nannten eine anhaltende globale Rezession als Hauptsorge der Unternehmen, während etwa 53 Prozent Insolvenzen und Branchenkonsolidierung, eine ausbleibende Erholung ihrer Industrie(n) oder eine Unterbrechung der Lieferketten als Hauptsorgen bezeichneten.

Derweil haben technologische Lösungen während der Pandemie im Leben vieler Menschen und Unternehmen wichtige Funktionen übernommen – beispielsweise beim Thema Home Office – und viele mussten sich anpassen sowie neue Maßnahmen zum Schutz ihrer Betriebe ergreifen.

Laut 50 Prozent der Befragten ist die drittbedenklichste Auswirkung für Unternehmen daher eine Zunahme von Cyberangriffen und/oder Betrug mit Daten.

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Die Flüchtlingskrise in 2015 und die jetzige Corona-Pandemie stellen den Schengenraum auf die härteste Probe seit seinem Bestehend vor 25 Jahren, meint Christian Moos, Generalsekretär der überparteilichen Europa-Union Deutschland e.V., im Interview mit EURACTIV Deutschland.

Der Bericht zeigte auch, dass sich die Unternehmen bezüglich geopolitischer Störungen sorgen: Mehr als 40 Prozent der Befragten bewerteten beispielsweise strengere Beschränkungen des Personen- und Warenverkehrs als eine der besorgniserregendsten Auswirkungen der COVID-19-Krise.

Risiken und Chancen

Der Virusausbruch hat zu schweren Zerwürfnissen in der Wirtschaft geführt und wird wohl weitere Krisen nach sich ziehen. Einige Unternehmer und Manager sehen den aktuellen Zeitpunkt jedoch offenbar auch als Chance, die Weltwirtschaft grundlegend zu verändern oder anders wiederaufzubauen.

Dementsprechend werden im WEF-Bericht ein „grüner Aufschwung“, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Konjunkturpakete und mögliche Änderungen der Produktionsmodelle und des Verbraucherverhaltens gefordert.

Ziel müsse es sein, den Übergang zu einer „grünen Wirtschaft“ zu beschleunigen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron haben einen 500-Milliarden-Euro schweren Fonds für den europäischen Wiederaufbau vorgeschlagen. Ein Großteil der Mittel soll die am stärksten betroffenen Sektoren und Regionen unterstützen.

In ihrem Kommentar zu den Ergebnissen des Berichts betonte die Geschäftsführerin des WEF, Saadia Zahidid, wie wichtig es sei, die unmittelbaren Auswirkungen des Coronavirus nun anzugehen.

Die (Wirtschafts- und politischen) Führungskräfte der Welt sollten zusammenarbeiten, um bekannte, sich abzeichnende Risiken zu bekämpfen und gleichzeitig mehr Widerstandsfähigkeit gegenüber neuen und unbekannten Gefahren aufzubauen, argumentierte sie.

Zahidid schloss: „Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit, diese Krise zu nutzen, um die Dinge anders zu handhaben und bessere Volkswirtschaften aufzubauen, die nachhaltiger, widerstandsfähiger und integrativer sind.“

(Bearbeitet von Frédéric Simon)

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