Ein Zusammenschluss von 17 europäischen Ökonomen warnt vor einer Eskalation der Euro-Schuldenkrise. Trotz aller Dramatik sei die Lage aber nicht ausweglos.
"Europa steuert schlafwandelnd auf eine Katastrophe mit unkalkulierbaren Ausmaßen zu", heißt es in dem Gutachten der Wissenschaftler, das von dem Thinktank "Institute for New Economic Thinkin" (INET) veröffentlicht wurde.
In den vergangenen Wochen habe sich die Lage in den Euro-Krisenländern dramatisch verschlechtert. "Der Eindruck einer nicht-endenden Krise, in der ein Dominostein nach dem anderen fällt, muss korrigiert werden." Der bislang letzte Dominostein, Spanien, stehe kurz vor einer Liquiditätskrise.
Die Lage ist aber trotz aller Dramatik nach der Analyse der Ökonomen nicht ausweglos. "Es ist nach wie vor möglich, ökonomisch und politisch, einen Weg heraus aus der Eurokrise zu finden", heißt es. Die Politiker müssten vor allem die fehlerhafte Konstruktion der Euro-Zone korrigieren und sie mit neuen Elementen ergänzen. Dazu gehörten eine signifikante Lastenteilung unter den Euro-Ländern und eine Strategie, die darauf konzentriert sei, die aktuell am härtesten kämpfenden Krisenländer im Währungsraum zu stabilisieren. Wenn es um die Behebung von Konstruktionsmängeln gehe, dann bedeute das unter anderem die Schaffung einer Fiskalunion einschließlich einer Bankenunion mit starken europäischen Institutionen.
Zu den Autoren der Analyse gehören die beiden deutschen Wirtschaftsweisen Lars Feld und Peter Bofinger sowie ihre frühere Kollegin in dem Sachverständigengremium Beatrice Weder di Mauro. Als Lösungsansatz für die aktuellen Probleme sehen die Wirtschaftexperten den Vorschlag eines Schuldentilgungsfonds, wie er vom Sachverständigenrat vorgeschlagen und jüngst noch einmal ergänzt worden war.
Mit diesem Fonds soll das Problem gelöst werden, dass der Rettungsschirm ESM von den Ökonomen als zu klein betrachtet wird, um den größeren Euro-Ländern helfen zu können. "Es braucht von deutscher Seite größere Anstrengungen, um die hohen Refinanzierungskosten für Länder wie Spanien und Italien zu senken", sagte Feld der "Financial Times Deutschland". "Entscheidend ist, dass mehr getan wird, um die Probleme kurzfristig zu lösen", so Bofinger gegenüber Zeitung.
EURACTIV/rtr/dto
Links
Dokumente
Institute For New Economic Thinking: Breaking the Deadlock: A Path Out of the Crisis (23. Juli 2012)
Presse
FTD: Top-Ökonomen legen Masterplan für Euro-Krise vor (24. Juli 2012)
Zum Thema auf EURACTIV.de
Reaktionen auf Ökonomen-Kritik zur Euro-Politik (6. Juli 2012)
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