Negativzinsen belasten Deutschlands Sozialkassen

In manchen Regionen Europas altert die Bevölkerung zusehends - der demografische Wandel bedroht die Sozialsysteme. [Foto: dpa]

Die Gesundheitsfonds und Rentenkasse in Deutschland erzielen kaum noch Erträge. Die EZB erhebt seit 2014 einen negativen Zins von derzeit 0,4 Prozent für kurzfristig angelegtes Geld.

Die extrem niedrigen Zinsen bereiten Deutschlands Sozialkassen immer größere Probleme. Der Gesundheitsfonds, der die Krankenversicherungsbeiträge an die Krankenkassen verteilt, habe im vergangenen Jahr bereits 5,1 Millionen Euro Negativzinsen an Banken zahlen müssen, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Die Rentenversicherung und die Bundesagentur für Arbeit hätten 2016 für ihre Reserven gerade noch eine positive Verzinsung erreicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhebt seit Juni 2014 einen negativen Zins von derzeit 0,4 Prozent für Geld, das bei ihr kurzfristig geparkt wird. Die Notenbank will so die Banken animieren, Kredite in die Wirtschaft zu pumpen, statt es bei ihr zu bunkern. Diese Negativzinsen geben die Banken an ihre Kunden weiter. Somit wird das Geschäft mit der Geldanlage auch für die Sozialkassen, in welche die Milliarden-Beiträge der gesetzlich Versicherten fließen, immer schwieriger.

EZB hält an Niedrigzinsen fest

Die Europäische Zentralbank bleibt ihrer Geldpolitik treu und hält an dem Anleihekaufprogramm fest. Der Leitzins bleibt unverändert bei null Prozent.

Der Gesundheitsfonds legt laut SZ monatlich zwischen 4,7 Milliarden und neun Milliarden Euro maximal für gut zwei Wochen als Termingeld an. Mit so kurzen Laufzeiten ließen sich aber keine positiven Erträge mehr erzielen. Etwas besser sehe es bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) aus, die ihre Beiträge und Steuerzuschüsse sofort an die 20,8 Millionen Rentner ausgibt, aber auch über eine Reserve verfügt. Diese Rücklage belief sich Ende 2016 auf 32,4 Milliarden Euro. Bereits ein Viertel der Anlagen werde negativ verzinst, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die DRV. Die Vermögenserträge bezifferte die DRV für 2015 mit nur 65.000 Euro.

Die Bundesagentur für Arbeit hatte Ende 2016 eine Rücklage von 11,5 Milliarden Euro. Die Verzinsung habe sich auf plus 0,052 Prozent belaufen, so wenig wie noch nie, heißt es in dem Pressebericht. Die Behörde schließe mittlerweile wegen der Zinspolitik der EZB „die Möglichkeit einer Negativverzinsung nicht mehr gänzlich aus“. 2007 und 2008 hatte die Verzinsung noch bei gut vier Prozent gelegen.

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