Post-Brexit: Britische Lebensmittel-Exporte in die EU im Januar um 75% gesunken

Leere britische Regale kurz vor Weihnachten: Neben dem Ende der Brexit-Übergangsperiode machen den Exporteuren auf beiden Seiten des Kanals die Bürokratie, rechtliche Unsicherheiten und die Pandemie zu schaffen. [Facundo Arrizabalaga/EPA/EFE]

Die Exporte britischer Lebensmittel und Getränke in die Europäische Union sind im Januar – dem ersten Monat außerhalb des EU-Binnenmarktes – um 75 Prozent gesunken, so Daten des britischen Verbands Food and Drink Federation (FDF). Ein Mitgrund dürfte die Pandemie sein.

Die Exporte in die Union fielen von einem Wert von rund einer Milliarde Pfund im Januar 2020 auf nur noch 256,4 Millionen im gleichen Monat 2021. Die Exporte nach Irland, Deutschland und Italien brachen sogar um mehr als 80 Prozent ein, wie die am Montag veröffentlichten Zahlen zeigen.

Besonders stark betroffen waren die Lachs- und Rindfleischexporte, die um 98 bzw. 91 Prozent zurückgingen, während der Wert der Whiskyausfuhren von 105,4 Millionen Pfund im Januar 2020 auf 38,9 Millionen Pfund fiel, ein Rückgang von 63 Prozent.

Insgesamt verzeichnete der britische Fischereisektor einen Einbruch der Exporte um 79 Prozent: von 25,2 Millionen auf 5,3 Millionen Pfund. In dieser Hinsicht dürfte die Branche sich bestätigt sehen, die sich zuvor über Verzögerungen und Einbußen aufgrund neuer bürokratischer Vorschriften beklagt hatte.

Nach Grenz-Woche eins: Spediteure ziehen erste Brexit-Bilanz

Diverse Spediteure haben bereits erste Kostenrechnungen in Bezug auf die neuen Grenzregelungen angestellt. Die erste Woche des Lebens mit einem Großbritannien außerhalb des EU-Binnenmarktes war geprägt von Verspätungen und Unterbrechungen der Lieferketten.

Die FDF erklärte, dass „die Auswirkungen von COVID und eine vorsorgliche Lagerhaltung durch britische Unternehmen in der EU vor dem Ende der Übergangszeit“ zu den teils deutlichen Einbrüchen im Januar 2021 beigetragen haben. Ein großer Teil der Einbußen könne ebenso auf „nichttarifäre Hemmnisse“ zurückgeführt werden, mit denen britische Exporteure konfrontiert sind. Auch die Probleme beim Transport dürften eine Rolle spielen.

Hinzu komme die Schließung eines Großteils des Gaststättengewerbes in der EU im Rahmen von Lockdown-Maßnahmen. Die britischen Exporte von Lebensmitteln und Getränken in den Rest der Welt seien ebenfalls um immerhin elf Prozent gefallen – ein Wert, der wohl auch die Pandemie-Effekte widerspiegelt.

Ähnlich seien die Importe aus der EU ins Vereinigte Königreich gesunken – um 25 Prozent, von 2,6 Milliarden auf 1,9 Milliarden Pfund.

Bereits Anfang des Monats hatte das Office for National Statistics (ONS) seinerseits eine Statistik veröffentlicht, aus der hervorging, dass die britischen Exporte in die EU im Januar im Vergleich zum Dezember um 40,7 Prozent gesunken sind. Der britische Minister für die Beziehungen zur EU, David Frost, der auch das Handelsabkommen ausgehandelt hatte, betonte jedoch, das gesamte Frachtvolumen sei seit Anfang Februar wieder auf ein normales Niveau zurückgekehrt.

Frost sagte abschließend, die aktuelle „einzigartige Kombination von Faktoren macht es unvermeidlich, dass wir in diesem Januar einige ungewöhnliche Zahlen beobachten.“

68 Prozent weniger Exporte? Britische Regierung dementiert

Die britische Regierung hat am Sonntag Berichte dementiert, wonach die britischen Exporte in die EU im ersten Monat des neuen Handelsabkommens mit Brüssel um zwei Drittel eingebrochen seien.

Das Auslaufen der „Schonfristen“, mit denen Zollkontrollen bei Lebensmitteln und anderen Waren bald verpflichtend werden, dürfte den Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals jedoch weiterhin schaden.

Die EU hat bereits am 1. Januar Zollkontrollen für britische Exporte eingeführt, während das Vereinigte Königreich die Einführung von Gegenmaßnahmen aktuell bis Oktober verzögert hat.

Die Schonfristen für Waren, die von Großbritannien nach Nordirland gesendet werden, steht derweil im Mittelpunkt eines weiteren, anhaltenden Rechtsstreits zwischen den beiden Seiten.

Die FDF warnte diesbezüglich, dass „die schrittweise Einführung der Grenzkontrollen wahrscheinlich bedeutet, dass die vollen Auswirkungen des Endes der Übergangsphase auf Importe aus der EU nicht vor 2022 zu beobachten sein werden.“

[Bearbeitet von Josie Le Blond und Tim Steins]

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