Panama Papers: Maltesische Investigativjournalistin getötet

Die maltesische Investigativreporterin Daphne Caruana Galizia starb am 16. Oktober durch eine Autobombe. [Times of Malta]

Die maltesische Investigativreporterin Daphne Caruana Galizia ist am Montag getötet worden. Ihr Auto explodierte kurz nachdem sie ihr Haus verlassen hatte.

Caruana Galizia konzentrierte sich in ihrer Investigativarbeit auf Korruption in Malta. Auch EURACTIV zitierte ihre Artikel und war in stetigem Kontakt mit ihr. Ihr Blog Running Commentary wird von vielen Journalisten als die beste Informationsquelle zu Entwicklungen in Malta angesehen.

Caruana Galizia starb nur kurz nach Veröffentlichung ihres letzten Blogposts, in dem sie kurz über Korruption in Malta in Zusammenhang mit den Panama-Papieren schreibt.

Sie hinterlässt einen Ehemann und drei Söhne.

Maltas Premierminister Joseph Muscat, den Caruana Galizia dieses Jahr heftig kritisiert hatte, sagte im maltesischen Fernsehen: „Ich verurteile diesen barbarischen Angriff auf eine Person und auf die Meiningsfreiheit in unserem Land aufs Schärfste.“

Nach Informationen von Malta Television hatte sich die Journalistin zwei Wochen zuvor bei der Polizei gemeldet. Sie habe Drohungen erhalten. Weitere Informationen wollte sie aber nicht weitergeben.

Caruana Galizias Tod kommt vier Monate nachdem die Labour Party von Muscat die Parlamentswahlen gewonnen hat. Die Wahlen waren aufgrund von Skandalen, an deren Offenlegung die Investigativreporterin beteiligt war, vorgezogen worden. Unter anderem wurde Muscats Frau Michelle vorgeworfen, Eigentümerin eines geheimgehaltenen Bankkontos in Panama zu sein.

Caruana Galizia hatte angeblich herausgefunden, dass auf dem Konto Schmiergelder der aserbaidschanischen Präsidentenfamilie lagen, die für die Geschäftslizenz einer Bank aus Aserbaidschan in Malta gezahlt worden waren.

Steuerparadies Malta – Das neue Panama

Alle reden über Malta, das neue schwarze Loch der EU – und ein Paradies für Steuerhinterzieher. Die WirtschaftsWoche schildert, mit welchen simplen Tricks dort auch deutsche Konzerne Millionen sparen.

Muscat, der seit 2013 an der Spitze der maltesischen Regierung steht, nannte die Vorwürfe „die größte Lüge in der Politikgeschichte Maltas“. Er ordnete eine Untersuchung an und erklärte, er werde sofort zurücktreten, sollte irgendeine Verbindung zwischen ihm und geheimen Konten in Übersee gefunden werden.

Für zwei seiner engsten Mitarbeiter scheint das allerdings nicht zu gelten: Generalstabschef Keith Schembri und Minister Konrad Mizzi wurde vergangenes Jahr nachgewiesen, dass sie beide unangemeldete Briefkastenfirmen besaßen, die von der panamenischen Kanzlei Mossack Fonseca eingerichtet worden waren. Muscat hält seinen beiden Verbündeten dennoch die Stange.

Darüber hinaus gibt es in anderen EU-Ländern den Verdacht, der maltesische Finanzsektor würde Steuervermeidung und -hinterziehung erleichtern. So überprüfen deutsche Steuerbehörden derzeit um die 2.000 Firmen, die auf Malta registriert sind und Verbindungen nach Deutschland haben.

Europäische Spitzenpolitiker verurteilten die Ermordung Daphne Caruana Galizias. Frans Timmermans, der erste Vizepräsident der EU-Kommission, zeigte sich „geschockt und entsetzt“. „Wenn Journalisten zum Schweigen gebracht werden, ist unsere Freiheit verloren,“ schrieb er auf Twitter.

Der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP) Joseph Daul nannte Caruana Galizia eine „hochkarätige Investigativjournalistin” und lobte ihre Arbeit in Bezug auf die Panama-Papiere. Sie habe „dazu beigetragen, die Welt zu einem transparenteren und faireren Ort zu machen.“

Auch die GUE/NGL-Fraktion äußerte sich bestürzt. MEP Fabio De Masi (Die Linke) erinnerte daran, dass Caruana Galizia eine wichtige Ansprechpartnerin des Untersuchungsausschusses zu Geldwäsche, Steuervermeidung und Steuerhinterziehung (PANA) des Europäischen Parlaments gewesen sei.

MEP Sven Giegold (Grüne), aktives Mitglied des PANA-Ausschusses, sagte, Caruana Galizia habe „eine sehr wichtige Rolle dabei gespielt, ernste Vorwürfe der Geldwäsche und Korruption in Malta, auch gegen hochrangige Regierungsmitglieder, ans Licht zu bringen.”