Portugiesische Zentralbank warnt vor Risiko einer Finanzkrise

In einem Gespräch mit CNN Portugal über Inflation und Geldpolitik betonte der ehemalige Finanzminister, dass auf europäischer Ebene die Bereitschaft bestehe, neue Instrumente zu schaffen, um den Markt zu disziplinieren, "wenn die Schuldenlast über die wirtschaftlichen Fundamentaldaten hinausgeht". [EPA-EFE/TIAGO PETINGA]

Die Gefahr einer Ausweitung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zu einer Finanzkrise könne nicht ausgeschlossen werden, sagte der Gouverneur der Portugiesischen Zentralbank am Montag. Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse nun Maßnahmen ergreifen.

„Aus der Sicht einer Zentralbank müssen wir dafür sorgen, dass die sich abzeichnende Wirtschaftskrise – die eine Gefahr darstellt – nicht zu einer Finanzkrise wird. […] Diese Risiken können nicht vom Tisch gewischt werden, denn wir müssen immer Maßnahmen ergreifen, um uns vor ihnen zu schützen“, sagte Mário Centeno, der an der CNN Portugal Summit-Konferenz im Culturgest in Lissabon teilnahm.

In einem Gespräch mit CNN Portugal über Inflation und Geldpolitik betonte der ehemalige Finanzminister, dass auf europäischer Ebene die Bereitschaft bestehe, neue Instrumente zu schaffen, um den Markt zu disziplinieren, „wenn die Schuldenlast über die wirtschaftlichen Fundamentaldaten hinausgeht.“

In der vergangenen Woche kündigte die Europäische Zentralbank an, sie werde ein „Anti-Fragmentierungs“-Instrument auf den Anleihemärkten schaffen, nachdem in Ländern wie Italien und Spanien die Risikoprämien im Vergleich zu Deutschland in letzter Zeit stark angestiegen waren.

„Wenn es gut konzipiert ist, wird [dieses Instrument] niemals zum Einsatz kommen“, erklärte Mário Centeno und betonte, dass „allein die bloße Existenz“ des Instruments ein bestimmtes Anlegerverhalten verhindern werde.

Trotz seiner Auffassung, dass Europa heute besser in der Lage sei, mit einer Krise umzugehen als 2008 oder 2011, betonte der Gouverneur der Zentralbank jedoch, dass es Fehler gebe, die nicht wiederholt werden dürfen – zum Beispiel das Argument, dass die Maßnahmen einen „bestrafenden Charakter“ hätten, was seiner Meinung nach „eine große Verführung in Europa ist.“

„Wir dürfen nicht vergessen, dass in Europa die Dimension der Risikominderung und der Solidarität nicht immer Hand in Hand gehen. Sie müssen koordiniert werden, und das ist genau das, was 2020 [mit der Pandemie] getan wurde“, argumentierte Centeno.

Der Notenbankchef wies allerdings die Idee zurück, dass der Euro in Gefahr sein könnte. Ebenso wies er den Übergang in einen Zustand der „Halb-Panik“ zurück und verteidigte die Notwendigkeit, Bedingungen für steigende Löhne zu schaffen und damit den „Wunsch“, die Inflationsrate auf zwei Prozent zu bringen, wieder aufzunehmen.

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