Die EU-Wirtschaftsleistung ist in den vergangenen Jahren dank einer neuen Berechnungsmethode deutlich höher ausgefallen als angenommen. Mit der geplanten Statistik-Änderung dürfte es Italien leichter fallen, die EU-Defizitregeln einzuhalten.
Das Bruttoinlandsprodukt werde nach der geplanten Statistik-Änderung im September rund 2,4 Prozent höher ausfallen, teilte die EU-Kommission am Donnerstag mit. Dadurch wird sich auch das Verhältnis von Verschuldung zur Wirtschaftsleistung verändern.
Die Defizitquote werde zwar höchstens einige Bruchteile eines Prozentpunktes sinken und die Verschuldungsquote um wenige Punkte, sagte ein Mitarbeiter der EU-Kommission der Nachrichtenagentur Reuters. Dennoch könnte es mit der Änderung etwa Italien leichter fallen, die EU-Defizitregeln einzuhalten. Das Land liegt seit zwei Jahren nahe an der Grenze von drei Prozent.
Grund für die neuen Ergebnisse ist, dass Forschung und Entwicklung sowie Rüstungsausgaben auch rückwirkend als Investitionen veranschlagt werden und nicht mehr als Ausgaben. Für Deutschland ergebe sich ein um zwei bis drei Prozent höheres BIP, erklärte die EU.
Die Umstellung dürfte auch künftig dafür sorgen, dass die Wirtschaftsleistungen höher angesetzt würden, sagte das Statistikamt Eurostat voraus. Während die Wirtschaftsleistung damit insgesamt deutlich höher angesetzt werde, dürfte sich beim Wachstum kaum eine Änderung ergeben, erklärte Eurostat.
Mit dem Wechsel stellt die EU die Erhebung auf eine global geltende Norm um, die in den USA bereits seit August zur Anwendung kommt. Dort hatte die Einführung dazu geführt, dass das BIP von 2010 bis 2012 sogar 3,5 Prozent höher beziffert wurde.
Auch in den EU-Ländern wird die Wirkung unterschiedlich ausfallen. In Lettland, Litauen, Ungarn, Polen und Rumänien dürfte die Wirtschaftsleistung um höchstens ein Prozent zulegen. In Deutschland, Belgien, Dänemark, Frankreich und den Niederlanden wird der Anstieg der EU zufolge zwei bis drei Prozent betragen und in Österreich und Großbritannien drei bis vier Prozent. Die deutlichste Wirkung können Finnland und Schweden erwarten: Dort dürfte die Neuberechnung die Wirtschaftsleistung um vier bis fünf Prozent erhöhen.
EURACTIV/rtr
EURACTIV Brüssel: Eurostat to revise EU’s annual GDP figures higher (17. Januar 2014)

