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18/01/2017

Ratingagentur hebt Kreditwürdigkeit Griechenlands an

Finanzen und Wirtschaft

Ratingagentur hebt Kreditwürdigkeit Griechenlands an

Standard and Poor's: Die Kreditwürdigkeit in Griechenland stabilisiert sich.

[Duncan Hull/Flickr]

Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Wertung Griechenlands um zwei Stufen angehoben und dem hochverschuldeten Land damit eine stabile Entwicklung bescheinigt. Das Risiko eines Grexit gilt dennoch weiter als „hoch“. Deutsche Politiker mahnten unterdessen eine Umsetzung aller beschlossenen Reform-Maßnahmen an.

Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands am Dienstag um zwei Stufen auf CCC+ erhöht. Die weitere Entwicklung des Landes wurde mit „stabil“ eingestuft, nachdem das hochverschuldete Euroland sich kürzlich mit den internationalen Geldgebern grundsätzlich auf ein drittes Hilfsprogramm und eine Brückenfinanzierung geeinigt hatte. Laut der Agentur nimmt damit die Gefahr eines Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone ab, auch wenn das Risiko eines Grexit weiter als „hoch“ eingestuft wird.

Griechenland hatte am Montag 7,16 Milliarden Euro von der EU erhalten. Damit konnte Athen zwei seit dem 30. Juni und dem 13. Juli fällige Kredite von insgesamt zwei Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie 4,2 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen. Laut S&P ist damit „der Zahlungsausfall des Landes bei seinen Schulden gegenüber den privaten Gläubigern in den kommenden sechs bis zwölf Monaten nicht mehr unvermeidbar“.

Standard & Poor’s hatte die Bonität des Landes Ende Juni von CCC auf CCC- herabgestuft, nachdem der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras überraschend ein Referendum über das Angebot der internationalen Geldgeber für weitere Hilfsleistungen angesetzt hatte. Dies entsprach einer Stufe vor dem kompletten Zahlungsausfall. Auch CCC+ liegt noch tief im sogenannten Ramschniveau und bedeutet, dass die Bonität des Landes „erhebliche Risiken“ beinhaltet.

Die Wahrscheinlichkeit eines Grexit bezifferte S&P Ende Juni mit 50 Prozent. Das Referendum wurde damals als weiterer Hinweis gewertet, dass die Regierung „der Innenpolitik Priorität vor der finanziellen und wirtschaftlichen Stabilität Griechenlands sowie vor der Begleichung seiner Schulden bei kommerziellen Gläubigern und der Mitgliedschaft in der Eurozone geben“ werde.

Politiker mahnen Umsetzung von Reformen in Griechenland an

Vor der nächsten Abstimmung im griechischen Parlament über Reformen haben deutsche Politiker untererdessen eine Umsetzung aller beschlossenen Maßnahmen angemahnt.

Der Vorsitzende des Europa-Ausschusses im Bundestag, Gunther Krichbaum, sagte der Zeitung „Bild“ einem Vorabbericht zufolge: „Wir beobachten haargenau, ob Athen die Reformen nicht nur beschließt, sondern auch umsetzt. Griechenland muss die Voraussetzungen erfüllen, sonst kann kein Geld fließen.“ Auch der Vize-Präsident des EU-Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff, sagte dem Blatt: „Es kann kein Hilfsprogramm geben, wenn die griechische Regierung von ihren Zusagen abrückt. Dann muss die EU die Gespräche sofort abbrechen.“

Die Abgeordneten in Athen sollen am heutigen Mittwoch unter anderem eine Richtlinie zur Abwicklung von in Schieflage geratene Banken sowie schnellere Justizverfahren beschließen. Das Votum gilt auch als Test dafür, wie gut Ministerpräsident Alexis Tsipras seine Gefolgschaft im Griff hat. Bei der ersten Reformabstimmung vergangene Woche gab es zahlreiche Abweichler.

Nicht auf der Tagesordnung stehen geplante Änderungen beim Rentensystem sowie Steuererhöhungen für Landwirte. Sie sollen Vize-Landwirtschaftsminister Vangelis Apostolou zufolge im August oder September folgen. Vertreter der griechischen Regierung und ihrer Gläubiger haben übereinstimmend erklärt, dass diese beiden Punkte nicht zu denen gehören, die in den beiden Parlamentssitzungen im Juli umgesetzt werden müssen.