Rekordinflation: Griechenland erhöht den Mindestlohn

Offiziellen Angaben zufolge zahlen die Griechen die höchsten Stromrechnungen in der EU. Die Regierung steht unter Druck, weitere Maßnahmen gegen ein angebliches lokales "Energiekartell" zu ergreifen. [EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]

Die konservative Regierung Griechenlands hat beschlossen, den Mindestlohn von 663 Euro auf 713 Euro brutto zu erhöhen. Opposition und Gewerkschaften wandten ein, dass diese „Peanuts“ nicht einmal die steigenden Preise decken könnten. 

Die Maßnahme, die am 1. Mai in Kraft tritt, sieht vor, dass etwa 650.000 Beschäftigte monatlich 713 Euro brutto erhalten, was in der Praxis einem Nettogehalt von 613 Euro entspricht (heute 569 Euro).

„Die fast 650.000 Beschäftigten in dieser Kategorie werden mehr als ein zusätzliches Nettogehalt pro Jahr verdienen. Von nun an wird ein fünfzehntes Gehalt zu ihrem Einkommen hinzugefügt“, sagte der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis in einer Fernsehansprache.

Gewerkschaften und Oppositionsparteien erklärten jedoch, dass die Erhöhung der Nettolöhne um 44 Euro den Bürger:innen nicht helfen werde, die beispiellos gestiegenen Preise, insbesondere im Energiesektor, zu kompensieren.

Nach offiziellen Angaben zahlen die Griech:innen die höchsten Stromrechnungen in der EU. Die Regierung steht unter Druck, weitere Maßnahmen gegen ein mutmaßliches, lokales „Energiekartell“ zu ergreifen.

Die Regierung hat versprochen, Maßnahmen zur Kontrolle der Energiepreise zu ergreifen, falls man sich nicht auf eine EU-weite Lösung einigen kann. Angesichts der Tatsache, dass Athen die höchste Staatsverschuldung in der Eurozone aufweist, ist der finanzpolitische Spielraum für kontinuierliche finanzielle Unterstützung jedoch begrenzt.

Bürger:innen reduzieren ihre Ausgaben für grundlegende Waren

Der Verband der griechischen Arbeitnehmer:innen hat kürzlich eine Umfrage veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die Bürger:innen ihre Ausgaben für lebenswichtige Güter deutlich reduziert haben, seitdem ihre Kaufkraft stark gesunken ist.

Fast 60 Prozent der Arbeitnehmer:innen geben an, dass der Preisanstieg zu einer Verringerung des Verbrauchs von Grundnahrungsmitteln geführt hat, während 74 Prozent der Angestellten angeben, dass sie weniger heizen, berichtet die Nachrichten-Website In.gr.

Laut der Website würden lediglich die Arbeitgeber:innen durch diese leichte Erhöhung des Mindestlohns entlastet werden.

Der Verband erklärte außerdem, Griechenland sei der einzige EU-Mitgliedstaat mit einem Mindestlohn, der unter dem Niveau von 2009 liege. Im Zeitraum 2020-2021 gab es keine Erhöhungen.

Die Arbeitnehmer:innen bestehen darauf, dass der Mindestlohn auf 751 Euro monatlich festgesetzt wird und neue Maßnahmen ergriffen werden, um flexible Beschäftigungsformen zu verhindern.

Opposition in Aufruhr

Die Ankündigung des Ministerpräsidenten löste eine heftige Reaktion der Oppositionsparteien aus, die sagten, dieses „Taschengeld“ könne die kritische Realität der steigenden Preise nicht auffangen.

Die wichtigste Oppositionspartei Syriza (EU-Linke) wies darauf hin, dass „das Gehalt von Mitsotakis nicht einmal für die Stromrechnungen ausreicht.“

Syriza, die hofft, bei den nächsten Wahlen eine fortschrittliche Regierung mit den Sozialdemokraten zu bilden, erklärte, sie werde den Mindestlohn auf 800 Euro erhöhen und den von der konservativen Regierung geschaffenen „Dschungel der Arbeitsbeziehungen“ beseitigen.

Die Sozialdemokraten (Pasok) erklärten ihrerseits, der Mindestlohn solle auf 751 Euro festgesetzt werden, und es sollten freie Tarifverträge gelten.

„700.000 Teilzeit- oder befristet Beschäftigte werden eine (durchschnittliche) Bruttoerhöhung von 25 Euro erhalten“, so Pasok in einer Erklärung.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

Subscribe to our newsletters

Subscribe