Mögliche Folgen eines griechischen Zahlungsausfalls

Was passiert, wenn Griechenland seine Schulden beim IWF nicht bezahlt? [heipei/Flickr]

Das von der Pleite bedrohte Griechenland muss bis Ende des Monats 1,5 Milliarden Euro Kreditschulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) begleichen. Ohne Einigung mit den Gläubigern auf die Auszahlungen weiterer Finanzhilfen kann Athen diese Summe nicht aufbringen. Was passiert, wenn das Euro-Land seine Schulden beim IWF nicht bezahlt?

Keine Verlängerung der Gnadenfrist

Mit der Bündelung aller im Juni fälligen Zahlungen zum Monatsende hatte sich Athen etwas Luft verschafft. Beim Währungsfonds ist in diesem Zusammenhang von der Sambia-Option die Rede – benannt nach dem südostafrikanischen Land, das Mitte der 80er Jahre als zuvor einziger IWF-Schuldner davon Gebrauch machte. Eine Verlängerung des Aufschubs schloss IWF-Chefin Christine Lagarde aus. „Es wird keine Gnadenfrist geben“, sagte Lagarde am Donnerstag.

Langwieriges Verfahren bei Zahlungsversäumnis

Wenn Griechenland die Kredite nicht fristgerecht bedient, würde der Währungsfonds die Auszahlung von weiteren Hilfen umgehend stoppen. Der Umgang mit säumigen Schuldnerstaaten folgt dann einem zeitlich abgestuften Prozedere. Im ersten Monat würde der Währungsfonds Athen wiederholt ermahnen, ehe Lagarde den Exekutivrat der Organisation formal über den Zahlungsrückstand informiert. Zwei weitere Monate würden verstreichen, bis der Exekutivrat über eine offizielle Beschwerde entscheidet.

Sollte Griechenland nach 15 Monaten immer noch nicht gezahlt haben, könnte der Währungsfonds eine Verweigerung der Zusammenarbeit feststellen. Dies hätte schrittweise Sanktionen zur Folge, die vom Ende der technischen Unterstützung durch IWF-Experten über die Aussetzung der griechischen Stimmrechte bis zum Verlust der Mitgliedschaft reichen.

Auswirkungen auf die europäischen Hilfskredite

Die Zahlungsmoral der Griechen beim IWF ist an die Hilfen aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF gekoppelt. In der Vereinbarung zwischen Athen und dem EFSF ist festgeschrieben, dass griechische Rückstände beim IWF als Zahlungsausfall eingestuft werden könnten. Dann müsste der EFSF sämtliche Hilfskredite fällig stellen. Allerdings gibt es keinen Automatismus, die Entscheidung dürfte am Ende bei der europäischen Politik liegen.

Unklar ist, wie die Europäische Zentralbank reagieren würde. Die EZB hält das griechische Bankensystem derzeit mit Notkrediten über Wasser und könnte einen Zahlungsausfall beim IWF zum Anlass nehmen, die Unterstützung einzustellen oder zumindest zu begrenzen. Dies könnte zu einem Zusammenbruch des griechischen Finanzwesens führen.