Neue Daten: EU-UK-Handel seit Brexit um ein Viertel zurückgegangen

Unternehmen aus diversen Branchen berichten weiterhin von Schwierigkeiten und Verzögerungen beim Handel über den Ärmelkanal hinweg. [EPA-EFE/ANDY RAIN]

Der Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU ist in den ersten drei Monaten nach dem vollendeten EU-Austritt und dem Ablauf der „Übergangsperiode“ um fast ein Viertel zurückgegangen. Das zeigen neue offizielle Daten, die am gestrigen Dienstag (25. Mai) vom britischen nationalen Statistikamt vorgelegt wurden.

Die größten Einbrüche gab es im Handel mit Irland und Deutschland.

Die Exporte nach Irland fielen demnach zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 um 47,3 Prozent. Die größten Rückgänge gab es dabei in den Bereichen Chemikalien, Lebendvieh sowie Lebensmittel. Im Rahmen des Brexit-Abkommens waren Zollkontrollen für alle Waren eingeführt worden, die von Großbritannien auf die irische Insel transportiert werden.

Die Importe aus Deutschland, dem größten EU-Handelspartner des UK, fielen derweil im ersten Quartal 2021 um 30,5 Prozent oder 1,7 Milliarden Pfund (fast zwei Milliarden Euro) gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018.

Das Statistikamt teilte mit, man habe als Referenzwert die ersten drei Monate des Jahres 2018 ausgewählt, da dies „der letzte Zeitraum war, in dem relativ stabile Handelsmuster beobachtet werden konnten“. Die folgenden Kennzahlen müssten aufgrund des Brexits und der einsetzenden Pandemie mit Vorsicht bewertet werden.

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In jedem Fall konnte das Handelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich die nun registrierten Einbußen im ersten Quartal 2021 offenbar nicht komplett verhindern.

Das Abkommen, das am 1. Januar in Kraft getreten ist, regelt den zoll- und quotenfreien Warenhandel zwischen beiden Seiten nach dem britischen Austritt aus der Europäischen Union.

Verbesserung in Sicht?

Das britische Statistikamt räumte ein, es sei „schwierig, die letztendlichen Auswirkungen des Coronavirus und des EU-Austritts auf den britischen und internationalen Handel vollständig zu entschlüsseln“. Schließlich würden sich die Effekte dieser beiden großen Ereignisse auch weiterhin auf den Handel auswirken.

Brexit-Minister David Frost hatte bereits zuvor versucht, die langfristigen Auswirkungen des Austritts aus dem EU-Binnenmarkt herunterzuspielen. So teilte er Anfang dieses Monats mit, inzwischen könne man beobachten, „dass die Warenexporte in die EU über dem durchschnittlichen Niveau von 2020 liegen.“

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Auch andere Ministerinnen und Minister gehen davon aus, dass zumindest ein Teil des Handel-Rückgangs auf die Pandemieauswirkungen sowie auf den vorherigen Aufbau von Lagerbeständen seitens britischer Unternehmen in der EU vor dem Ende der Übergangszeit zurückzuführen sei.

Der größte Einbruch wurde außerdem im Januar 2021 registriert, als die britischen Exporte in die EU im Vergleich zum vorherigen Dezember um 40,7 Prozent fielen. Seitdem scheint sich der Handel tatsächlich etwas zu erholen: Für den März stellte das nationale Statistikamt fest, dass der Warenhandel mit der EU im Vergleich zum Februar bereits wieder um 1,8 Milliarden Pfund gestiegen sei.

Wie sich die Handelsbeziehungen weiter entwickeln, bleibt freilich unklar. So weisen die jüngsten Entwicklungen einerseits auf eine Verbesserung hin. Andererseits berichten weiterhin zahlreiche Unternehmen aus diversen Branchen von Schwierigkeiten und Verzögerungen, die sich aus den neuen Kontrollen und bürokratischen Anforderungen im Handel über den Ärmelkanal hinweg ergeben.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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