Polen ist erneut mit Protesten wegen steigenden Energiepreisen konfrontiert

Die Polen beschweren sich zunehmend über die hohen Preise. So zahlen sie etwa 1,74 Euro (8 PLN) für einen Liter Euro 95 Benzin. [Shutterstock/Porpoise]

Die polnische Bevölkerung zeigt sich zunehmend über den rasantesten Preisanstieg seit 1998 verärgert. Die Gegenmaßnahmen der Nationalbank und der Regierung scheinen nur teilweise Früchte zu tragen.

Exemplarisch lässt sich dieser Missmut über die steigende Inflation anhand der Benzinpreise darstellen. Inzwischen muss man in Polen etwa 1,74 Euro pro Liter Euro 95 Benzin bezahlen.

Für Samstag (11. Juni) wurde bereits ein Protest angekündigt. Autofahrer werden mehr als 100 Tankstellen des hauptsächlich staatlichen Unternehmens Orlen blockieren, das kürzlich seine Gewinnspanne deutlich erhöht hat. Dadurch sind die Kraftstoffpreise stark gestiegen. Bereits vor einigen Tagen haben die Autofahrer:innen protestiert.

Die Inflation erreichte im Mai 13,9 Prozent, berichtete das Statistische Zentralamt (GUS). Doch während Polen bei der Inflation immer noch den 11. Platz in der EU einnimmt, hat der Preisanstieg viele Sektoren in Polen und eine breite Palette von Waren und Dienstleistungen betroffen – wie Kraftstoff, Wasser, Miete, Bau und Lebensmittel.

Nach Ansicht polnischer Ökonomen haben nicht nur die Pandemie und der Krieg in der Ukraine den Preisanstieg verursacht, sondern auch die ergriffenen Massnahmen der Regierung und der Nationalbank.

Für viele marktwirtschaftlich ausgerichtete Experten hat die gleichzeitige Senkung der Zinssätze und die staatliche Unterstützung für Unternehmer schon während der Pandemie zu einem Ansteigen der Inflation geführt.

Eher links ausgerichtete Ökonomen verweisen dagegen auf die stark gestiegenen Gewinnspannen der Großunternehmen, die vom Staat nicht beachtet werden.

In der Zwischenzeit stützt sich Polens Anti-Inflationspolitik immer noch hauptsächlich auf die Anhebung der Zinssätze und Steuererleichterungen. Am 8. Juni hat die Polnische Nationalbank die Zinsen auf 6 Prozent erhöht.

„Die Inflation steigt, also steigen auch die Zinssätze. Ich kann nicht sagen, wann dieser Zyklus enden wird, aber ich vermute, dass wir seinem Ende näher sind als seinem Anfang“, sagte der Präsident der Nationalbank, Adam Glapinski, am Donnerstag (9. Juni) auf einer Pressekonferenz.

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