Die rechtlichen Grauzonen beim mobilen Bezahlen sollen mit der neuen Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD II) besser ausgeleuchtet werden. Auch die Frage der sicheren Zahlungsabwicklung ist von zentraler Bedeutung für die weitere Entwicklung mobiler Bezahlsysteme.
Die Europäische Kommission wird diesen Monat eine überarbeitete Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD II) vorlegen. Die neuen EU-Vorschriften sollen dem Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) frischen Schub geben und dabei auch neue mobile Zahlungsmodelle erfassen. In dem Entwurf der Richtlinie, den EURACTIV einsehen konnte, verweist die Kommission auf das Problem des „rechtlichen Vakuums für bestimmte, neu entstandene Internetdienstleister“. Konkret erwähnt werden Drittanbieter, die Online-Bezahlmodelle anbieten. Die Risiken, die sich aus dieser rechtlichen Grauzone ergeben, verhindern nach Ansicht der Kommission weitere Innovationen und erschweren den Marktzugang für neue Anbieter. Die Kommission schlägt daher vor, dieses rechtliche Vakuum auszufüllen und Online- und mobile Zahlungsdienste von der Regulierung zu erfassen. Auch sollen sie in den reformierten SEPA-Rat aufgenommen werden. Im SEPA-Rat sind Anbieter und Nutzer von Zahlungsdiensten vertreten, um den SEPA-Umstellungsprozess zu überwachen und zu unterstützen.
Mobiles Internet in Deutschland
40 Prozent der Deutschen sind im mobilen Internet unterwegs. Doch Sicherheits- und Datenschutzbedenken sind für die Deutschen zwei zentrale Hindernisse, das mobile Internet noch stärker zu nutzen. Das geht aus einer aktuelle Studie „Mobile Internetnutzung“ der Initiative D21 hervor. Demnach nennen 50 Prozent der Offliner und 63 Prozent der nicht-mobilen Internetnutzer Sicherheits- und Datenschutzbedenken als Hürde für die mobile Internetnutzung.
Digitale Brieftaschen und Abrechnungsmodelle
Es gibt eine ganze Reihe neuer Anwendungen in Form von „digitalen Brieftaschen“, die die physischen Brieftaschen nach und nach ersetzen sollen. Bei den „digitalen Brieftaschen“ lassen sich zwei Grundformen unterscheiden: die eine bietet Software-Lösungen, bei denen der Kunde seine Bankkarte oder Bankdaten einsetzt. Angebote der zweiten Grundform bieten eigene, selbst entwickelte Bezahlmodelle an. MasterPass und Google Wallet sind Beispiele für Software-Lösungen, die auf der traditionellen Kreditkarte beruhen. Google Wallet basiert dabei auf der Near Field Communication (NFC) Technologie, die bisher nicht in allen Smartphones verfügbar ist. Beide Systeme stecken noch in den Kinderschuhen, auch weil sich die Online-Anbieter zuvor für diese Systeme registrieren müssen. Google-Konkurrent Apple hat Passbook entwickelt. Damit können die Nutzer ihre online erworbenen Flugtickets, Gutscheine, Konzertkarten etc. verwalten. Allerdings ist Passbook kein Bezahlsystem, bei denen Kredit- oder Debitkarten eingesetzt werden. Über PayPal wiederum können Nutzer, Geld online überweisen oder empfangen. Sie müssen sich dafür über ihre Email identifizieren. Auch Paypal ist inzwischen auf dem Markt mobile Bezahlmodelle aktiv. Viele mobile Angebote, etwa Klingeltöne oder Votings, werden auch über die klassische SMS abgerechnet. Dabei senden die Nutzer eine SMS an eine Premium Kurzwahl-Nummer, deren Kosten über dem SMS-Basistarif liegen. Die Differenz geht an den Anbieter der mobilen Dienstleistung. Mobile Zahlungsmodelle via Premium-MMS oder Links funktionieren ähnlich.
PSD II und Drittanbieter
Auch wenn die neue PSD II darauf abzielt, möglichst alle neuen Bezahlsysteme in einem Regelwerk zu erfassen, ist unklar, ob und wie innovative Angebote die EU-Regeln umgehen können. „Marktbasierte Lösungen sind der beste Weg, Wettbewerb bei den Zahlungsdiensten zu garantieren. Wenn es dennoch gesetzliche Regelungen geben muss, dann ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle Zahlungsdienste, auch die von Drittanbietern [etwa American Express, PayPal, Click&Buy, PaySafeCard] und nationale Lösungen erfasst werden, damit für alle die gleichen Wettbewerbsbedingungen gelten“, sagt Jason Lane, verantwortlich für MasterCards Entwicklung auf dem europäischen Markt.
Frage der Sicherheit
Neben den Fragen der Regulierung, geht es beim Bezahlen immer um die Frage der Sicherheit. Dunhill hat eine „biometrische Brieftasche“ entwickelt, die nach Firmenangaben „praktisch unzerstörbar“ ist. So kann diese physische Brieftasche kann nur über den Scan des Fingerabdrucks geöffnet werden. Die biometrische Brieftasche kann zudem via Bluetooth mit dem Mobiltelefon verknüpft werden, das Alarm schlägt, sobald die Brieftasche mehr als fünf Meter entfernt wird. Während es bei physischen Brieftaschen also um das Risiko von Verlust und Diebstahl geht, sind digitale Brieftaschen potenziell von Online-Räubern und Hackern bedroht. Die Entwicklung einer verlässlichen und sicherer Umgebung für das mobile Bezahlen via Smartphones im Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) wird im aktuellen Weißbuch „New Mobile Wallet Payments White Paper“ thematisiert, den der Europäische Zahlungsverkehrsausschuss (European Payments Council) am 2. Juli veröffentlicht hat. Interessierte können sich noch bis Ende September an der Konsultation beteiligen. Noch stecken mobile Bezahlsysteme in einem Frühstadium. Für die weitere Entwicklung sind eine harmonisierte Regulierung, die Kompatibilität der verschiedenen Systeme und die Frage der sicheren Zahlungsabwicklung von zentraler Bedeutung. EURACTIV
Links
EURACTIV Brüssel: New mobile payment systems pose regulatory, security challenges (10. Juli 2013) Dokumente Kommission: Grünbuch: Ein integrierter europäischer Markt für Karten-, Internet- und mobile Zahlungen (11. Januar 2012) Kommission: Frequently Asked Questions (11 January 2012) Kommission: Feedback statement from the consultation (27 June 2012) Kommission: Replies to the consultation (27 June 2012) Kommission: Antitrust: Commission sends Statement of Objections to Visa Kommission: Press release on MasterCard’s decision to cut MIFs Kommission: Single Euro Payments Area (SEPA) Kommission: SEPA-Migration SpecialReport: Neue Richtlinie über Zahlungsdienste SEPA: Unterschiede im einheitlichen Euro-Zahlungsraum (10. Juli 2013) PSD II: Neue EU-Vorschläge zu Zahlungsdiensten (8. Juli 2013) PSD II: Verbraucherschützer uneins zu reduzierten MIFs (9. Juli 2013) Weiteres zum Thema auf EURACTIV.de Kreditkarten: „Neue EU-Regeln könnten diskriminieren“ (19. Juni 2013) MasterCard in letzter Instanz gegen EU-Gebührenverbot (6. Juni 2013) Kreditkartengebühren sinken: Visa gibt im Kartellstreit nach (14. Mai 2013) LinkDossier: PSD und SEPA – Die neue EU-Richtlinie über Zahlungsdienste

