Ringen um Niki-Rettung

Die Übernahme des insolventen österreichischen Ferienfliegers Niki durch die britisch-spanische Holding IAG steht auf der Kippe. [shutterstock]

Nach der gescheiterten Übernahme durch die Lufthansa wird händeringend nach einem Retter für die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki gesucht.

Noch am Donnerstag nahm Insolvenzverwalter Lucas Flöther Gespräche mit möglichen Interessenten für die österreichische Fluggesellschaft auf. Die Zeit drängt: “Wir haben noch ein paar Tage Zeit, ehe Niki die Start- und Landerechte verlieren würde”, sagte ein Sprecher Flöthers.

Neben Firmengründer Niki Lauda sollen bereits weitere potenzielle Käufer die Hand gehoben haben. “Mir ist bekannt, dass es drei bis vier Interessenten gibt”, sagte der Vorsitzende der österreichischen Gewerkschaft GPA, Wolfgang Katzian. Österreich prüft derweil einen Überbrückungskredit für die Fluglinie mit 1.000 Mitarbeitern. So hatte auch der deutsche Staat die Air Berlin nach der Insolvenz gestützt.

Die Lufthansa hatte sich am Mittwoch gegen eine Übernahme von Niki entschieden, da die kartellrechtlichen Bedenken der EU-Kommission zu groß waren. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verteidigte ihre harte Haltung: “Es war keine Überraschung für Lufthansa, dass wir den Plan kritisch gesehen haben.” Eine Entscheidung war aber noch nicht gefallen.

Air-Berlin-Sanierer Frank Kebekus will bis Ende des Jahres eine Lösung für Niki finden. Er rechne in den nächsten Tagen mit neuen Angeboten, sagte er dem “rbb-Inforadio”. Wenn es eine Lösung gebe, könne man sich sicherlich auch im Januar noch einmal die ein oder andere Woche nehmen, um sie festzuzurren.

Flöther hofft nun auf ein Umdenken bei der British-Airways-Mutter IAG oder der Condor-Mutter Thomas Cook, die bereits einen Blick in die Bücher von Niki geworfen hatten. Bei einem reinen Verkauf des Geschäftsbetriebs, wie er ihn nun plant, seien die Risiken für den neuen Eigentümer geringer. Firmengründer Lauda sagte im “ORF”, er wolle für Niki ohne Partner bieten. “Alleine mach ich das jetzt, dann geht’s schneller.” Der ehemalige Formel 1-Pilot hatte bereits zusammen mit Condor den Hut in den Ring geworfen, aber gegen Lufthansa den Kürzeren gezogen.

Bei Ryanair stehen die Zeichen auf Streik

Kurz vor der Weihnachtszeit hat die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zu Streiks beim irischen Billigflieger Ryanair aufgerufen.

Die IAG hatte Air Berlin zufolge vor der Niki-Insolvenz signalisiert, dass sie kein Interesse mehr an einer Übernahme habe. Der Vorstand von Thomas Cook hat sich der “Süddeutschen Zeitung” zufolge mit dem Thema zumindest beschäftigt. Insolvenzverwalter Flöther, der auch Air Berlin abwickelt, war am Donnerstag zunächst bei Niki in Wien. Allein dort stehen 790 Mitarbeiter vor dem Aus. Rund 300 bis 400 kamen am Flughafen Wien zu einer Versammlung zusammen. “Das Treffen ist im Streit geendet. Die Mitarbeiter hatten die Nase voll und der Geschäftsführer ist dann einfach gegangen”, sagte Niki-Mitarbeiter Sebastian van Ven, der nach seiner Nachschicht als Techniker an der Versammlung teilnahm.

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO warf der Lufthansa vor, auch nach der geplatzten Übernahme der “absolute Profiteur” der Air-Berlin-Pleite zu sein. “In den vergangenen Wochen gab es für die ehemaligen Air-Berlin-Kollegen eine unsägliche Hängepartie bezüglich der Konditionen, zu denen diese Kollegen im Lufthansakonzern unterkommen sollen. Das muss endlich ein Ende haben,”, sagte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies.

Beim gestrigen EU-Gipfel in Brüssel hatte Noch-Kanzler Christian Kern nicht nur seinen letzten Auftritt als Bundeskanzler sondern er kündigte auch an, dass die österreichische Regierung Rettungsmaßnahmen bezüglich Niki überlege. Und zwar sowohl was den Heimflug gestrandeter Niki-Passagiere betrifft als auch die Erhaltung der mehr als 700 österreichischen Arbeitsplätze. Unter Umständen könnte dies bereits zum ersten Akt der neuen Regierung werden.

Niki hatte am Mittwoch beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenzantrag gestellt. Der Flugbetrieb wurde eingestellt. Nach Angaben des österreichischen Verkehrsministeriums drohen damit in den nächsten zwei Wochen rund 5.000 Passagiere zu stranden. Für die meisten von ihnen gebe es aber genügend Plätze auf anderen Flügen.