Neue juristische Strategie beschert Bayer Aufwind

Bayer ist nach der Monsanto-Übernahme verstärkt unter Druck geraten. [shutterstock]

Angesichts von tausenden Klagen gegen Monsanto in den USA setzt Bayer auf eine neue juristische Strategie und stößt damit auf Zustimmung der Anleger.

Nachdem der Aufsichtsrat am Mittwoch die Weichen dafür stellte, in den Gerichtsverfahren verstärkt auf Vergleiche zu setzen, legte die Bayer-Aktie am Donnerstag kräftig zu. Am Vormittag notierten die Papiere des Chemie- und Pharmakonzerns mit mehr als acht Prozent im Plus bei über 60 Euro.

Seit der Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto im vergangenen Jahr steht Bayer unter erheblichem Druck. Die Aktien haben seitdem erheblich an Wert verloren, vor allem, weil Monsanto im Zentrum zahlreicher Gerichtsverfahren in den USA steht, in denen die Kläger glyphosathaltige Mittel für ihre Krebserkrankungen verantwortlich machen.

Wie Bayer mitteilte, will der Aufsichtsrat „die negativen Auswirkungen“ durch die juristischen Unsicherheit auf den Aktienkurs“ den Griff bekommen und gründet dafür einen Sonderausschuss. Dieser Ausschuss soll den Vorstand um Bayer-Chef Werner Baumann „beraten und Vorschläge zur Prozessstrategie machen“. Mehrere Mitglieder des Ausschusses hätten „umfassende Erfahrung mit komplexen Gerichtsverfahren“, betonte das Unternehmen.

Fünf Probleme, die Bayer-Chef Werner Baumann lösen muss

Seit Montag steht Bayers Glyphosat in den USA erneut vor Gericht, das erste Urteil kostete den Chemiegiganten 78 Millionen Dollar Schadenersatz. Nicht das einzige Problem, dem sich Bayer-Chef Werner Baumann stellen muss.

Zudem sei der US-Anwalt John Beisner beauftragt worden, „den Aufsichtsrat zum Rechtskomplex Glyphosat kontinuierlich zu beraten – auch zu Fragen der Prozesstaktik und zur Mediation“. Beisner sei „ein ausgewiesener Experte für Produkthaftungsklagen“. Er habe „wichtige Führungsrollen bei einigen viel beachteten Produkthaftungsfällen im Auftrag großer multinationaler Unternehmen“ gehabt – „sowohl in Form der erfolgreichen Verteidigung vor Gericht als auch im Zuge von Vergleichen“.

Der Schritt bedeute einen „grundlegenden Wechsel in Bayers bisherigem Ansatz zur Bewältigung der rechtlichen Herausforderungen“, erklärte der Hedgefonds Elliott des US-Investors Paul Singer. Zugleich gab der Hedgefonds bekannt, dass er Anteile an Bayer im Wert von 1,1 Milliarden Euro hält, das sind knapp zwei Prozent.

Mit Elliot an Bord könne Bayer neues Investorenvertrauen darin gewinnen, dass das „Monsanto-Debakel“ nun entschiedener angegangen werde, kommentierten die Analysten von CMC Markets. Bislang habe Bayer den Anschein erweckt, nur auf die Klagewelle in den USA zu reagieren – nun werde auch agiert. „Das ist was die Märkte sehen wollen.“

Journalistenverband zweifelt an Bayer-Angaben zu Monsanto-Listen

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) bezweifelt, dass auf der Liste des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto über deutsche Gegner und Befürworter des Pestizids Glyphosat keine Journalisten stehen. Die Tageszeitung (TAZ) berichtet.

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