OECD attestiert Deutschland glänzende Konjunkturaussichten

Fertigungshalle. [EP]

Angesichts des globalen Konjunkturaufschwungs winken Deutschland laut der Industriestaatengruppe OECD rosige Zeiten.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde hierzulande in diesem Jahr wohl um 1,7 Prozent und 2018 um 2,0 Prozent zulegen, erklärte die Organisation heute. Damit ist die OECD optimistischer als die Bundesregierung und die führenden Forschungsinstitute. Zu Jahresbeginn war die hiesige Wirtschaft mit 0,5 Prozent doppelt so schnell gewachsen wie ihr US-Pendant. Doch im April musste die Industrie einen Rückschlag hinnehmen: Die Aufträge gingen überraschend deutlich um 2,1 Prozent zurück. Die Wirtschaft geht von einem Ausrutscher aus.

„Der Trend zeigt trotz des Dämpfers weiterhin nach oben. Die Firmen erwarten 2017 nochmals bessere Geschäfte im In- und Ausland“, so die Konjunkturexpertin des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Sophia Krietenbrink. Die Unternehmen profitierten von der Belebung des Welthandels und einem steigenden Investitionsvertrauen. Zugleich hofften sie, dass sich einige Befürchtungen bezüglich der internationalen Politik nicht bestätigten: „Etwa mit Blick auf die US-Handelspolitik“, fügte die DIHK-Expertin hinzu.

Deutsche Wirtschaft reagiert besorgt auf Türkei-Referendum

Nach dem Zuspruch für die umstrittene Verfassungsreform in der Türkei sorgt sich die deutsche Wirtschaft um die Handelsbeziehungen zu dem Land.

Auch OECD-Chefökonomin Catherine Mann appellierte an die politisch Verantwortlichen, das gesamte Spektrum internationaler Wirtschaftskooperationen zu nutzen, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Zugleich warnte sie vor „protektionistischen Maßnahmen sowie Anti-Globalisierungsrhetorik“, die für Unsicherheit sorgten. Die US-Regierung behält sich laut Finanzminister Steven Mnuchin das Recht vor, im globalen Handel für mehr Gleichgewicht zu sorgen. Trump hat dabei unter anderem Deutschland und China im Visier. Beide Staaten hat er wiederholt wegen ihrer hohen Exportüberschüsse scharf kritisiert.

Kritik an mangelndem Reformeifer

Laut OECD darf sich Deutschland nicht darauf verlassen, dass es bei den hohen Überschüssen bleibt. „Denn dies hat auch mit dem für die deutsche Ausfuhrwirtschaft günstigen Wechselkurs des Euro zu tun. Unser Petitum wäre, dass Deutschland sich nicht darauf ausruhen sollte“, sagte OECD-Experte Christian Kastrop. Für Berlin bleibe es eine Aufgabe, Strukturreformen anzupacken. „Wir sind besorgt, dass in dieser Beziehung in Deutschland zu wenig passiert.“ Die hiesigen Exporteure profitieren aus Sicht der OECD von der starken Nachfrage aus Asien und den USA. Diese dürfte sich allerdings abschwächen, wenn der Euro wieder aufwertet und China bei den Importen nicht mehr so kräftig zulegt.

IWF: Trump gefährdet die Weltwirtschaft

Um 3,5 Prozent wird die Wirtschaft 2017 weltweit wachsen, meint der Währungsfonds. Er warnt aber vor Protektionismus und dem deutschen Exportüberschuss.

Die Industriestaatengruppe erwartet auch ein Anziehen der Weltwirtschaft. Das globale Wachstum wird demnach auf knapp über 3,5 Prozent im Jahr 2018 steigen. Zum Vergleich: 2016 lag das Plus bei 3,0 Prozent. Zum Aufschwung dürfte demnach auch der von Trump angekündigte Konjunkturimpuls beitragen. Für die Vereinigten Staaten rechnet die OECD nach dem schwachen Jahresauftakt mit einer Belebung des Wachstums auf 2,25 bis 2,5 Prozent im Zeitraum 2017/18.

Trump will die Konjunktur mit einer radikalen Steuerreform ankurbeln. Bei dem Thema gibt es aber selbst unter den Republikanern im Kongress Streit. So dürfte es schwierig werden, bei der Höhe der Steuersätze, der Gegenfinanzierung oder der Frage des Haushaltsdefizites Kompromisse zu finden. OECD-Experte Kastrop sieht in der Fiskalpolitik in den USA jedoch auch Risiken: „Die Politik könnte zu Zinssteigerungen in den USA führen. Die Verwundbarkeit für das Weltfinanzsystem ist weiter hoch.“

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